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1. Kurzbeschreibung

Die "Akademie zur Wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums", kurz „Deutsche Akademie“ (DA), wurde im Jahr 1925 in München gegründet. Ihre Aufgabe war zunächst die Erforschung und Förderung der deutschen Kultur. Nach 1930 verschob sich der Schwerpunkt auf die Förderung der deutschen Sprache im Ausland. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die DA zur zentralen Propagandainstitution in den von der Wehrmacht besetzten Ländern. Am 31. Dezember 1945 wurde sie von den US-Besatzungsbehörden aufgelöst. 1951 wurden die Finanzmittel der DA zur Gründung des Goethe-Instituts verwendet, als dessen Vorgängerorganisation die DA gilt.

2. Aufgaben

Als Zweck der DA wurde in ihrer Satzung die Pflege „alle[r] geistigen und kulturellen Lebensäußerungen des Deutschtums“ und der „nichtamtlichen kulturellen Beziehungen Deutschlands zum Auslande und der Auslandsdeutschen zur Heimat“ festgelegt, wobei letztlich beide Zwecke der Förderung des „deutschen Nationalbewusstseins“ dienen sollten.[1] Die Wissenschaftliche Abteilung sollte neben der Erforschung der Geschichte des deutschen Volkes und seines Staatslebens, die Pflege des deutschen Sprachgutes, deutscher Literatur und Kulturgüter erforschen, indem sie wissenschaftliche Veranstaltungen und Publikationen selbst organisieren oder die Organisation von solchen unterstützen sollte. Die Praktische Abteilung hatte zudem die Auswertung wissenschaftlicher Projekte zur Aufgabe.[2] Ferner sollte die Akademie die Pflege und den Unterricht der deutschen Sprache im Ausland betreiben.

Ab Ende der 1920er Jahre geriet der Sprachunterricht immer mehr in den Fokus der DA, weil es für die anderen Bereiche bereits entsprechende Einrichtungen gab.  Diese Fokussierung wurde nach dem raschen Sieg über Frankreich 1940 von Seiten der deutschen Politik im Hinblick auf die Ziele der deutschen Besatzungspolitik und der Beeinflussung der öffentlichen Meinung der neutralen Länder weiter forciert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Sprachunterricht zur alleinigen Aufgabe der DA.

3. Organisation

Organisatorisch bestand die DA aus folgenden Gremien: einem Präsidenten, zwei Abteilungspräsidenten, dem Kleinen Rat, dem Senat, dem Großen Rat, einem Finanzausschuss und der Mitgliederversammlung. Ferner gab es selbstverwaltete Außenstellen (Orts- und Gaugruppen) von so genannten „Freunden der Deutschen Akademie“,[3] deren Hauptaufgaben das Werben für die Anliegen der Akademie sowie die Mithilfe bei der Bereitstellung von finanziellen Mitteln waren.

Der erste Präsident der gesamten DA war Georg Pfeilschifter (1870–1936), während Hermann Oncken (1869–1945) der erste Präsident der Wissenschaftlichen und Karl Haushofer (1869–1946) der Praktischen Abteilung wurde. Letzterer legte noch im Gründungsjahr sein Amt wegen Überlastung nieder, kehrte jedoch 1934 als (Gesamt-) Präsident der Akademie zurück. Die Wissenschaftliche Abteilung war in vier Sektionen aufgeteilt: I. Sektion für Geschichte, II. Sektion für Deutsche Sprache, Literatur und Volkskunde (a. für ältere Sprache und Literatur, b. für neuere Sprache und Literatur, c. für Volks- und Altertumskunde), III. Sektion für Bildende Kunst und Musik (a. für Bildende Kunst, b. für Musik), IV. Sektion für Staats- und Wirtschaftskunde.

Der Präsident und die beiden Abteilungspräsidenten der Wissenschaftlichen und der Praktischen Abteilung wurden für jeweils drei Jahre vom Senat bestellt. Der Präsident stand an der Spitze der gesamten Körperschaft, außerdem stand er dem Kleinen Rat, dem Senat und dem Großen Rat vor und ernannte die Angestellten der Akademie. Der Kleine Rat bestand aus neun Mitgliedern, nämlich dem Präsidenten, zwei Abteilungspräsidenten, je einem Vertreter des Senats und des Großen Rats, zwei Mitgliedern des Finanzausschusses und zwei weiteren Mitgliedern, die er für drei Jahre wählte. Er war zentrales Beschlussorgan der Akademie, dem auch die Angestellten unterstanden. Der Große Rat setzte sich aus den Ehrendelegierten der Außenstellen und den angeschlossenen größeren selbstständigen Vereinigungen, aus den Mitgliedern des Kleinen Rates und aus besonders verdienten Persönlichkeiten, die der Kleine Rat ernannte, zusammen. Der vom Kleinen Rat ernannte  Finanzausschuss bestand aus herausragenden Vertretern von Handel und Industrie. Die Mitgliederversammlung setzte sich aus den Mitgliedern des Kleinen Rats, des Senats und des Großen Rats zusammen. Als beratendes Gremium stand der DA der Senat zur Seite, der aus 100 auf Lebenszeit ernannten Senatoren bestand. Die Möglichkeit zur Ernennung von Frauen war explizit vorgesehen, wurde aber bis 1945 nicht realisiert. Bei seiner Installierung gehörten Persönlichkeiten wie Thomas Mann (1875–1955), Konrad Adenauer (1876–1967) und Max Planck (1858–1947) dem Senat an.

Der Haushalt der DA wurde zunächst hauptsächlich durch Spenden aus der Wirtschaft und von Privatpersonen sowie Beitragszahlungen ihrer Mitglieder bestritten, weshalb ihre finanzielle Situation bis zum Kriegsbeginn prekär blieb. Erst nach der Neuausrichtung ihrer Arbeitsschwerpunkte auf die Förderung der deutschen Sprache im Ausland ab 1929 erhielt die Akademie allmählich steigende Zuschüsse durch das Auswärtige Amt (AA). Ab 1940 gab es schließlich eine umfassendere und sich jährlich steigernde finanzielle Unterstützung aus dem Haushalt des Deutschen Reichs, da auswärtige Kulturpolitik nun als kriegswichtig erachtet wurde.

Ihren Standort hatte die DA bis 1932 in der Residenz am Odeonsplatz in München, danach befand sie sich im Maximilianeum. Gegen Kriegsende wurden Teile der DA aus München verlegt, wobei sich auch die Struktur und Nomenklatur der Akademie änderten. Sie wurde fortan in zwei Klassen unterteilt, die örtlich getrennt voneinander waren: Klasse I – Forschung und Wissenschaft, verblieb in München, während Klasse II – Kulturaustausch und Sekretariat fortan ihren Standort in Salzburg hatte. In zwei weiteren Orten im Salzburger Land waren außerdem die Auslandslektorate und die Abteilung Goethe-Institut untergebracht. Neben den Mitteilungen der Deutschen Akademie, mit einer Auflage von 5.000 Stück, gab die DA ferner das Organ Deutschunterricht im Ausland. Zeitschrift des Goethe-Instituts der Deutschen Akademie heraus.

4. Geschichte

Bereits am 16. April 1923 fand auf Initiative des früheren bayerischen Gesandten in Paris, Lothar Freiherr von Ritter zu Grünstein (1868–1945), das erste Gespräch zur Errichtung einer Organisation zur Förderung und zum Schutz deutscher Kultur in der Welt und zur Formulierung eines möglichen Programms statt, an dem der Historiker Hermann Oncken, der Rektor der Münchener Universität, Georg Pfeilschifter, und der Geopolitiker Karl Haushofer teilnahmen. Aufbauend auf dieses und weitere Gespräche wurde die DA gegründet und am 22. Dezember 1924 beim Amtsgericht München als privater Verein eingetragen. Ihre feierliche Eröffnung fand am 5. Mai 1925 in der Aula der Universität München statt.

Die DA reihte sich in den Reigen der Institutionen und Organisationen ein, die in den 1920er Jahren gegründet worden waren, um die geschwächte Stellung Deutschlands auf internationalem Parkett durch eine aktive Kulturpolitik und Wissenschaft zu kompensieren. Ihre Gründungsinitiatoren verglichen sie mit der im Jahr 1635 gegründeten Académie française und stellten sich in eine Kontinuität zu früheren Planern einer deutschen Akademienanstalt wie Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) und Leopold von Ranke (1795–1886).

Die anfängliche Konzentration auf die Förderung des ‚Deutschtums‘ und der nichtamtlichen kulturellen Beziehungen zum Ausland beziehungsweise der ‚Auslandsdeutschen‘ zu Deutschland stellte die DA in starke Konkurrenz zu anderen, ebenfalls in dieser Phase und zu ähnlichen Aufgabenfeldern gegründeten Einrichtungen wie etwa dem Deutschen Auslandsinstitut (DAI) in Stuttgart, was sie schon bald nach ihrer Gründung in eine legitimatorische und finanzielle Krise führte. Ab 1929 widmete sich die DA schließlich vermehrt der Förderung der deutschen Sprache im Ausland, einem Feld, auf dem es keine Konkurrenzeinrichtungen gab. Mit dieser Kursänderung gelang es ihr ab 1930, finanzielle Zuwendungen vom Auswärtigen Amt zu erhalten. 1930 errichtete sie die ersten Sprachschulen in Südosteuropa, 1932 entstand als neue Abteilung das Goethe-Institut zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer.

Von Anfang an waren ihre Vertreter überwiegend nationalkonservativ eingestellt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 orientierte die DA sich an der Politik und Ideologie der neuen politischen Machthaber. So wurde nicht nur verstärkt völkisches Gedankengut propagiert, auch in ihrem Personal spiegelte sich die Nähe zum nationalsozialistischen Regime wieder: Der Senat wurde bereits im Sommer 1933 von nun politisch missliebigen und insbesondere von jüdischen Mitgliedern 'gesäubert'. Personen wie Rudolf Heß (1894–1987) wurden in den Kleinen Rat gewählt. 1934 übernahm Karl Haushofer, der mit Rudolf Heß bekannt und seit 1933 Mitglied im Kleinen Rat war, die Präsidentschaft der Gesamtakademie. Sein Nachfolger ab 1937, Leopold Kölbl (1895–1970), war SA-Standartenführer, die späteren Präsidenten Ludwig Siebert (1939–1942), Walther Wüst (1901–1993/1943 kommissarisch) und Arthur Seyss-Inquart (1892–1946/1944–1945) bekleideten ebenfalls hochrangige Ämter als NSDAP-Funktionseliten.[4] Von Seiten der Reichsregierung wurde jedoch großer Wert darauf gelegt, dass nach außen hin „die völlige Unabhängigkeit der ‚DA‘ von der Partei und von der Reichsregierung aufrecht erhalten“ blieb, damit ihre „Wirkungsmöglichkeiten“[5] nicht litten. Vor diesem Hintergrund wurde zunächst auch die Organisationsform als privater Verein beibehalten.

Trotz der Umstellung der Arbeitsschwerpunkte der DA blieb ihre finanzielle Situation bis zum Ende der 1930er Jahre unsicher. Zwar stieg die Zahl der Lektoren von 57 im Jahr 1936 auf 62 bei Kriegsausbruch an, für die das AA im Jahr 1938/39 eine Summe von 27.000 RM zur Verfügung stellte. Die Gelder des AA waren jedoch lediglich Zuschüsse. Das Verbot von 1939, Gelder in der Wirtschaft einzuwerben, stellte die DA zudem vor neue finanzielle Schwierigkeiten.

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs schien jegliche kulturelle Betätigung im Ausland unmöglich zu machen. Das AA machte jedoch bereits im September 1939 deutlich, dass es die Arbeit der DA für kriegswichtig hielt. Eine intensive Kulturpropaganda wurde als unerlässlich angesehen, um die aggressive Politik Deutschlands zu verschleiern und insbesondere die neutralen Länder positiv zu stimmen. Damit stiegen auch die Zuwendungen von Seiten des AA an die DA. Bis zum Jahresende 1940 hatte dieses insgesamt 860.000 RM an die DA gezahlt, 1941 waren es schließlich sogar 3,3 Mio. RM. Der Ausbau der Auslandslektorate wurde während der Kriegsjahre weiter forciert. Spätestens seit dem raschen Sieg über Frankreich wurde die kulturelle Tätigkeit der DA in die Pläne eines neugeordneten Europas unter deutscher Vorherrschaft einbezogen. Gleichzeitig bedeutete dies eine Abnahme der Autonomie der DA. Ihre im Ausland tätigen Lektorate wurden ab Sommer 1940 zunehmend zu bloßen Sprachenabteilungen der nun zahlreich gegründeten deutschen wissenschaftlichen Institute degradiert. Um die Finanzen zu sichern und die strukturelle Anbindung der Akademie an die Interessen deutscher Besatzungspolitik zu gewährleisten, wurde die DA schließlich am 15. November 1941 durch ‚Führererlassʻ in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts umgewandelt und weiter ausgebaut. So umfasste sie 1944 rund 250 Sprachschulen gegenüber 45 bei Beginn des Zweiten Weltkriegs, während die Gesamtzahl der Mitarbeiter von ca. 100 im Jahr 1939 auf ca. 1.000 1944 stieg.

Zwischen dem AA und dem Propagandaministerium entbrannten nach 1941 Kompetenzstreitigkeiten um die Frage der Dienstaufsicht über die neue Körperschaft. In einem Abkommen vom 22. Oktober 1941 wurde schließlich zwischen beiden Ministerien eine gemeinsame Aufsicht beschlossen, wobei das AA zusammen mit dem Finanzministerium die Etatverwaltung übernahm.

Ihre personelle und strukturelle Nähe zum nationalsozialistischen Machtapparat sowie ihr Einsatz in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten führten dazu, dass die DA am 31. Dezember 1945 von den US-amerikanischen Besatzungsbehörden verboten und aufgelöst wurde. Bereits im Jahr 1951 jedoch entstand auf Betreiben Franz Thierfelders (1896–1963), der 1945 kommissarischer Generalsekretär der DA gewesen war, das „Goethe-Institut“. Der private Verein basierte nicht nur auf den finanziellen Mitteln der DA, auch auf personeller Ebene wies er in den ersten Jahren seiner Existenz starke Kontinuitäten zur DA auf. Der Name „Deutsche Akademie“ wurde 1962 endgültig aus dem Münchner Vereinsregister gestrichen.

5. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Eckard Michels: Deutsche Akademie, 1925–1945. In: Bayerische Staatsbibliothek (Hg.): Historisches Lexikon Bayerns,  www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Deutsche_Akademie,_1925-1945 (publiziert 31.10.2006, Abruf 14.06.2018).
  • Eckard Michels: Deutsch als Weltsprache? Franz Thierfelder, the Deutsche Akademie in Munich and the promotion of the German language abroad, 1923–1945. In: German History 2 (2004), S. 206-228.
  • Eckhard Michels: Von der Deutschen Akademie zum Goethe-Institut. Sprach- und auswärtige Kulturpolitik 1923–1960. München 2005 (Studien zur Zeitgeschichte 70).
  • Edgar Harvolk: Eichenzweig und Hakenkreuz. Die Deutsche Akademie in München (1924–1962) und ihre volkskundliche Sektion. München 1990 (Münchner Beiträge zur Volkskunde 11).
  • Edgar Harvolk: Zentrale Wissenschaftsorganisationen in München im Umfeld von Partei und Staat. In: Münchner Stadtmuseum (Hg.): München – „Hauptstadt der Bewegung". Bayerns Metropole und der Nationalsozialismus. München 1993, S. 374-377.

Anmerkungen

[1] Satzung der Deutschen Akademie, 1925. In: Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums 1 (1925), S. 35-40, zit. nach Harvolk: Eichenzweig und Hakenkreuz, S. 102-108, hier S. 102 (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/4/4d/Artikel_44466_bilder_value_3_deutsche-akademie3.pdf, Abruf 14.06.2018).

[2] Ebd.

[3] Die Satzung (Anm. 1), S. 106.

[4] Siebert war bayerischer NSDAP-Ministerpräsident, Walther Wüst wurde von Heinrich Himmler protegiert und war als Rektor der Universität München (1941–1945) an der Verhaftung von Hans und Sophie Scholl beteiligt, Arthur Seyss-Inquart war Reichskommissar für die besetzten Niederlande.

[5] Zitiert nach Harvolk: Eichenzweig, S. 29.

Zitation

Agnes Laba: Deutsche Akademie (DA), München. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2018. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32840 (Stand 20.12.2018).

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