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Frankenstadt/Baja

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Frankenstadt

Amtliche Bezeichnung

ung. Baja

Etymologie

Die Bezeichnung Bua (= Baja) ist vermutlich türkischer Herkunft und bedeutet „Stier“. Die Siedlung bekam ihre Bezeichnung wahrscheinlich nach dem Namen ihres ersten Besitzers.

2. Geographie

Lage

Frankenstadt liegt auf 46o 11’ nördlicher Breite, 18o 57’ östlicher Länge, 160 Kilometer südlich von Budapest entfernt, nördlich des ungarisch-kroatisch-serbischen Dreiländerecks.

Topographie

Frankenstadt liegt im Süden Ungarns, am nördlichen Rand der Batschka (Bácska), am linken Ufer der Donau, am Donauarm Schokovitz (Sugovica), gegenüber der Mohatscher Insel (Mohácsi sziget). Ihre Grenzen reichen auch in das Gebiet von Transdanubien (Dunántúl) hinein, berühren das Komitat Tolna (Tolna megye) und umfassen einen Teil des Landschaftsschutzbezirkes von Gemenc (Gemenci Tájvédelmi Körzet). Frankenstadt entstand an der Grenze des westlichen Randes des Batschkaer Lössgebietes und des breiten Überschwemmungsgebietes der Donau.

Region

Südungarn (Dél-Magyarország); Überschwemmungsgebiet der Donau; südlicher Teil der Großen Tiefebene (Alföld).

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Ungarn; zweitgrößte Stadt des Komitats Bács-Kiskun; Zentrum des Frankenstädter Bezirkes (Bajai járás).

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Das Stadtwappen besteht aus einem mit einer Krone geschmückten ovalen Schild im Barockrahmen. In ihm steht in blauem Feld auf grünem Boden ein braunstämmiger, grün beblätterter Apfelbaum mit goldenen Früchten, um dessen Stamm sich eine grüne Schlange windet. Unter dem Apfelbaum steht heraldisch rechts im Schild eine nackte Männergestalt, der biblische Adam; heraldisch links steht eine sich an ihn wendende nackte Frauengestalt, die biblische Eva, die Adam einen Apfel reicht. Die Wappenzeichnung verweist auf die Erhebung der Siedlung zur Stadt im Jahr 1696, die an einem 24. Dezember erfolgte, dem Namenstag von Adam und Eva.

Vor- und Frühgeschichte

Spuren der ersten Siedlungen im heutigen Stadtinnern führen bis ins Neolithikum. Hervorzuheben sind die Funde der Péceler-(Badener)-Kultur aus der späten Kupfersteinzeit. Bedeutend sind auch die Funde der Kelten und Sarmaten (der Jazygen und später der Roxolanen). Vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. gehörte das Gebiet zur Provinz Pannonia des Römischen Reiches. Seit der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts ließen sich hier Awaren nieder. Die bis dato bekannten elf awarischen Friedhöfe in Frankenstadt und Umgebung zeugen von einer dichten Besiedlung, die bei den Ausgrabungen zum Vorschein gekommenen Realien belegen eine kontinuierliche Besiedlung des Gebietes. Im 9. Jahrhundert ließen sich hier landnehmende Ungarn nieder.

Mittelalter

Die erste Erwähnung der Siedlung ist in einem Prozessakt aus dem Jahre 1323 dokumentiert. Die Familie Czobor, die Grundherren von Frankenstadt, gehörten dem mittleren Adel an. 1472 ist der Marktflecken Frankenstadt zum ersten Mal belegt. Er lag am Knotenpunkt wichtiger Handelswege von Kalotscha/Kalocsa, Halas/Kiskunhalas, Szegedin/Szeged, Maria-Theresiopel/Subotica/Szabadka und Sombor/Zombor. Frankenstadt diente auch als Hafen. Als mit der osmanischen Besetzung von Ofen/Buda im Jahre 1541 die Dreiteilung des Königreichs Ungarn begann, geriet auch Frankenstadt unter osmanische Herrschaft und wurde als befestigter Ort zum Sitz des umliegenden osmanischen Verwaltungsbezirkes (Nahiya).

Neuzeit

Die osmanische Herrschaft über Frankenstadt endete noch vor dem großen Feldzug gegen die Osmanen im Jahre 1687. Der Ort fiel dem Kammergut des Habsburgerreiches anheim. In den folgenden Kriegen mit dem Osmanischen Reich kam Frankenstadt vor allem wegen der Sicherung des Nachschubs eine wichtige Rolle zu. Für diese Dienste wurde es von Kaiser Leopold I. (1640–1705) am 24. Dezember 1696 zum freien Marktflecken der Kammer erklärt. Der anhaltende  Kriegszustand, die Einquartierung und die Versorgung der Soldaten erlegten der Stadtbevölkerung beträchtliche Lasten auf.

Während des von dem mächtigen ungarischen Adeligen Franz II. Rákóczi (1676–1735) angeführten antihabsburgischen Aufstands (1703–1711) stand die Mehrheit der Bevölkerung von Frankenstadt an der Seite der Habsburger. 1714 wurde das Privileg von 1696 durch König Karl III. von Ungarn, den späteren Kaiser Karl VI. (1685–1740), bestätigt. 1726 wies der Adelige Márk Czobor (gest. 1728) sein Eigentumsrecht nach und seine Familie wurde erneut Grundherrin der Stadt. In den nachfolgenden Jahrzehnten geriet Frankenstadt durch Erbschaften und Verkauf in den Besitz verschiedener Adelsfamilien. Die Stadt erreichte Sebstständigkeit, nachdem sie sich 1862 von der Familie Zichy für 722.000 Forint freigekauft hatte. 1873 bekam Frankenstadt auch das Munizipalrecht.

Zeitgeschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Frankenstadt am 13. November 1918 von serbischen Truppen besetzt. Infolge des Vertrags von Trianon am 4. Juni 1920 fielen Frankenstadt und sein Umland am 21. August 1921 wieder Ungarn zu. Da der größere Teil des damaligen Komitats Bács-Bodrog (Bács-Bodrog vármegye) und auch der Komitatssitz Sombor nach dem Vertrag von Trianon an Jugoslawien ging, wurde Frankenstadt zum neuen Sitz des verkleinerten Komitats.

In der Zwischenkriegszeit nahm die Stadt eine dynamische Entwicklung, die durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. 1941 verlor Frankenstadt mit der Rückgewinnung der Gebiete des Komitats von Jugoslawien seinen Status als Komitatssitz wieder. Nach der deutschen Besetzung Ungarns am 19. März 1944 kam es zur Gründung von Ghettos für die Juden. Frankenstadt selbst erlitt im Zweiten Weltkrieg keine großen Schäden, aber die strategisch wichtige Donau-Brücke wurde am 21. September 1944 durch die Alliierten gesprengt.

Am Ende des Kriegs gab es in Frankenstadt ein großes Kriegsgefangenenlager, aus dem Tausende von ungarischen und deutschen Soldaten in die Sowjetunion verschleppt wurden. Die Zahl der Opfer ist bis heute nicht bekannt. Auch ungarndeutsche Zivilisten wurden Anfang 1945 zur Zwangsarbeit (malenkij robot) in die Sowjetunion deportiert. Ein großer Teil der Ungarndeutschen wurde nach dem Potsdamer Abkommen in den Jahren 1946–1947 nach Deutschland zwangsausgesiedelt. Der Rat der Stadt protestierte vergebens dagegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Ungarn zur Einflusszone der Sowjetunion. Von der Sowjetisierung waren alle Bereiche des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens betroffen. Der Ungarn-Aufstand von 1956 erfasste auch Frankenstadt. Ende Oktober 1956 wurde in Frankenstadt das erste diesem Aufstand gewidmete Denkmal des Landes errichtet. Nachdem Frankenstadt ab 1945 wieder zum Komitatssitz geworden war, ging der Sitz mit dem Ausbau eines neuen Verwaltungssystems des neu formierten Komitats Bács-Kiskun (Bács-Kiskun megye) an Kecskemét.

Bevölkerung

Nach der Schlacht bei Mohatsch/Mohács 1526 wurden im entvölkerten Frankenstadt Türken und Südslawen sesshaft. Nach einem osmanischen Steuerverzeichnis aus dem Jahre 1570 waren 84 Prozent der Bevölkerung Türken und 16 Prozent Südslawen.[1] Später zogen ungarische Händler besonders aus Komorn/Komárom zu. 1686–1690 ließen sich katholische Bunjewatzen in Frankenstadt nieder. Unter den Siedlern fanden sich auch Serben. Zwischen 1780 und 1786 kamen Westslawen hinzu.

Die Ansiedlung von Deutschen – bis heute werden sie als „Schwaben“ bzw. „Donauschwaben“ bezeichnet – erfolgte kontinuierlich seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Sie stand im Zusammenhang mit dem rechtlichen Status der Stadt als Kammergut und mit der langen militärischen Besetzung der Stadt: Die Leiter der staatlichen Institutionen und die Beamten der Kammer waren Deutsche, aber auch die fast ein Jahrhundert hier stationierten Soldaten wurden von deutschen Handwerkern versorgt. Von den groß angelegten staatlichen Siedlungsprogrammen war Frankenstadt zwar nicht betroffen, aber viele Bewohner der umliegenden schwäbischen Dörfer ließen sich in der Stadt nieder.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts spielte die jüdische Bevölkerung eine immer wichtigere Rolle. Nach einer Konskription des Komitats lebten im Jahr 1753 zehn jüdische Familien in Frankenstadt; im Jahr 1768 bekamen die mittlerweile 16 jüdischen Familien der Siedlung das Recht, eine Synagoge zu errichten. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts an kam der jüdischen Bevölkerung eine sehr bedeutende wirtschaftliche und kulturelle Rolle im Leben der Stadt zu. Ihr Bevölkerungsanteil machte im Jahr 1900 fast 11 Prozent aus.

Die Bevölkerungszahl der Stadt stieg im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kontinuierlich, ging nach dem Zweiten Weltkrieg etwas zurück, um dann bis 1990 wieder anzusteigen. Seitdem ist sie wieder leicht rückläufig.

Jahr Einwohner
1840[2] 14.268
1870[3] 21.248
1900 23.681
1930 27.736
1941 32.084
1949 27.936
1960 30.263
1990 38.686
2001 37.916
2011 36.267

 

1920/1921 waren 81 Prozent der Einwohner Ungarn, elf Prozent Südslawen und acht Prozent Deutsche.[4] 2011 bekannten sich 83,4 Prozent zur ungarischen, 2,1 Prozent zur kroatischen, 4,3 Prozent zur deutschen und zwei Prozent zu sonstigen Nationalitäten (hauptsächlich zu den Roma und Serben).[5] In Frankenstadt existieren heute Minderheitenselbstverwaltungen der Roma, Kroaten, Deutschen und Serben.

Wirtschaft

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt spielten die Donau und ihre Nebenflüsse seit den Anfängen eine dominierende Rolle. Fischfang, Ackerbau, Viehzucht und Handel waren immer bedeutende Wirtschaftszweige. Nach dem Privileg aus dem Jahre 1714 des ungarischen Königs Karl III. (Kaiser Karl IV.) durfte Frankenstadt dreimal im Jahr einen Jahrmarkt abhalten. Um 1700 galt die Stadt als das am besten entwickelte Gewerbezentrum des Komitats Bács (Bács megye). Ende des 18. Jahrhunderts wurde Frankenstadt als blühende Siedlung charakterisiert, sogar als „kleines Pesth“[6] bezeichnet. Der Fisch- und Getreidehandel waren besonders bedeutend. Die dynamische wirtschaftliche Entwicklung im 18. Jahrhundert veränderte auch das Stadtbild. Statt der Holzbrücken wurden gemauerte Brücken gebaut. Die positive ökonomische Entwicklung der Stadt setzte sich dank des Handels auch im 19. Jahrhundert fort. 1848 wurden die Sparkasse (Bajai Takarékpénztár) und 1868 die Handels- und Gewerbebank (Bajai Kereskedelmi és Iparbank) gegründet. Da die wirtschaftliche Blüte vor allem mit dem Getreidehandel zusammenhing, erlebte die Stadt einen Niedergang, als das Getreide nicht mehr auf dem Wasserweg, sondern zunehmend mit der Bahn geliefert wurde.

Bedeutend waren die um 1900 gegründeten industriellen Betriebe, so z. B. die Streichholzfabrik von József und Ármin Spitzer, die Maschinenfabrik und Eisengießerei der Söhne von Márton Schmidt, die Branntwein-, Essig- und Hefefabrik von Károly Spitzer und seiner Söhne, die Städtische Gasfabrik, die Ungarische Gepresste Hafer- und Viehfutterkonservenfabrik, die Wollfabrik von Lipót Grau und die Dampfmühle der Köbling-Gebrüder. Sowohl die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (Dunagőzhajózási Társaság) als auch die Ungarische Fluss- und Meeresschifffahrtsgesellschaft (Magyar Folyam- és Tengerhajózási Társaság) verfügten in Frankenstadt über eine Station. Den Folgen der Weltwirtschaftskrise konnte auch Frankenstadt nicht entgehen. Mitte der 1930er Jahre konnte sich aber vor allem die Textilindustrie von der Krise erholen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zu einem wichtigen Handelszentrum und Verkehrsknotenpunkt Ungarns. Die Transformationsprozesse der 1990er Jahre verliefen für Frankenstadt jedoch ungünstig, ihre negativen Wirkungen halten bis heute an. Heute ist der Weinbau als wichtiger Wirtschaftszweig zu nennen, außerdem spielen Fischerei und Tourismus eine bedeutende Rolle. 

Militärgeschichte

Die Bauern von Frankenstadt und Umgebung spielten während der durch den siebenbürgischen Adeligen György Dózsa (um 1470–1514) angeführten ungarischen Bauernerhebung im Jahre 1514 eine bedeutende Rolle. Auf die Niederschlagung des Aufstandes folgten Repressionen und Sanktionen, so dass Frankenstadt fast völlig vernichtet wurde. Im 15. und frühen 16. Jahrhundert war die Stadt von zahlreichen osmanischen Einfällen betroffen. Nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohatsch 1526 wurde auch Frankenstadt vom osmanischen Heer geplündert. Danach wurden Frankenstadt und seine Umgebung zu einem der Schauplätze der Kämpfe um die ungarische Königskrone zwischen den beiden Gegenkönigen von Ungarn, Ferdinand I. (1503–1564) und Johann Szapolyai (1487–1540). Die anti-habsburgische Revolution in Ungarn von 1848 wurde auch von den Bewohnern von Frankenstadt begrüßt. Am 30. Juli 1849 wurde die Stadt vom kaiserlichen Heer besetzt.

Religions- und Kirchengeschichte

Die Existenz eines Priesteramtes wird zum ersten Mal für das Jahr 1423 belegt (dominus Thomas plebanus de dicta Baya).[7] Nach der Schlacht bei Mohatsch von 1526 hörte das christliche Leben in Frankenstadt auf, die Kirche wurde zur Moschee umgebaut. Nach dem Ende der osmanischen Herrschaft kamen nach 1687 Franziskaner aus dem Kloster im bosnischen Olovo mit anderen vor den Osmanen fliehenden Katholiken nach Frankenstadt. Eine Visitatio Canonica berichtet darüber, dass es 1731 in Frankenstadt zwei katholische Pfarreien gab, von denen eine schon vor dem „Türkenkrieg“ (ante bellum Turcicum) vorhanden war.[8] Die ältere gehörte wahrscheinlich den Südslawen, die andere den Ungarn, Deutschen und Westslawen. Heute befinden sich Vertreter folgender Konfessionen in der Stadt: Katholiken, Reformierte, Lutheraner und Baptisten.[9]

Besondere kulturelle Institutionen

Bedeutend ist das 1936 gegründete Türr-István-Museum (Türr István Múzeum), das über fünf Ausstellungsorte verfügt: das Museum selbst, die Nagy-István-Galerie (Nagy Isván Képtár), das Éber-Gedenkhaus (Éber-emlékház), das Landschaftshaus der Bunjewatzen (Bunyevác Tájház) und die Eulenburg (Bagolyvár). Erwähnenswert sind auch das Stadttheater und die Freilichtbühne.

Bildung und Wissenschaft

Die Stadt beherbergt mehrere Kindergärten, Grundschulen, Mittelschulen und die Eötvös-József-Hochschule (Eötvös József Főiskola). Hervorzuheben ist das Ungarndeutsche Bildungszentrum Baja (Magyarországi Németek Általános Művelődési Központja).

Alltagskultur

Über das gesellschaftliche Leben vor dem 19. Jahrhundert sind nur spärliche Informationen überliefert. Der 1803 gegründete Schützenverein (Czéllövész Társulat) gilt als einer der ersten Vereine in Frankenstadt, sein Schießhaus (Lövőház) wurde zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. 1868 wurden der Katholische Burschenverein (Katholikus Legényegylet), 1885 der Singverein (Bajai Dalegylet) und der Frauen-Wohltätigkeitsverein (Bajai Jótékony Nőegylet) gegründet, es folgten der Gesellschaftskreis von Frankenstadt (Bajai Társaskör) 1891 und der Athletik-Klub (Athleticai Club) 1892.
Zum Schutz des ortsansässigen Gewerbes entstand schon 1875 die Gesellschaft der Gewerbetreibenden von Frankenstadt (Bajai Ipartársulat). 1892 wurde eine Krankenkasse (Betegsegélyező Pénztár) für Arbeiter gegründet. Erste Arbeitervereine wurden um 1900 ins Leben gerufen. 

Kunstgeschichte

Das ehemals 1744–1745 im Barockstil erbaute Grassalkovich-Schloss wurde im Laufe der Zeit im klassizistischen, dann im Neorenaissancestil umgebaut; heute fungiert es als Rathaus. Die Kreuzwegkapelle (Kálvária-kápolna) mit einem Altarbild von Joseph Karl (József Károly) Schöfft (1776–1851) wurde 1836 im klassizistischen Stil gebaut. Franziskanerkirche und -kloster wurden im 18. Jahrhundert im Barockstil errichtet. Der Bau der St. Rochus Kapelle, deren Hauptaltarbild von Mathias (Mátyás) Hanisch stammt, wurde 1795 beendet. In der 1842–1845 im neoklassizistischen Stil erbauten Synagoge wurde 1985 die Stadtbibliothek und ein Kulturzentrum (Ady Endre Városi Könyvtár és Művelődési Központ) untergebracht. Die 1876 erbaute St. Johannes Kapelle wurde ursprünglich für die Wassermüller und für die Schiffszimmerer errichtet.

Musik

1813 ließ sich der Geiger und Komponist Markusz Rosenthal (Márk Rózsavölgyi) (um 1788–1848), der auch als Vater des Tschardasch (ung. Csárdás), der traditionellen Tanzform Ungarns bezeichnet wird, in Frankenstadt nieder. 1985 wurde die Tanzgruppe Gemenc (Gemenc Táncegyüttes) gegründet. In der Stadt existieren weitere Tanzensembles wie Lippangós Tánccsoport oder Sugovica Tánckör, außerdem mehrere Chöre und Tambura-Orchester.

Buch-, Druck- und Mediengeschichte

Erwähnenswert sind sind das zweiwöchentlich erscheinende Batschkaer Tagebuch (Bácskai Napló) sowie der Radio- und TV-Sender von Frankenstadt (Bajai Rádió, Bajai Televízió).

Gedächtnis- und Erinnerungskultur

Jedes Jahr wird am zweiten Samstag im Juli in Frankenstadt ein Volksfest (Bajai Népünnepély – Bajai Halfőző Fesztivál) veranstaltet, in dessen Rahmen von mehreren Tausend Teilnehmern die berühmte Fischsuppe (Bajai halászlé) gekocht wird und auch Folklorevorstellungen stattfinden.

4. Diskurse/Kontroversen

Während des Sozialismus wurde 1950 der Franziskanerorden aufgelöst. Nach dem Systemwechsel 1989/90 forderten die Franziskaner das Ordenshaus zurück, die Besitzverhältnisse sind aber bis heute nicht geklärt.

5. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Paul Flach: Zur Entstehungsgeschichte der deutschen Pfarrei und Pfarrkirche von Baja sowie der anderen Pfarreien, Kirchen, Kapellen, Friedhöfe und Statuen der in der nordwestlichen Batschka (Ungarn) befindlichen Stadt. München 1974 (Die Deutschen aus Ungarn 8).
  • Nándor Kapocs, Mihály Kőhegyi (Hg.): Historia Domus Bajensis: Chronik des Franziskanerkonvents in Baja. Bd. 1: 1694–1840. Baja 1991 (Bajai dolgozatok 7).
  • Mihály Kőhegyi (Hg.): Baja története a kezdetektől 1944-ig [Die Geschichte von Frankenstadt von den Anfängen bis 1944]. Budapest 1989.
  • Zsuzsa Merk: Baja 300 éve város [Frankenstadt ist seit 300 Jahren Stadt]. Baja 1999.
  • Emese P. Szojka: Néprajzi csoportok Baja környékén [Ethnographische Gruppen in der Umgebung von Frankenstadt]. Baja 1990.
  • Elemér Zalotay: Baja népe az őskortól a középkorig [Die Bevölkerung von Frankenstadt von der Urzeit bis zum Mittelalter]. Baja 1957.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Előd Vass: Török megszállás alatt [Unter türkischer Besetzung]. In: Kőhegyi: Baja története, S. 159–199, hier S. 172.

[2] Géza Kiss Z.: A török alóli felszabadulástól az első világháború végéig [Von der Befreiung der Türkenherrschaft bis zum Ende des Ersten Weltkriegs]. In: Kőhegyi: Baja története, S. 200–286, hier S. 238.

[3] Alle folgende Zahlen nach: Központi Statisztikai Hivatal [Ungarisches Amt für Statistik]: Területi adatok – Bács-Kiskun megye [Regionaldaten Komitat Bács-Kiskun]: http://www.ksh.hu/nepszamlalas/reszletes_tablak (Abruf 19.09.2018).

[4] Szojka: Néprajzi csoportok Baja környékén, S. 5.

[5] Központi Statisztikai Hivatal [Ungarisches Amt für Statistik]: Területi adatok – Bács-Kiskun megye [Regionaldaten Komitat Bács-Kiskun]: http://www.ksh.hu/nepszamlalas/reszletes_tablak (Abruf 19.09.2018).

[6] Zsuzsa Merk: Baja 300 éve város [Frankenstadt ist seit 300 Jahren Stadt]. Baja 1999, S. 7.

[7] László Szegfű: Az Árpád-ház kihalásától Mohácsig [Vom Aussterben des Arpaden-Hauses bis Mohatsch]. In: Kőhegyi Baja története, S. 77–158, hier S. 118.

[8] Zoltánné Kiss, László Szegfű: A táj az Árpádok korában [Die Landschaft in der Zeit der Arpaden]. In: Kőhegyi: Baja története, S. 48–76, hier S. 65.

[9] Nach Angaben des Ungarischen Amtes für Statistik waren 2011 48% der Bevölkerung römisch-katholisch, 3% reformiert, 3,5% anderer Konfession bzw. Religion, 16% gehörten keiner Kirche an, 29% machten keine Angaben. Központi Statisztikai Hivatal [Ungarisches Amt für Statistik]: Területi adatok – Bács-Kiskun megye [Regionaldaten Komitat Bács-Kiskun]: http://www.ksh.hu/nepszamlalas/reszletes_tablak (Abruf 19.09.2018).

Zitation

Tünde Radek: Frankenstadt/Baja. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2019. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32522 (Stand 18.06.2019).

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