OME-Lexikon

Batschka

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Batschka

Anderssprachige Bezeichnungen

serb./kroat. Bačka; ung. Bácska; slowak. Báčka

Etymologie

Namensgeber für das Toponym „Batschka“ ist die ehemalige, aus dem Mittelalter stammende Burgruine Bács (serb. Bač) im gleichnamigen Komitat. Sie liegt etwa 70 km westlich von Neusatz/Novi Sad/Újvidék. Die Burg war seit Stephan I. (dem Heiligen; 969−1038), Gründer des Königreichs Ungarn, Komitatszentrum.

2. Geographie

Lage

Das Zwischenstromland wird im Westen und Süden von der Donau (serb. Dunav, ung. Duna), im Osten von der Theiß (serb./ung. Tisa) begrenzt. Der Norden weist keine natürliche Grenze auf; die Batschka erstreckt sich etwa südlich der Linie Baja−Szeged. Administrativ gehört die Region heute im Wesentlichen zur autonomen serbischen Provinz Vojvodina. Nur ein schmaler Landstreifen im Norden ist Teil des 1950 gebildeten ungarischen Komitats Bács-Kiskun (sog. Nord-Batschka).

Topographie

Die Batschka liegt im Pannonischen Becken; die Fläche des bis 1918 bestehenden Komitats Bács-Bodrog betrug 11.079 km2. Drei morphologische Haupteinheiten prägen diesen Raum: Im Norden ist es das durch einzelne Täler zerschnittene Plateau, das im Nordwesten 140 bis 160 Meter hoch ist und nach Süden auf 110−120 Meter abfällt. Im nördlichen Teil dieser Platte befinden sich Sandgebiete, die entsprechend der Windrichtung nach der Eiszeit von Nordwesten nach Südosten verlaufen. Diese Dünengebiete markieren auch die höchste Erhebung mit 174 Metern bei Sükösd im heutigen Komitat Bács-Kiskun in Ungarn. Dieses Oberland bricht in einer niedrigen, aber markanten, 10 bis 15 Meter hohen Lössterrasse in der Höhe von Teletschka (serb. Telečka, ung. Telecskai-dombság) ab zur Niederterrasse des Unterlandes der Batschka. Der Untergrund besteht hier aus umgelagertem Löss, feinen Schwemmstoffen und Sanden. Die Höhenlage liegt bei rund 90 Metern. Umrahmt wird das Unterland im Westen, Süden und Osten von den großen Alluvialebenen von Donau und Theiß. Die Tieflandströme bildeten hier zahlreiche Mäander, verlandende Altarme, Sumpfgebiete und Tümpel mit Auewäldern. Dieses sumpfige, von Flussaltarmen durchzogene amphibische Auland besteht aus jungalluvialem Material (Schwemmstoffen).

Die Hydrologie unterscheidet Oberland und Unterland. Während der Grundwasserspiegel auf dem wasserdurchlässigen Löss- und Sandboden im Oberland sehr tief ist und durch Entwässerungsmaßnahmen weiter gefallen ist, liegt er im Unterland nur wenige Meter hoch. Vor den Regulierungsmaßnahmen waren weite Teile des Unterlandes regelmäßig periodisch überschwemmt, wobei nur einige Lösskuppen herausragten. Besonders an der Terrasse der Teletschka bildete sich ein Kranz von Sümpfen aufgrund von austretendem Grundwasser, das kaum oder nur langsam abgeführt wurde.

Historische Geographie

Im Frühmittelalter war die Region ein Durchzugsraum verschiedener Völker bis sie im 7. Jahrhundert durch Südslawen besiedelt wurde und um 900 zum Ersten Bulgarischen Reich gehörte; im 11. Jahrhundert erfolgte die ungarische Landnahme. Nach der Schlacht von Mohács 1526 (offiziell ab 1543) wurde die Batschka Teil des Osmanischen Reiches; ab 1687 Teil des Habsburgerreiches. Ab 1920 (Vertrag von Trianon) gehörte sie größtenteils zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca), seit 1929 Königreich Jugoslawien (Kraljevina Jugoslavija). 1941 erfolgte die Besetzung durch ungarische Truppen und der Anschluss an Ungarn, im Oktober 1944 der Einmarsch der Roten Armee und die Militärherrschaft der Partisanen. 1946 wurde die Batschka ein Teil der Volksrepublik Serbien (Autonome Provinz Vojvodina) innerhalb der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (Federativna Narodna Republika Jugoslavija, seit 1963 Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija); ab 1992 der Bundesrepublik Jugoslawien (Savezna Republika Jugoslavija) und 2003 ein Teil des Staatenbundes Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora). Seit 2006 gehört die Region zur Republik Serbien (Republika Srbija).

3. Geschichte und Kultur

Mittelalter

Als Teil des Pannonischen Beckens war die Batschka immer wieder Durchzugsraum für verschiedene Völker. Vor der ungarischen Landnahme siedelten hier südslawische Gruppen. Unter Zar Simeon I. (864−927; Amtszeit ab 893) war die Batschka Teil des Ersten Bulgarischen Reiches. Nach der Eroberung Syrmiens durch Ungarn 1072 wurde Bács 1093 Bischofssitz, das Land katholisiert und 1266 schließlich in das Erzbistum Kalocsa (ung. Kalocsa) integriert. Im 11. Jahrhundert bestanden die Komitate Bács im Süden und Bodrog im Nordwesten, der Nordosten der Region gehörte zum Komitat Csongrád. Die Burg Bodrog wurde beim Mongoleneinfall 1241 zerstört. Bedeutendster Ort war die Burg Bács mit einer starken Festung. Dort befanden sich der Bischofssitz und zugleich der Sitz des Komitats (Grafschaft).

Neuzeit

Der ungarische Bauernaufstand von 1514 und dessen brutale Niederschlagung bildeten den Auftakt für die große Zäsur: Nachdem Peterwardein (serb. Petrovaradin, ung. Pétervárad) am 27. Juli 1526 gefallen war, wurde eine mehrheitlich ungarische Armee bei Mohatsch am 29. August 1526 von den Osmanen besiegt. Danach fiel die Batschka an das Osmanische Reich. Sie gehörte ab 1543 zum Paschalik [Oberprovinz] Ofen (ung. Buda) und zum Sandschak [Unterprovinz] Szeged.

Nach der Eroberung durch das Osmanische Reich und der Verdrängung der eingesessenen Bevölkerung mit gleichzeitiger Zuwanderung von Gruppen aus dem Balkan entstand eine osmanische Kulturlandschaft. Ihren augenscheinlichen stadtgeographischen Ausdruck fand sie insbesondere in den Städten durch Moscheen und Basare; allein in Sombor (ung. Zombor) gab es zum Beispiel 14 Moscheen. Der ländliche Kulturraum war von kleineren Marktorten und Haufendörfern geprägt. In der Wirtschaft dominierte die Viehzucht. Raubzüge etwa durch Haiduken sowie die Doppelbesteuerung der Untertanen führten insbesondere im 17. Jahrhundert zu einer wirtschaftlichen und bevölkerungsmäßigen Schwächung der Batschka. Doch anders als etwa in Bosnien erfolgte keine Islamisierung der Landbevölkerung.

Im „Großen Türkenkrieg“ (1683−1699), während der habsburgischen Rückeroberung Ungarns, wurde die Batschka ab 1687 Teil des Habsburgerreiches. In diesem Krieg und dem darauffolgenden „Kuruzzenkrieg“, der vom ungarischen Magnaten Franz II. Rákóczi (1676−1735) 1703−1711 gegen die Habsburger geführt wurde, litt der Raum schwer und wurde entvölkert. Im Verlauf der Kriegshandlungen kam es zu weiteren Süd-Nord-Wanderungen serbischer Bevölkerungsgruppen. Zum nationalen Mythos wurde die „Große Wanderung“ unter dem serbischen Patriarchen Arsenije III. Čarnojević (1633−1706), eine Flucht vor dem osmanischen Gegenangriff, der 1690 Serbien traf. Am 14. Oktober 1690 wurde Belgrad (serb. Beograd), nachdem es für kurze Zeit von den habsburgischen Truppen besetzt worden war, wieder osmanisch.

Die Batschka wurde ab 1687 zunächst vom Wiener Hofkriegsrat verwaltet. Erst nach dem Sathmarer Frieden (1711) wurde sie der ungarischen Zivilverwaltung übergeben. Verwaltungsmittelpunkt wurde die Peterwardeiner Schanze (Neusatz). 1729 wurde das Komitat Bodrog aufgelöst und in das Komitat Bács integriert, gleiches galt 1751 für den größten Teil der „Theiß-Maroscher Militärgrenze“ im Osten. Der Tschaikistendistrikt[1] blieb Wien bis 1872 direkt unterstellt.

Der Kameralbesitz in der Batschka wurde durch die Ungarische Hofkammer (Camera Regia Hungarica oder Camera Hungarica Aulica) in Pressburg (slwk. Bratislava; ung. Pozsony), seit 1784 in Ofen, verwaltet. Ihr unterstand die Kameraladministration. Nur in der frühtheresianischen Zeit (1740−1755) wurde dieser Besitz direkt von der Wiener Hofkammer verwaltet. Jedenfalls bildete der dominierende Anteil staatlichen Grundbesitzes die Voraussetzung für die umfassende kamerale „Kolonisierung“ dieses Raumes, ein insbesondere seit Mitte des 18. Jahrhunderts umfassender Kulturlandschaftswandel im Zuge agrarischer Modernisierungsprozesse, der die Region trotz mehrerer kulturräumlicher Transformationsprozesse bis heute prägt. Siedlungsmorphologischer Ausdruck ist die Dominanz regelhafter Siedlungsformen bis hin zu „hochkolonialen“ Schachbrettformen. Einerseits wurden Siedlungen neu gegründet, andererseits wurden bestehende unregelmäßige Siedlungen umgesetzt.

Die Städte, insbesondere die zur königlichen Freistadt erhobenen Städte Neusatz (1748), Sombor (1749) und Maria-Theresiopel, entsprechen dem mitteleuropäischen Stadttypus. Damit einher gingen der Ausbau des Verkehrsnetzes und die Melioration des Landes durch die Trockenlegung von (periodischen) Sümpfen sowie die Anlage von Kanälen und Maßnahmen des Hochwasserschutzes. Den Auftakt bildete der 1802 fertiggestellte Franzenskanal (serbisch: Veliki bački kanal = Großer Batschka-Kanal).

Katalysatorische Wirkung für diese Prozesse hatte die Ansiedlung von Kolonisten aus deutschen Territorialstaaten sowie aus dem Elsass und Lothringen. Gerade in den von diesen Siedlern geprägten Dörfern erfolgte in der Landwirtschaft eine „Vergetreidung“. Der habsburgische Einfluss zeigte sich auch an serbisch-orthodoxen Kirchen im Barockstil (serbischer Barock), wovon die Mariä-Entschlafens-Kirche (serb. Crkva Uspenje Presvete Bogorodice) in Neusatz eine der bekanntesten ist.

Die nur wenige Jahre geltende Josephinische Verwaltungsreform von 1785 schränkte die Komitatsautonomie wieder ein, indem die Batschka zusammen mit dem Banat zum Temeswarer Kreis gehörte. Gleichzeitig schufen die Reformen mit dem Verkauf staatlicher Güter an private Grundherren den Grundstein für die an Stärke gewinnende Stellung des Adels. Die nächsten Jahrzehnte waren von einer zunehmenden Magyarisierung der multiethnischen Region geprägt, die ihren Ausdruck in der offiziellen Einführung der ungarischen Sprache in Verwaltung und vor Gericht (1832) und zunehmend auch in den Schulen fand.

Schon einige Wochen nach Beginn der Revolution im Habsburgerreich im März 1848 gab es von Seiten der Serben Forderungen nach einer Territorialautonomie. Deren strikte Verweigerung durch den ungarischen Reichstag entfachte im Juni 1848 den serbisch-ungarischen Krieg. Die serbischen Verbände wurden von Wien aus schon Ende 1848 als Verbündete gegen die ungarischen Rebellen betrachtet. Viele Orte der Batschka wurden zum Kriegsschauplatz, im April 1849 wurde Klein-Ker (serb. heute Bačko Dobro Polje, ung. Kis-Kér) zum Hauptquartier des Honvédgeneralmajors Maurus (Mór) Perczel (1811−1899); im Juni 1849 wechselte es nach Werbaß (serb. Vrbas, ung. Verbász). Ende Juni 1849 wurde Schowe (serb. Šove, heute Ravno Selo, ung. Sóvé) das Hauptquartier des Kommandanten der k u. k. Südarmee, Joseph (Josip) Freiherr von Jellačić (1801−1859). Mehrmals umkämpft war auch die Festung Peterwardein. Die deutsche Bevölkerung, in den Städten auch die jüdische, war massiven Plünderungen, Kontributionen und Tributzahlungen ausgesetzt. In den Augen der ungarischen und serbischen Hauptakteure dieses ethnischen Konflikts galten die Deutschen jeweils als der Kollaboration mit der Gegenseite verdächtig.

Nach dem Sieg über die ungarischen Revolutionäre errichtete der Wiener Hof in der Zeit des sogenannten „Neoabsolutismus“ das territoriale Konstrukt der „Woiwodschaft Serbien und Temerscher Banat“ (Vojvodstvo Srbija i Tamiški Banat). Das autonome Kronland wurde schon recht früh auch amtlich als „Serbische Woiwodschaft und Temescher Banat“ (Srpsko Vojvodstvo i Tamiški Banat) bezeichnet. Als multiethnisches Gebilde konnte es den ethnopolitischen Forderungen der Hauptakteure kaum gerecht werden. Die Verwaltung des Kronlandes wurde zwar reformiert, doch daraus wurde wegen des provisorischen Charakters des Kronlandes kein Erfolgsmodell, zumal dieses territorialpolitische Konstrukt bereits im Dezember 1860 zu Ende ging, indem es wieder vollständig in das Königreich Ungarn reinkorporiert wurde. Damit wurde Deutsch als Verwaltungssprache wieder vom Ungarischen abgelöst. Ab 1867 bildete die Batschka einen integralen Teil der ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie.

Zeitgeschichte

Der Vertrag von Trianon 1920 besiegelte letztendlich die bereits am Ende des Ersten Weltkrieges geschaffenen Fakten: Abgesehen von einem kleineren Teil im Norden musste die Batschka von Ungarn an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, seit 1929 Königreich Jugoslawien, abgetreten werden.

Der deutsche Angriff gegen Jugoslawien am 6. April 1941 endete bereits am 17. April mit der bedingungslosen Kapitulation Belgrads. Die Batschka wurde dabei nicht von deutschen Truppen, sondern von Einheiten der ungarischen Honvéd besetzt. Gemäß den Wiener Verhandlungen vom 8. Juli 1941 wurde die Batschka wieder Ungarn angeschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges war die Batschka insgesamt wenig durch jugoslawische Partisanenangriffe behelligt. Einige Sabotageaktionen durch Partisanen im Januar 1942 wurden durch massive Vergeltungsaktionen ungarischer Einheiten beantwortet. Sie gipfelten in den Massakern von Čurug und Josefsdorf (serb. Žabalj, ung. Zsablya). In Neusatz fand vom 21. bis 23. Januar 1942 ein Pogrom statt, dem mehrere hundert Juden und Serben zum Opfer fielen.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee im Oktober 1944 geriet die zurückgebliebene deutsche Bevölkerung unter die Militärherrschaft der Partisanen. Gemäß der am 31. Januar 1946 verkündeten Verfassung der Volksrepublik Serbien innerhalb der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien wurde die Batschka Teil der Autonomen Provinz Vojvodina. Nach dem Staatszerfall von Jugoslawien kam sie zunächst an die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien. Seit 2006 gehört die Batschka zur Republik Serbien.

Bevölkerung und Gesellschaft

Das historische Südungarn (ung. Délvidék) lag an der Achse Istanbul−BelgradBudapestWien und damit an einer historischen „Völkerstraße“.

Bei der agrarisch geprägten Migration des 18. Jahrhunderts handelte es sich einerseits um eine organisierte, zum anderen um eine individuelle Einwanderung aus den Nachbarräumen. Dies ging einher mit Zwangsmigrationen von Serben aufgrund der habsburgisch-osmanischen Kriege (1716−1718, 1737−1739, 1788−1789).

Eine erste systematische deutsche (und ungarische) Ansiedlung fällt in die zwanziger Jahre des 18. Jahrhunderts. Schwerpunkt war zunächst der Nordwesten der Batschka; 1729 wurde Tschatalia (ung. Csátalja) gegründet. Einen starken Impuls erfuhr die Ansiedlung durch die neue Grenzziehung nach dem Frieden von Belgrad (18.09.1739), in dem das Banat wieder ein Grenzland wurde und so die Batschka an Attraktivität für eine Kolonisation gewann.

Die planmäßige frühtheresianische Ansiedlung wurde seit 1748 von Anton Grassalkovich (1694−1771) geprägt, als er Präsident der ungarischen Hofkammer wurde. Ausgangspunkt für die Kameralansiedlung in der Batschka wurde bereits in den 1740er Jahren Apatin. 1749 wurde Bukin (serb. heute Mladenovo, ung. Dunabökény) gegründet; weitere Dörfer (Hodschag [serb. Odžaci, ung. Hódság]; Kollut [serb. Kolut, ung. Küllőd] u. a.) folgten. Unter Grassalkovich wurden in den Jahren 1748−1762 ca. 5.000 Familien angesetzt. Etwa die Hälfte davon waren Ungarn, etwas über 1.000 Familien Deutsche, der Rest slawische Ansiedler.[2]

Neue Impulse erhielt die kamerale Ansiedlung, die auch durch die Rahmenbedingungen nach dem Frieden von Hubertusburg 1763 begünstigt wurde, durch den Wirtschaftsbeamten Anton von Cothmann (1720−1768), der Anfang 1763 den Titel eines Siedlungsoberinspektors erhielt. Noch im gleichen Jahr legte er einen umfassenden Entwurf für die Ansiedlung in der Batschka vor, was ihn zu einem der zentralen Akteure der habsburgischen Kolonisation in Ungarn machte. Er vertrat eine Bauernschutzpolitik und sah gerade darin die Möglichkeit der Erhöhung steuerlicher Effizienz.[3] Seine Erfahrungen und Erkenntnisse gaben wichtige Impulse für das Theresianische Urbarium. Er entwarf auch einen Plan des Dorfes Gakowa (serb. Gakovo, ung. Gádor), eine idealtypische zeitgenössische Anlage in Kreuzform. Seit 1765 fand er in dem Hofkammerrat Wolfgang von Kempelen (1734−1804) einen fähigen Mitarbeiter. In der Zeit der spättheresianischen Ansiedlung wurden etwa knapp 1.300 deutsche Familien von der Kammer angesiedelt.

In der folgenden josephinischen Ansiedlung, mit der die großangelegte staatlich subventionierte Kolonisation ein Ende fand, nicht aber weitere, in der Größenordnung jedoch geringere Ansiedlungen auf eigene Kosten, war das Verhältnis zwischen „Inländern“ und „Ausländern“ weitgehend ausgeglichen. In dieser Phase erfolgte die Ansiedlung deutscher Familien fast ausschließlich im Siedlungskorridor zwischen der Terrasse der Teletschka und der Donau im Unterland der Batschka. Diese Terrasse wurde zu einem Scharnier zweier Kulturräume mit siedlungsgeographischen Disparitäten. Als Grund benannte Statthaltereirat Peter Graf von Révay (biographische Daten nicht zu ermitteln), dass die Bauerngründe auf der Ebene und die Weingärten auf der Anhöhe der Teletschka liegen sollten. Außerdem war die Anlage von Brunnen auf der Höhe viel zu teuer.

Die „heiße“ Phase der josephinischen Ansiedlung umfasste die Jahre 1784−1786, als gezielt auch protestantische Familien angesiedelt wurden. In dieser Zeit strömten über 3.000 Familien aus Deutschland in die Batschka, was die Einwanderung in das Banat sogar übertraf.[4] Dabei wurden auch in dieser Phase keineswegs nur deutsche (katholische, evangelische und reformierte) Siedler angeworben. Ein Charakteristikum josephinischer Ansiedlungspolitik war die Hinzusiedlung von Deutschen insbesondere in serbische Dörfer, was schließlich wegen unterschiedlicher Bewirtschaftungsformen zu Konflikten und zu Separierungsbestrebungen führte.

Nach der initialen demographischen Krise in allen Ansiedlungsperioden waren die folgenden Jahrzehnte von einer demographischen Dynamik, Siedlungsverdichtung, steigender wirtschaftlicher Prosperität, nach 1849 einer Kapitalisierung der Landwirtschaft und von sozialen Ausdifferenzierungsprozessen gekennzeichnet. Hinzu kamen aufgrund differierender wirtschaftlicher Leistungskraft ethnodemographische Verdrängungsprozesse, die nach der Grundentlastung noch forciert wurden. Deutsche Siedler kauften sich insbesondere in serbischen Dörfern ein. Hier wirkte sich der Wissenstransfer der Siedler aus, die aus Regionen mit moderneren Anbaumethoden kamen und einen höheren Alphabetisierungsgrad als die einheimische Bevölkerung aufwiesen. Außerdem erfolgten Binnenkolonisationsprozesse, indem Siedler in Tochtersiedlungsgebiete (Slawonien, Syrmien) zogen. Einige Familien waren im frühen 19. Jahrhundert auch weiter nach Osten (Russland) gezogen. Seit dem späten 19. Jahrhundert verstärkte sich hingegen die Auswanderung landarmer Schichten nach Amerika.

Die ethnopolitische Zuspitzung des serbisch-ungarischen Konflikts führte auch zu einer Positionierung deutscher Bevölkerungsgruppen. So wurden in der Bogaroscher (Oktober 1849) und Hatzfelder Petition mehr Autonomierechte für die deutsche Bevölkerungsgruppe gefordert. (Mit)Verfasser war der Bogaroscher katholische Pfarrer Josef Nowak (1803–1880). Doch auch weitere Petitionen aus der Batschka zeigten keine Wirkung; hier wurde die Sorge vor einer serbischen Dominanz in der Vojvodina formuliert. Mit dem Ausgleich von 1867 und der Konstitution der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie (Dualismus) wurde Ungarisch Amtssprache des Königreichs Ungarn. Sprachliche Autonomierechte, die den Kirchen zugestanden wurden, griffen bei den Deutschen nicht (außer bei den Siebenbürger Sachsen), da sie über keine „Nationalkirche“ verfügten. Vielmehr stellten sich die Kirchen aus Loyalitätsgründen in den Dienst des Staates. Die Schulgesetze unter der Regierung Koloman Tiszas (1830−1902) von 1879 und 1883 leisteten der Magyarisierung Vorschub. Schon 1905 befanden sich kaum noch Schulen, in denen Deutsch Muttersprache geblieben war, in Gebieten Ungarns, die außerhalb von Siebenbürgen lagen. Dort konzentrierten sich rund 90 Prozent der deutschsprachigen Schulen in der ungarischen Reichshälfte. 1907 wurde das äußerst umstrittene Apponyische Schulgesetz verabschiedet, dessen Ziel eine Assimilation der Minderheiten schon in der Schule war. Insbesondere in den Städten kam es unter anderem wegen der Assimilierung zu einem starken Rückgang der deutschen Nationalität. Beruflicher und sozialer Aufstieg hatten meistens die sprachliche Assimilation in der Staatsnation zur Folge. Eine nationalitätenpolitische Bewegung vermochte sich bis zum Ersten Weltkrieg nicht zu etablieren. Und im Unterschied zum Banat entwickelte sich in der deutschen Bevölkerung der Batschka kein Regionalbewusstsein mit einer spezifischen regionalen Identität. Hinzu kam die wirtschaftliche und soziale Heterogenität der südungarisch-schwäbischen Bauerngesellschaft, bei der die Mittelschicht mit 10−50 Katastraljoch 1910 nur knapp 30 Prozent stellte.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bewirkten Urbanisierungsprozesse sowie der Strukturwandel in der Landwirtschaft, dass die Batschka mit die höchsten Bevölkerungsverluste Ungarns aufwies. Neben dieser Binnenmigration wanderten zwischen 1899 und 1913 aus den drei Komitaten Bács-Bodrog, Torontál und Syrmien ca. 150.000 Personen in die USA aus, oft zunächst mit der Absicht, Kapital zum späteren Landkauf zu akkumulieren. Darunter waren ca. 53 Prozent Deutsche neben ca. 18 Prozent Serben und ca. 10 Prozent Ungarn, was auch eine Folge der Erbrechtstraditionen der deutschen Bevölkerung (Anerbenrecht) war.

Einwohner auf dem Gebiet der Batschka nach Muttersprache und Nationalität:[5]

1910In %1921In %1931In %
Einwohner708.275100,00735.117100,00784.896100,00
Ungarisch300.26342,49260.99835,50268.71134,24
Deutsch161.76022,85173.79623,64169.85821,64
"Serben"[6]144.24120,56158.73521,59188.80924,05

Die Agrarreformen des 20. Jahrhunderts wurden zum Instrument und Ventil nationalstaatlichen Denkens und Handelns. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde vom jugoslawischen Staat „fremder“ Großgrundbesitz in Bauernwirtschaften mit einer Größe von zwei bis fünf Hektar gestückelt; rund 50.000 Bauernhöfe entstanden so in der Vojvodina. Dies führte zu der beabsichtigten Stärkung der serbischen Ethnie. Ca. 33.000 ungarische Beamte, Großgrundbesitzer und Intellektuelle verließen die Vojvodina. Es profitierten jugoslawische Kriegsfreiwillige (Dobrovoljci, Dobrowolzen), Flüchtlinge, Optanten (optanti) und Autokolonisten (autokolonisti). Zudem kamen serbische Beamte aus Alt-Serbien. Viele deutsche Landarbeiter verloren ihre Lebensgrundlage. An der Auswanderung nach Amerika waren folgerichtig überproportional viele Deutsche beteiligt. Dennoch gelang es vielen „Schwaben“, ihren Besitz bis 1941 durch ihre hohe Kapitalakkumulation zu arrondieren. Viele ältere Deutsche fanden sich mit der neuen Staatszugehörigkeit nur schwer ab. Trotz ihres überdurchschnittlichen Bildungs- und Ausbildungsniveaus waren sie in hohen administrativen Stellungen kaum vertreten. Gleichwohl etablierte sich in der Zwischenkriegszeit eine wohlhabende und gut ausgebildete schwäbische Mittelschicht.[7]

Die deutsche Minderheit sah sich im 1920 gegründeten „Schwäbisch-Deutschen Kulturbund“ repräsentiert, der sich auf ein Netzwerk von Genossenschaften, wie der Agraria, die „Partei der Deutschen in Jugoslawien“ oder die Zeitung Deutsches Volksblatt stützen konnte. Bis 1941 erreichte der Kulturbund einen ungemein hohen Organisationsgrad von über 90 Prozent. Dabei kooperierten die Parlamentsabgeordneten der „Partei der Deutschen“ meistens mit den Regierungen in Belgrad. Kennzeichnend für diese Periode sind jedoch die wachsenden Kontakte zu Deutschland. Der Kulturbund wurde finanziell, politisch und ideell unterstützt, wobei der „Verein für das Deutschtum im Ausland“ eine wichtige Rolle spielte. Die evangelische Kirche erhielt Unterstützungsleistungen durch das Gustav-Adolf-Werk. Die Machtergreifung Hitlers 1933 hatte auch unmittelbare Folgen für die deutsche Minderheit. Gerade junge Intellektuelle zeigten sich anfällig für die nationalsozialistische Ideologie. Die Identifikation mit dem „Mutterland“ wuchs. Dieser Prozess wurde durch gezielte Austausch- und Weiterbildungsprogramme in Deutschland unterstützt. Gleichzeitig gab es zwischen 1934 und 1938 wachsende Konflikte zwischen den sogenannten „Erneuerern“, die offen die radikale nationalsozialistische Ideologie postulierten, und der Leitung des Kulturbundes. Letzten Endes auch aufgrund der Einwirkung der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi) der SS übernahmen die „Erneuerer“ 1938 die Kontrolle. Unter dem Organisationsleiter Josef Beer (1912–2000) wurde der Kulturbund zur nationalsozialistischen Volksgruppenorganisation transformiert.

Nach der militärischen Niederlage Jugoslawiens und der ungarischen „Rückgliederung“ der Batschka 1941 wurden in umgekehrter Weise ähnliche Mittel wie nach dem Ersten Weltkrieg angewandt, indem ca. 20.000 ungarische Angestellte des öffentlichen Dienstes sowie Ordnungskräfte in dieses Gebiet kamen. Zunächst waren 12.000 Serben, Juden und politisch „Unzuverlässige“ interniert worden, etwa 25.000 Personen flüchteten nach Serbien oder wurden abgeschoben, Tausende wurden ermordet. Ihren Platz nahmen über 13.000 Ungarn aus der Bukowina und der Moldau ein, hinzu kamen 2.500 Ungarn aus anderen Regionen (Bosnien). Im April 1944 wurden ca. 16.000 Juden deportiert; ein großer Teil wurde in den nationalsozialistischen Todeslagern ermordet.

In den Jahren 1944 bis 1947 verließen wiederum zehntausende Ungarn durch Flucht und Übersiedlung die nun wieder zu Jugoslawien gehörende Batschka. Bis zum Herbst 1944 war schon ein beträchtlicher Teil der Jugoslawiendeutschen geflüchtet oder evakuiert worden. In der Batschka blieben wohl etwas über 75.000 Deutsche zurück. Diese Bevölkerung wurde Opfer massiver und willkürlicher Gewalt durch die Partisanenherrschaft. Die Deutschen wurden kollektiv der Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht beschuldigt. Der „Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens“ (Antifašističko vijeće narodnog oslobođenja Jugoslavije, AVNOJ) unter Josip Broz, genannt Tito (1892−1980), beschloss daher schon am 21. November 1944 ihre Enteignung und die Aberkennung der Bürgerrechte. Im August 1945 wurde das Gesetz über die Agrarreform und Kolonisierung verabschiedet. Dadurch wurde das gesamte Vermögen des Deutschen Reiches und von Personen deutscher Volkszugehörigkeit in jugoslawisches Volksvermögen überführt (Land- und Forstwirtschaft, Kraftwerke, Hanf- und Zuckerfabriken, Mühlen und Brauereien, Gewerbebetriebe, Geschäfte, Stadthäuser, Bibliotheken u. a.).[8] Jugoslawien beschritt hier einen Sonderweg der kommunistischen Staaten, indem ein großer Teil des Landes, das vor allem im Besitz von Volksdeutschen war, nicht kollektiviert, sondern an Kleinlandwirte, häufig ehemalige Partisanen, verteilt wurde. Doch nicht wenige der angesiedelten serbischen Kolonisten gingen wieder in ihre Herkunftsgebiete zurück.

Bereits Ende des Jahres 1944 waren ca. 30.000 Deutsche aus Jugoslawien zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert worden, davon über 5.600 aus der Batschka. Ein Transfer der deutschen „Restbevölkerung“ Richtung Deutschland gemäß dem Potsdamer Abkommen wurde von den USA abgelehnt. So wurden die Menschen in Lager getrieben oder zur Zwangsarbeit eingesetzt, sofern sie die zahlreichen Massaker überstanden hatten. Viele überlebten die Entbehrungen, Misshandlungen, Seuchen und schlechten Arbeitsbedingungen bis zur Auflösung der Lager Ende 1948 nicht.

Siedlungsgeographisch wurde die Batschka in der Zeit des Kommunismus durch raumgestaltende Maßnahmen wie den sozialistischen Wohnungs- und Städtebau, aber auch durch Kolchosen, Sowchosen geprägt.

Der Zerfall des jugoslawischen Staates nach 1991, vor allem der Bürgerkrieg (1991−1995), führte wieder zu Zwangsmigrationen. Nach den Beschlüssen von Dayton (1995) schwoll der Flüchtlingsstrom erneut an; allein in die Vojvodina kamen mit 258.000 Menschen 42 Prozent aller Flüchtlinge. Nach der kroatischen Rückeroberung der (kroatischen) Baranja, Ostslawoniens und Westsyrmiens Ende 1997 und 1998 erreichten weitere Flüchtlingswellen die Batschka. Schließlich kamen weitere Flüchtlinge 1999 und 2000 aus dem Kosovo (insgesamt ca. 190.000 Personen). Diese Entwicklungen führten insgesamt zu einer höheren ethnischen Homogenität zugunsten der Serben, denn parallel dazu hielt der Abwanderungsprozess ethnischer Minderheiten, insbesondere von Kroaten (ca. 30.000 bis 40.000) und Ungarn (ca. 30.000 bis 50.000), an.

Trotz unterschiedlicher Ausgangsparameter und damit nur bedingter Vergleichbarkeit sind die verschiedenen Volkszählungen ein Spiegel des multiethnischen Bildes. Hinzu kommen Prozesse der Assimiliation und der Dissimilation, die diesen Befund bestätigen. Die in der „Woiwodschaft Serbien und Temescher Banat“ 1850 durchgeführte Volkszählung bestätigt diesen Befund. Bei einer ermittelten Gesamtzahl von 1.447.783 Einwohnern wurden gezählt: 404.909 Rumänen, 354.431 Deutsche, 295.922 Serben, 258.419 Ungarn. Hinzu kamen 38.341 „Dalmatiner oder Bunjewatzen“, 28.048 Slowaken, 22.433 Bulgaren, 13.782 „andere Slawen“ und 13.467 „Zigeuner“ sowie weitere kleinere ethnokonfessionelle Gruppen.[9] Damit stellte die serbische Bevölkerung nur die drittgrößte ethnische Gruppe. Für den Kreis Sombor in der nördlichen Batschka mit den Bezirken Sombor, Apatin, Kula, Baja, Subotica und Senta kam die Volkszählung von 1857 zur folgenden prozentualen Verteilung der ethnischen Gruppen: Ungarn 42,0, Deutsche 31,9, Serben 9,2, Juden 2,2, Sonstige 14,7 Prozent. Im Bezirk Apatin stellten die Deutschen 60,7 Prozent der Bevölkerung.[10] So stellten „Serben“ (serbokroatische Muttersprachler orthodoxer Konfession) noch 1931 nur knapp ein Viertel der Bevölkerung in der Batschka.

Wirtschaft

Die Migration des 18. Jahrhunderts war agrarisch geprägt, die Siedlungsgründungen wurden durch die einsetzende Getreidekonjunktur begünstigt. Dennoch hatte der Präsident der ungarischen Hofkammer in Wien, Anton Grassalkovich, Vorbehalte gegen eine zu intensive deutsche Ansiedlung und damit Vergetreidung, auch wegen der Einschränkung der für die Großgrundbesitzer attraktiven Weidewirtschaft.

Insbesondere im Zuge der josephinischen Ansiedlung wurden nicht nur die Siedlungen, sondern auch das bewirtschaftete Land in den Gemarkungen von raumplanerischen Maßnahmen erfasst. Die Gemarkungen wurden entsprechend den Erfordernissen für eine Dreifelderwirtschaft organisiert, Wiesen, Hutweiden, Urbarialland und Allodialland ausgewiesen. Neben Schachbrettdörfern entstanden so die charakteristischen ein- oder mehrzeiligen Straßendörfer, die im Zuge der Bevölkerungszunahme nach und nach erweitert wurden. Die Gründung von Marktorten war zugleich Ausdruck der wachsenden Marktorientierung für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Wesentliche Impulse für die Agrarproduktion lieferten die Trockenlegung periodischer Sümpfe und die Anlage von Kanälen zur Regulierung der Flussläufe sowie als Handelswege. Entscheidend für die wirtschaftliche Inwertsetzung des Raumes war die Fertigstellung des Franzenskanals, auf dem schon 1815 unter anderem 1.277.082 Pressburger Metzen (rund 960.000 Zentner) Getreide transportiert wurden. Csaplovics (1780−1847) berichtet, dass den Kanal in den ersten 16 Jahren 10.723 beladene und 4.937 Schiffe ohne Fracht passierten. Damit rückte die Kornkammer Batschka näher an die Absatzmärkte heran.

Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war der weit überwiegende Anteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten in der Batschka nur 4.578 Arbeiter in der Industrie. Die dominante Ausrichtung auf die Landwirtschaft sowie die Besitzstrukturen förderten zunächst allenfalls das Entstehen agrarwirtschaftlich ausgerichteter Manufakturen und seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Industrien. Diese stellten vor allem größere Mühlen her, seit ca. 1860 Dampfmühlen, damals die modernsten im Königreich Ungarn. Hinzu kamen Brauereien in Apatin und Kula; 1898 gab es elf Brauereien in der Region. 1855 nahm die Ölfabrikation in Werbaß ihre Arbeit mit der Herstellung von Maschinenölen, später auch Speiseölen, auf. Daraus ging „Vital“ hervor, heute einer der bedeutendsten Ölhersteller der Region.[11] In Neusatz gab es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Tabak-, eine Seiden- und eine Spirituosenfabrik.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich auf der Basis des Zuckerrübenanbaus auf den fruchtbaren Lössböden die Zuckerindustrie in Neu Werbaß (serb. Vrbas, ung. Újverbász) und Tscherwenka (serb. Crvenka, ung. Cservenka). Der Anbau von Hanf wurde schon in der Kolonisationszeit im 18. Jahrhundert forciert, im 19. Jahrhundert gab es in der Batschka die größte Hanfanbaufläche und den qualitativ besten Hanf des Königreichs. Das erste Hanf verarbeitende Unternehmen wurde 1907 von Johann Ertl (1882–1922) in Hodschag gegründet. Weitere folgten bis zum Ersten Weltkrieg, sodass fünf der zwölf bedeutendsten Hanfunternehmen Ungarns in der Batschka lagen. Gerade der Hanfanbau erwies sich vor dem Zweiten Weltkrieg und während des Kriegs als äußerst lukrativ („Weißes Gold“). So sagte die ungarische Regierung im März 1943 dem deutschen Reichswirtschaftsministerium die Lieferung der gesamten Hanfernte zu.[12]

Für die Ziegel- und Baustoffindustrie bot der Lössboden gute Voraussetzungen. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in diesem Industriezweig Fabriken in Bačka Topola (ung. Topolya), Maria-Theresiopel, Apatin, Werbaß und anderen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert kam noch eine eher bescheidene Maschinen- und Chemieindustrie, eine Seifenfabrik in Neusatz und Maria-Theresiopel hinzu, ebenso Gas- und Elektrizitätswerke in den Städten.

Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren von Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozessen innerhalb der sozialistischen Transformation gekennzeichnet. Erst in den späten 1940er Jahren, später als in vielen europäischen Ländern, sank der Anteil der Landbevölkerung. Der Verlust der auf eine intensive Agrarproduktion spezialisierten deutschen Minderheit und ihr Austausch durch Kolonisten aus vielen gebirgigen Regionen Jugoslawiens, führten indes zu einem Rückgang der Agrarproduktion. Doch bis heute werden die Batschka wie auch die Vojvodina insgesamt als Kornkammern Serbiens bezeichnet. Zugleich ist ein Aufschwung an (Fremd)Investitionen zu verzeichnen, der vor allem Industrie und Dienstleistungen zugutekommt.

Religions- und Kirchengeschichte

Parallel zum Ausbau der Siedlungen im 18. Jahrhundert etablierte sich auch eine spezifische christlich-religiöse Infrastruktur. Einerseits war dies ein zentrales Anliegen der Siedler, zum anderen übernahm gerade die Kirche eine wichtige Funktion in der Sozialdisziplinierung. Eine wichtige und unmittelbare Ansprechfunktion vor Ort hatte der Pfarrer. Doch bis zum Aufbau einer intakten Infrastruktur waren es häufig Ordensmitglieder der Jesuiten, Pauliner oder Franziskaner, die für die Seelsorge zuständig waren. Die siedlungsgeographische Raumwirksamkeit der bedeutenden Funktion der Seelsorge zeigt sich in den von Wien bestimmten katholischen wie auch protestantischen Kirchenbauten mit den charakteristischen Farben weiß und ockergelb. Auch in den serbisch-orthodoxen Kirchen dieser Zeit spiegelt sich dieser Prozess der Barockisierung.[13]

In den politischen Debatten der Zwischenkriegszeit gingen insbesondere Vertreter der „Konservativen“ und der katholischen Kirche auf Distanz zur nationalsozialistischen Ideologie. Prominentestes Beispiel ist Pfarrer Adam Berenz (1898–1968), der in der Zeitschrift „Die Donau“ offen gegen die Erneuerungsbewegung und die „neuheidnische Weltanschauung“ auftrat. Dabei neigte er – wie fast alle Pfarrer der katholischen Kirche – dem ungarischen Nationalstaat zu.

4. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Mathias Beer: Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen. München 2011.
  • Carl Bethke: Die Deutschen in der Vojvodina, 1918 bis 1941. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009.
  • Johann Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien 1918–1941. Innen- und Außenpolitik als Symptome des Verhältnisses zwischen deutscher Minderheit und jugoslawischer Regierung. Frankfurt am Main 2009.
  • Konrad Clewing: Die doppelte Begründung der Serbischen Wojwodschaft 1848–1851. Ethnopolitik im Habsburgerreich. In: Südosteuropa. Von vormoderner Vielfalt und nationalstaatlicher Vereinheitlichung. Festschrift für Edgar Hösch. München 2005, S. 253–302.
  • Andreas Dammang: Die deutsche Landwirtschaft im Banat und in der Batschka. München 1931.
  • Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Bd. V: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. Im Text unveränderter Nachdruck d. Ausg. v. 1961. München 2004.
  • Oskar Feldtänzer: Joseph II. und die donauschwäbische Ansiedlung. Dokumentation der Kolonisation im Batscherland 1784–1787. Linz 1990.
  • Antal Hegediš; Katarina Čobanović: Demografska i agrarna statistika Vojvodine 1767-1867 [Demographische und agrarische Statistik der Vojvodina]. Novi Sad 1991.
  • Róbert Hermann; Thomas Kletečka; Elisabeth Gmoser u. a. (Bearb.): Von der Revolution zur Reaktion. Quellen zur Militärgeschichte der ungarischen Revolution 1848-49. Hg. v. Christoph Tepperberg und Jolán Szijj. Budapest, Wien 2005.
  • Nikola L. Gaćeša.: Agrarna reforma i kolonizacija u Bačkoj 1918–1941 [Agrarreformen in der Batschka 1918–1941]. Novi Sad 1968.
  • Slavko Gavrilović; Iván Jaksić: Građa za privrednu i društvenu istorju Bačke u XVIII veku [Material zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Batschka im 18. Jahrhundert]. Beograd 1986
  • Zoran Janjetović: Between Hitler and Tito. The Disappearence of the Vojvodina Germans. Beograd 2000.
  • Karl-Peter Krauss (Hg.): Agrarreformen und ethnodemographische Veränderungen. Südosteuropa vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Stuttgart 2009.
  • Karl-Peter Krauss: Ein Raum im Aufbruch: Agrarische Modernisierung und Kulturlandschaftswandel bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009, S. 108–117.
  • Veselinka Marković: Die Industrieentwicklung in der Vojvodina bis zum Ersten Weltkrieg. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009, S. 180–185.
  • Anton Peter Petri: Auch die Deutschen in der Batschka verfassten 1849 Petitionen an den Kaiser. Mühldorf/Inn.
  • Hermann Rüdiger: Die Donauschwaben in der südlichen Batschka. Stuttgart 1931.
  • Josef Schramm: Batschka. Das fruchtbare Land zwischen Donau und Theiß. Freilassing 1960.
  • Gerhard Seewann: Geschichte der Deutschen in Ungarn. 2 Bde. Marburg 2012.
  • Norbert Spannenberger: Kirchen und Konfessionen in der Batschka und im Banat im 18. und 19. Jahrhundert. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009, S. 142–149.
  • Holm Sundhaussen: Geschichte Jugoslawiens 1918-1980. Stuttgart u. a. 1982.
  • Holm Sundhaussen: Die Vojvodina: „ein Österreich im Kleinen“. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009, S. 98–107.
  • Doris Wastl-Walter; Milan Cvetanović; Ágnes Erőss u. a.: Transnationale Migration und grenzüberschreitende Mobilität als Einflussgrößen der Regionalentwicklung im ungarisch-serbischen Grenzraum. In: Grazer Schriften der Geographie und Raumforschung, Bd. 46 (2011), S. 247–262.
  • Sebastian Werni: Die Wojwodina 1848–1860 als nationales und staatsrechtliches Problem. Zur Geschichte der Serben und der Deutschen im ehemaligen Südungarn. Wien 1981.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Die Tschaikisten waren Schiffsoldaten oder Flussmatrosen. Der Begriff geht auf die Bezeichnung für die in diesem Raum gebräuchlichen Boote zurück, der Tschaiken (von serb. Šajka). Es handelte sich um wendige, flach gehende, mit Kanonen ausgerüstete Schiffe.

[2] Zoltán Fallenbüchl: Anton Cothmann, Siedlungsarbeiter unter Kaiserin Maria Theresia. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. Wien 1996, S. 109−122, hier S. 118.

[3] Für Hinweise zur Biographie sowie zum Lebenswerk von Anton Cothmann mit weiteren Literaturhinweisen siehe Fallenbüchl: Anton Cothmann (Anm. 2).

[4] Oskar Feldtänzer: Joseph II. und die donauschwäbische Ansiedlung. Dokumentation der Kolonisation im Batscherland 1784−1787. Linz 1990, S. 108.

[5] Andrija Bognar: The Status of Hungarians in Vojvodina from 1918 to 1995. In: Aleksander Ravlić (Hg.): Southeastern Europe 1918−1995. Zagreb 1996, S. 90, zitiert nach Carl Bethke: Deutsche und ungarische Minderheiten in Kroatien und der Vojvodina 1918−1941. Identitätsentwürfe und ethnopolitische Mobilisierung. Wiesbaden 2009, S. 647.

[6] Aus serbokroatischen Muttersprachlern orthodoxer Konfession ermittelt.

[7] Carl Bethke: Die Deutschen in der Vojvodina, 1918 bis 1941. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009, S. 196−208, hier S. 196.

[8] Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Bd. V: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. Im Text unveränderter Nachdruck d. Ausg. v. 1961. München 2004, S. 180E−184E.

[9] Zur Diskussion um die Zuverlässigkeit der Volkszählung siehe: Konrad Clewing: Die doppelte Begründung der Serbischen Wojwodschaft 1848−1851. Ethnopolitik im Habsburgerreich. In: Südosteuropa. Von vormoderner Vielfalt und nationalstaatlicher Vereinheitlichung. Festschrift für Edgar Hösch. München 2005, S. 253−302, hier: S. 270−272.

[10] Antal Hegediš, Katarina Čobanović: Demografska i agrarna statistika Vojvodine 1767−1867 [Demographische und agrarische Statistik der Vojvodina 1767−1867]. Novi Sad 1991, S. 128.

[11] http://vital.rs/o-nama/istorijat-fabrike/ (23.10.2015).

[12] Arnold Suppan: Hitler−Beneš−Tito. Konflikt, Krieg und Völkermord in Ostmittel- und Südosteuropa. Wien 2014, S. 1054.

[13] Siehe Norbert Spannenberger: Kirchen und Konfessionen in der Batschka und im Banat im 18. und 19. Jahrhundert. In: Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina. Novi Sad 2009, S. 142−149.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zitation

Karl-Peter Krauss: Batschka. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2018. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32553 (Stand 14.03.2018).

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