OME-Lexikon

Goldberg/Złotoryja

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Goldberg in Schlesien

Amtliche Bezeichnung

poln. Złotoryja

Anderssprachige Bezeichnungen

lat. Aurum (1218), Aureus Mons (1232); tschech. Goltperk

Etymologie

Der deutsche Name Goldberg bezieht sich auf den Goldbergbau, der in der Umgebung der Stadt seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts betrieben wurde. Das Gleiche gilt für den polnischen Namen, der sich aus den Wörtern „złoto“ (Gold) und „ryć“ (graben, wühlen) zusammensetzt.

2. Geographie

Lage

Goldberg liegt auf 51° 07′ nördlicher Breite, 15° 55′ östlicher Länge, ca. 85 Kilometer westlich der Regionshauptstadt Breslau/Wrocław und 20 Kilometer südwestlich von Liegnitz/Legnica.

Topographie

Die Stadt liegt am rechten Ufer der Katzbach (poln. Kaczawa), einem linken Nebenfluss der Oder, am Übergang zwischen der Mittelschlesischen Ebene (poln. Wyżyna Chojnowska) und dem Bober-Katzbach-Gebirge (poln. Góry Kaczawskie).

Region

Niederschlesien

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Polen. Goldberg liegt in der Woiwodschaft Niederschlesien (poln. Województwo dolnośląskie) und ist die Hauptstadt des Kreises Goldberg (poln. Powiat złotoryjski). In den Jahren 1975−1998 gehörte die Stadt zur Woiwodschaft Liegnitz (poln. Województwo legnickie).

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Auf dem Wappen von Goldberg ist der niederschlesische Adler abgebildet, rechtsgewandt, auf goldenem Grund und auf drei grünen Hügeln stehend.

Das älteste bekannte Stadtsiegel stammt aus dem Jahr 1268. Ein Abdruck des Stadtsiegels aus dem Jahr 1334 zeigt drei mit Sträuchern und Blumen bewachsene, von Goldadern durchzogene Felshügel mit der Umschrift: „S‘.VNIVERSITATIS.AVREOMONTE“.

Vor- und Frühgeschichte

Älteste Spuren menschlicher Besiedlung in Goldberg und seiner Umgebung stammen aus der Jungsteinzeit. 1860 fand ein Bauer im nahe gelegenen Ort Seiffenau (poln. Podgórnik, heute ein Teil von Bad Hermsdorf, poln. Jerzmanice Zdrój) mehrere Bronzegegenstände, unter anderen eine reich verzierte Schale und Speerspitzen, die man auf ca. 800–650 v. Chr. datierte. 1926 wurden mehrere Schmuckstücke aus Bronze ausgegraben, die aus der Zeit ca. 1200–1000 v. Chr. stammten.

Mittelalter

1211 verlieh der Piastenherzog Heinrich I. der Bärtige (Henryk I Brodaty, um 1165–1238) dem Ort auf der nahe gelegenen Burg Röchlitz das Magdeburger Recht. Dieses Ereignis gilt als die früheste bezeugte deutschrechtliche Stadtgründung in Schlesien. 1357 wurde der Bau einer steinernen Stadtmauer vollendet.

Die erste Blütezeit Goldbergs endete mit den Hussitenkriegen, während derer die Stadt dreimal (1427, 1428 und 1431) geplündert und niedergebrannt wurde.

Neuzeit

Das Jahr 1552 brachte eine Dürre, der eine Hungersnot folgte. Der Pestepidemie im Jahr 1553 fielen mehr als 2.500 Bürger zum Opfer.

Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges führten zum ökonomischen Verfall der Stadt. Mit dem Tod des letzten Piastenherzogs Georg Wilhelm von Liegnitz, Brieg und Wohlau (Regierungszeit 1660–1675) gelangte Goldberg im Jahre 1675 in habsburgischen Besitz.

Nach dem Ende des ersten Schlesischen Krieges fiel die Stadt 1742 unter preußische Herrschaft. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, der bis zu den napoleonischen Kriegen andauerte, in denen Goldberg unter französischen Einquartierungen litt. Nach dem Stadtbrand des Jahres 1863 wurde der Großteil der alten Stadtbefestigung niedergerissen

Zeitgeschichte

In der Zwischenkriegszeit unternahm man Versuche, Goldberg als Tourismusort  (Tor zum Bober-Katzbach-Gebirge) zu etablieren.

Am 13. Februar 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee kampflos eingenommen. Bis zum Jahr 1947 wurde der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung vertrieben.

Ende der 1990er-Jahre begann die Sanierung der Altstadt, die zu Zeiten der Volksrepublik Polen stark heruntergekommen war.

Bevölkerung

Jahr1241[1]1759[2]1804[3]1900[4]1935[5]1945[6]2005[7]2015[8]

Einwohner

ca. 2500

3.641

6.061

6.989

7.800

4.613

16.578

16.085

Wirtschaft

Der Wohlstand der Stadt war eng mit dem Goldbergbau verbunden, dessen Blütezeit in die 20er- und 30er-Jahre des 13. Jahrhunderts fiel. Nach 1241 waren die Vorkommen jedoch weitgehend ausgeschöpft. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts stellten das Brau- und Textilwesen die Haupteinnahmequellen der Stadt dar.

1884  wurde eine erste Eisenbahnlinie (Goldberg–Liegnitz) eröffnet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in der Stadt mehrere Großbetriebe, zu denen die Baufirma von August Ludwig Urban zählte, die in den 1930er-Jahren einen Autobahnabschnitt bei Liegnitz baute.

In den Nachkriegsjahren waren die Goldberger Schuhwerke (poln. Złotoryjskie Zakłady Obuwia) bis zu ihrer Schließung im Jahr 1998 der größte Arbeitsgeber der Region. Gegenwärtig ist die Firma „Vitbis“, ein Produzent von Weihnachtsschmuck, der größte Betrieb der Stadt.

Religions- und Kirchengeschichte

Die erste evangelische Predigt in Goldberg fand bereits am 14. September 1522 statt. Um 1540 wurde das Franziskanerkloster aufgelöst; die Gebäude fielen an die Stadt, die hier das humanistische Gymnasium unterbrachte. Bis zur Säkularisierung im Jahr 1810 befand sich das Kloster für einige Zeit wieder in den Händen des Ordens, der in der Habsburgerzeit nach Goldberg zurückkehrte.

Teil der Glaubensgeschichte der Stadt sind die freikirchlichen Gemeinden der Schwenckfelder, die bis zum 18. Jahrhundert in der Gegend zwischen Goldberg, Haynau und Löwenberg existierten. Infolge von religiösen Verfolgungen wanderten viele von ihnen nach Pennsylvania aus, wo die Schwenckfelder Church bis heute besteht.

Besondere kulturelle Institutionen

Im Jahr 1978 entstand aufgrund einer Bürgerinitiative das Museum des Kreises Goldberg (poln. Muzeum Społeczne Ziemi Złotoryjskiej), das 1998 in  „Goldberger Goldmuseum“ (poln. Muzeum Złota w Złotoryi) umbenannt wurde.

Bildung und Wissenschaft

Der erste Eintrag über die Goldberger Pfarrschule im Stadtarchiv stammt aus dem Jahr 1427. 1524 übernahm Valentin Trotzendorf (1490–1556) die Leitung der Schule, die er reformierte und in  „Trivialschule“ umbenannte. In seiner Lernmethodik setzte der neue Rektor vor allem auf humanistische Grundsätze wie Einheitlichkeit des Unterrichtsmaterials, praktische Beispiele und wiederholte Übungen. Unter seiner Leitung wurde die Lehranstalt zum ersten humanistischen Gymnasium Schlesiens und genoss überregionales Ansehen. Zu den im Laufe ihres Bestehens über 1.000 Schülern zählte Albrecht von Wallenstein (1583-1634), der bei der Plünderung Goldbergs während des Dreißigjährigen Krieges nur die Häuser seiner einstigen Lehrer verschonte. Trotzendorf wurde 1525 vom Herzog Friedrich II. nach Liegnitz berufen, wo er drei Jahre lang, bis zu ihrer Schließung, die dortige Universität leitete.

Kunstgeschichte

Giebelfassade der katholischen St.-Hedwigs-Kirche in Goldberg/ Złotoryja [Herder-Institut, Marburg, Bildarchiv, Inv. Nr. 300267].

Die Hauptkirche der Stadt, die Pfarrkirche St. Marien, ist urkundlich 1269 erwähnt. Archäologischen Ausgrabungen zufolge, die während ihrer Restaurierung in den Jahren 1914-1918 durchgeführt wurden, wurde mit ihrem Bau bereits vor dem Jahr 1211 begonnen; aus dieser Zeit stammen die spätromanischen Dienste und Konsolen des Chors sowie das romanische Stufenportal in der südlichen Querhauswand. Das hallenförmige Langhaus entstand in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind die Gewölbeschlusssteine mit Darstellungen, die auf das Jüngste Gericht verweisen.

Die älteste Erwähnung eines Gotteshauses in Goldberg aus dem Jahr 1217 bezieht sich vermutlich auf die ehemalige Nikolaikirche – heute Friedhofskirche Hl. Kreuz. Der bestehende Bau, eine gotische Saalkirche mit Rechteckchor, entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Nach einem Brand wurde er 1841–1842 wiederaufgebaut und durch neogotische Anbauten erweitert.

Der Legende nach wurde das Franziskanerkloster in Goldberg bereits 1212 von der  hl. Hedwig (1174–1243) gestiftet, schriftlich wird das Kloster samt der St.-Hedwigs-Kirche jedoch erst 1258 erwähnt. Die heutige Klosteranlage wurde nach einem Brand in den Jahren 1555–1557 erneuert. Die gotische Kirche wurde in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts barockisiert.

Erhalten sind auch Fragmente der Stadtmauern und der 24 Meter hohe Schmiedeturm.

Obermarkt mit Rathaus in Goldberg/Złotoryja
[Herder-Institut, Marburg, Bildarchiv, Inv. Nr. 140082].
Schmiedetor in Goldberg/ Złotoryja [Herder-Institut, Marburg, Bildarchiv, Inv. Nr. 140091].

4. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Lisa Arnold: Die Patenschaft Solingen-Goldberg (Schlesien) als Beispiel einer „west-ostdeutschen Patenschaft“ zwischen den 1950er-Jahren und der Jahrtausendwende. Online-Publikationen des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Qualifikationsarbeiten:
    http://www.bkge.de/Downloads/Publikationen/Qualifikationsarbeiten/LisaArnoldPatenschaften.pdf.
  • Krzysztof Demidziuk: Archiwalia do archeologii Ziemi Chojnowsko-Złotoryjskiej [Archivalien zur Archäologie des Kreises Goldberg-Haynau]. Chojnów, Wrocław, Złotoryja 2005 (Biblioteczka Miłośników Ziemi Złotoryjskiej).
  • Roman Gorzkowski: Kościół Narodzenia Najświętszej Maryi Panny [Die Pfarrkirche St. Marien]. Złotoryja 1999 (Biblioteczka Miłośników Ziemi Złotoryjskiej).
  • Franciszek Grzywacz (Hg.): Złotoryja: złote miasto. 800 lat miasta 1211-2011/Golden City Złotoryja. The 800th Anniversary of the Town/Goldene Stadt Złotoryja. 800 Jahre der Stadt Goldberg. Legnica 2011.
  • Artur Hryniewicz: Złotoryja/Goldberg. In: Ernst Badstübner, Dietmar Popp, Andrzej Tomaszewski, Dethard von Winterfeld (Hg.), Sławomir Brzezicki, Christine Nielsen (Bearb.), Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien, München, Berlin 2005, S. 1188–1193.
  • Siegfried Knörrlich: Der Heimat Bild. Heimatbuch des Kreises Goldberg-Haynau. Liegnitz 1928.
  • Alfred Michler, Maria Michler: Aurimontanie, Goldbergerzy, Złotoryjanie [Aurimontaner, Goldberger, Złotoryjaer]. Złotoryja 2011 (Biblioteczka Miłośników Ziemi Złotoryjskiej).
  • Carl Wilhelm Peschel, Ludwig Sturm: Die Stadt Goldberg und ihre Umgebung sowie Goldbergs Sagen und Volksmärchen. 4. Aufl. Goldberg 1935.
  • Bożena Steinborn: Złotoryja, Chojnów, Świerzawa: zabytki sztuki regionu [Goldberg, Haynau, Schönau: Denkmäler  der Kunst der Region]. Wrocław 1959 (Śla̜sk w zabytkach sztuki).
  • Hugo Weczerka: Goldberg. In: Hugo Weczerka (Hg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Stuttgart 1977 (Kröners Taschenausgabe 316), S. 139–141.
  • [Arnold] zum Winkel (Schriftl.): Liegnitz. Goldberg. Das schöne Katzbachtal. Berlin 1925 (Deutscher Städtebau).

Periodika

„Echo Złotoryi“ [Goldberger Echo] (Monatsschrift).

Weblinks

  • www.złotoryja.pl (Offizielles Stadtportal)
  • tmzz-zlotoryja.pl (Gesellschaft der Freunde von Goldberg und seiner Umgebung).

Anmerkungen

[1] Die Schätzung basiert auf Quellen, laut denen jeder fünfte Goldberger Bergknappe an der Mongolenschlacht bei Wahlstatt am 9. April 1241 teilnahm. Verschiedenen Berichten zufolge zählte ihr Kontingent 500 Mann. Vgl. Knörrlich: Der Heimat Bild, S. 33; Peschel, Sturm: Die Stadt Goldberg, S. 11; Zum Winkel: Liegnitz, S. 62.

[2] Zum Winkel: Liegnitz, S. 68.

[3] Steinborn: Złotoryja, S. 29.

[4] Steinborn: Złotoryja, S. 30.

[5] Peschel, Sturm: Die Stadt Goldberg, S. 11.

[6] Grzywacz: Złotoryja, S. 16.

[7] GUS - Główny Urząd Statystyczny [Hauptamt für Statistik]: stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/powierzchnia_ludnosc_teryt_2005.zip (Abruf 07.04.2016).

[8] GUS - Główny Urząd Statystyczny [Hauptamt für Statistik]: stat.gov.pl/download/gfx/portalinformacyjny/pl/defaultaktualnosci/5468/7/12/1/powierzchnia_i_ludnosc.pdf (Abruf 07.04.2016).

Zitation

Artur Robert Białachowski: Goldberg/Złotoryja. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2016. URL: http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p43476 (Stand 25.05.2016).

Nutzungsbedingungen für diesen Artikel

Copyright © Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk entstand im Rahmen des Projekts „Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ und darf vervielfältigt und veröffentlicht werden, sofern die Einwilligung der Rechteinhaber vorliegt. Bitte kontaktieren Sie: ome-lexikon(at)uni-oldenburg.de

Wenn Sie fachliche Hinweise oder Ergänzungen zum Text haben, wenden Sie sich bitte unter Angabe von Literatur- und Quellenbelegen an die Redaktion.