OME-Lexikon

Südosteuropa

1. Genese des Begriffs

Der Begriff "Südosteuropäische Halbinsel" wurde 1863 von dem österreichischen Diplomaten und Albanologen Johann Georg von Hahn als Alternative zu "Balkan-Halbinsel" vorgeschlagen, da diese 1808 von dem deutschen Geographen August Zeune eingeführte geographische Bezeichnung auf der irrigen Annahme beruht hatte, dass das im heutigen Bulgarien gelegene Balkan-Gebirge (bulg. Stara Planina) vom Schwarzen Meer bis zur Adria reiche. Der deutsche Geograph Theobald Fischer schlug 1893 vor, die Halbinsel im südöstlichen Europa als "Südosteuropa" zu bezeichnen.[1] "Südosteuropa" konnte sich im deutschsprachigen Raum erst in der Zwischenkriegszeit als vermeintlich neutrale Alternative zu den negativ konnotierten Komposita mit "Balkan" im Namen etablieren.[2] Während des Nationalsozialismus erfuhr allerdings auch der Begriff "Südosteuropa" eine normative Aufladung, indem er zur Chiffre für nationalsozialistische Beherrschungsstrategien wurde ("Ergänzungsraum Südosteuropa"). Der NS-Intellektuelle und Südosteuropaexperte Franz Ronneberger bezeichnete die "Südostforschung" daher nicht als "objektive Wissenschaft", sondern als "ausgesprochen politischen Wissenschaftsbereich".[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierte aufgrund der nationalsozialistischen Diskreditierung des Südosteuropa-Begriffs in der nicht-deutschsprachigen Forschung und Publizistik wieder "Balkan" als Bezeichnung für das südöstliche Europa; englischsprachige Überblicksdarstellungen der Geschichte der Region führen üblicherweise "Balkans" im Titel. Im deutschsprachigen Raum blieb hingegen "Südosteuropa" die vorherrschende Benennung der Region, wie sich an den ihr gewidmeten Institutionen (z. B. Südosteuropagesellschaft, Professuren für südosteuropäische Geschichte) zeigen lässt. Ein Grund dafür war die definitorische Abgrenzung zwischen Südosteuropa und Balkan: Letzterer wird im deutschsprachigen Diskurs üblicherweise räumlich enger gefasst als Südosteuropa. Während Südosteuropa die Gebiete vom Karpatenbogen bis zu Adria, Ägäis und dem Schwarzen Meer umfasse (also im Norden auch Ungarn und die Slowakei), sei der Balkan als Geschichtsregion das Gebiet lang andauernder direkter osmanischer Herrschaft, somit im Norden durch die Flüsse Save und Donau begrenzt.[4] Eine ähnliche Unterscheidung hatte schon 1942 Fritz Valjavec vorgeschlagen, der Südosteuropa "in erster Linie" als "Arbeitsbegriff" definierte, während der geographisch enger gefasste Balkanraum "kulturmorphologische" Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen aufweise.[5]

2. Definition

Eine eindeutige Definition von "Südosteuropa" jenseits einer Geschichte des Begriffs ist nicht möglich. Eine Gebietseinheit solchen Namens, die über eigene Institutionen verfügt hätte, gab es nie, und die Bevölkerungen der so bezeichneten Region definierten sich niemals wesentlich über die Zugehörigkeit zu "Südosteuropa". Die Institutionalisierung des Begriffs "Südosteuropa" erfolgte vielmehr in wissenschaftlichen und politischen Zusammenhängen außerhalb der so benannten Region (v. a. in Deutschland und in Österreich). Sie beruhte auf der Annahme, dass diese Region Gemeinsamkeiten aufweist, die eine Gesamtbetrachtung rechtfertigen. Die Institutionalisierung von Südosteuropa-Expertise schlägt sich nieder in der Existenz von spezialisierten Lehreinheiten an Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie von Fachverbänden, die "Südosteuropa/südosteuropäisch" in ihrem Namen führen. Eine formalisierte politische Struktur, die nach "Südosteuropa" benannt ist und jene Länder umfasst, die gemeinhin der Region zugezählt werden (aber ohne Ungarn), entstand im Jahr 1996 mit dem "South-East European Cooperation Process", der die Kooperation der Staaten der Region in Hinblick auf ihre EU-Integration fördern will, aber über keinerlei supranationale Organe und hoheitliche Kompetenzen verfügt.

Die Schwierigkeit einer Definition von "Südosteuropa" beruht im Nichtvorhandensein eindeutiger geographischer Grenzen. Die Problematik wird verschärft durch die Tatsache, dass "Südosteuropa" nicht (nur) als kartographische Raumbezeichnung gedacht ist, sondern als durch bestimmte historische, politische und kulturelle Zusammenhänge definierte Region, die sich einer klaren räumlichen Begrenzung verweigern und sich im Zeitverlauf unterschiedlich darstellen. Umstritten ist die Abgrenzung von Südosteuropa nach Norden hin, aber auch nach Süden. In unterschiedlichen Zusammenhängen werden daher die Gebiete der heutigen Staaten Slowakei, Slowenien, Moldau und Ungarn einmal zu Südosteuropa gezählt, ein andermal nicht; Analoges gilt für die anatolischen Teile der Türkei, für Teile der Ukraine (Karpato-Ukraine, Nord-Bukowina, Süd-Bessarabien) und für Zypern. Für gewöhnlich unumstritten ist die Zuordnung Albaniens, Bosnien-Herzegowinas, Bulgariens, Griechenlands, Kosovos, Makedoniens, Montenegros, Rumäniens und Serbiens zu Südosteuropa. Im Falle von Kroatien gibt es Stimmen, v. a. im Lande selbst, die sich gegen eine solche Zuschreibung verwehren und Kroatien in Mitteleuropa verorten.

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Großgliederung Europas, Vorschlag des
Ständigen Ausschusses für geopraphische
Namen (StAGN).

[Wikimedia Commons]. Karte: CC BY-SA 3.0/
NordNordWest

Angesichts dieser Ambivalenzen unterscheidet sich der jeweilige konkrete Bezugsrahmen von Südosteuropa-bezogenen Organisationen und Initiativen. Die Südosteuropagesellschaft inkludiert z. B. die Staaten Moldau, Slowakei, Zypern, Türkei und Ukraine in ihr Aktivitätsspektrum. Ähnlich weit gefasst war der Betrachtungsraum des Südost-Instituts, mit der Einschränkung, dass es von "Teilen der Türkei und der Ukraine" sprach. Das für die Standardisierung geographischer Namen im deutschsprachigen Raum zuständige Gremium (Ständiger Ausschuss für geographische Namen) schlägt wiederum eine engere Definition von Südosteuropa vor. In seiner "Großgliederung Europas nach kulturellen Kriterien und politischen Grenzen" gehören Kroatien, Slowenien, Ungarn und die Türkei nicht zu Südosteuropa, Moldau und Zypern schon. Angesichts solcher Abgrenzungsprobleme hat sich in der historischen Forschung eine pragmatische Nutzung des Begriffs "Südosteuropa" als Bezeichnung für eine durch breite und sich verändernde Übergangszonen ausgezeichnete Geschichtsregion durchgesetzt.

3. Diskurse/Kontroversen

Debatten um den Begriff "Südosteuropa" wurden v. a. in Bezug auf die Frage nach seiner Tauglichkeit als Bezeichnung für eine geographische Großregion geführt. Dabei ging es u. a. um das Verhältnis der beiden Begriffe "Südosteuropa" und "Balkan". Während "Südosteuropa" ursprünglich im 19. Jahrhundert als Bezeichnung mit größerer Plausibilität und Neutralität für die Großregion im Südosten Europas vorgeschlagen wurde (siehe oben), wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts wiederholt auf die Problematik seiner definitorischen Abgrenzung hingewiesen. Nach 1945 kam "Südosteuropa" auch aufgrund der nationalsozialistischen Instrumentalisierung dieses Begriffs im Rahmen der Pläne des Dritten Reichs zur Beherrschung und Ausbeutung des südöstlichen Europas in die Kritik; in diesem Zusammenhang wurde - mit großer Verspätung - auch die Verstrickung der Südosteuropaforschung in die nationalsozialistische Politik aufgearbeitet.[6]

Heftige Kontroversen um die Begrifflichkeit löste in den 1990er Jahren das Buch Imagining the Balkans der Historikerin Maria Todorova aus. In dieser Studie zeigt die Autorin auf, wie der Balkan von west- und mitteleuropäischen Diskursen 'erfunden' und in diesem Prozess die geographische Bezeichnung Balkan mit einer Reihe von stereotypen, zumeist abwertenden Werturteilen aufgeladen wurde. Todorovas Monographie regte eine Reihe von weiteren Arbeiten an, welche die Entstehung von Balkan- bzw. Südosteuropaklischees behandelten. Die Dekonstruktion des Balkan-Begriffs initiierte in der Südosteuropaforschung eine intensive Reflexion über die Bezeichnung der Region. Der deutsche Südosteuropahistoriker Holm Sundhaussen plädierte in einer Debatte mit Maria Todorova z. B. für eine klare terminologische Trennung zwischen Südosteuropa und Balkan, wobei er den Balkan als durch gemeinsame historische Erbschaften konstituierte Geschichtsregion begreift.[7] Der österreichische Südosteuropahistoriker Karl Kaser schlug vor, "Südosteuropa" durch "südöstliches Europa" zu ersetzen, um den Eindruck einer klaren Abgrenzbarkeit der Region auch terminologisch gar nicht erst entstehen zu lassen.[8]

4. Historischer Abriss

Die geschilderte Definitionsproblematik impliziert ähnliche Schwierigkeiten bei der Entscheidung, zu welchem Zeitpunkt eine Darstellung der Geschichte Südosteuropas einsetzen und welche Räume sie umfassen soll.[9] Ein sinnvoller Beginn einer regionalen Geschichte wäre die administrative Teilung des Römischen Reiches (395) und die damit grundgelegte Entstehung eines oströmischen Reichs, das den Untergang des westlichen Teilreiches um fast ein Jahrtausend (bis 1453) überleben sollte. Ein wesentliches Merkmal der Geschichte Südosteuropas seither ist die prägende Kraft von unterschiedlichen, zum Teil konkurrierenden Imperien, die ihr Zentrum am Rande oder außerhalb der Region haben. Bis zur Bildung von Nationalstaaten, die im frühen 19. Jahrhundert begann, prägten das Byzantinische, das Osmanische, das Habsburgische und im nordöstlichen Bereich der Region auch das Russische Reich die politische Integration der Region. Hinzu kam Venedig, das im Zeitverlauf in unterschiedlicher Intensität Gebiete an der Ostküste der Adria und Teile der griechischen Inselwelt kontrollierte. Die Bedeutung externer Akteure zeigte sich auch im "langen" 19. Jahrhundert, als Südosteuropa im Zuge der "Orientalischen Frage" zur Einflusssphäre der europäischen Großmächte wurde, und im 20. Jahrhundert, als die Region Opfer der Kriegspolitik von Deutschland und Italien wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion bzw. die USA maßgeblichen Einfluss gewannen. Selbst nach dem Ende des Kalten Krieges sind Teile der Region in einem für Europa unüblichen Maße fremdbestimmt, manifest etwa in der UN-Verwaltung für Kosovo (1999–2008) oder dem mit weitgehenden Interventionsbefugnissen ausgestatteten Amt des Obersten Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina.

Trotz der Heterogenität der Region und der Vielfalt ihrer Geschichte(n) lassen sich einige prägende gesellschaftliche Longue-durée-Faktoren identifizieren, wie die lange Tradition imperialer Herrschaft, das byzantinische und osmanische Erbe sowie die Koexistenz unterschiedlicher Religionsgemeinschaften. Ein weiterer Prägefaktor langer Dauer sind Migrationsbewegungen unterschiedlicher Natur, welche Südosteuropa zu einer Migrationsregion par excellence gemacht haben.[10] Frühmittelalterliche Landnahme (wie durch die Slawen und Ungarn), Kolonisation (durch imperiale und nationalstaatliche Regierungen initiiert), nomadische und saisonale Wanderungen, Bevölkerungsverschiebungen im Zuge von Krieg und Krise, Arbeitsmigration, Zwangsmigration und Flucht sorgten für häufige Veränderungen in der sprachlich-religiösen bzw. der ethnographischen Landkarte Südosteuropas. Sie bedingten die bis heute trotz der nationalen Homogenisierungsprozesse und "ethnischen Säuberungen" des 19. und 20. Jahrhunderts bestehende ethnische, linguistische und konfessionelle Heterogenität Südosteuropas.

Im Zuge dieser Wanderungsbewegungen kamen auch Deutsche nach Südosteuropa, zuerst im 12./13. Jahrhundert gerufen von ungarischen und serbischen Herrschern v. a. zum Ausbau des Bergbaus in Ungarn (Banat, Siebenbürgen) und Serbien; von dort gelangten Kolonien deutscher Bergleute auch nach Bosnien und Bulgarien. Für diese Zusiedler bürgerte sich die Bezeichnung "Sachsen" in den Sprachen Südosteuropas ein. Eine kleinere Siedlergruppe ließ sich im 14. Jahrhundert in der Gottschee im heutigen Slowenien nieder. Eine erneute Zuwanderungswelle von Deutschen war als Folge der habsburgischen Rekatholisierung der österreichischen Kernlande sowie der gleichzeitigen "Impopulation" der den Osmanen im späten 17./frühen 18. Jahrhundert abgenommenen Gebiete zu verzeichnen, als Zuwanderer aus habsburgischen Ländern und befreundeten deutschen Territorialstaaten angeworben und im Banat, in Transdanubien ("Schwäbische Türkei"), auf dem Gebiet der heutigen Vojvodina und in anderen Regionen des habsburgisch gewordenen Ungarn angesiedelt wurden ("Donauschwaben").[11] Protestanten aus Österreich wurden zum Teil nach Siebenbürgen deportiert ("Landler"). Nachdem Bessarabien 1812 an Russland gekommen war, wurden auch hier Deutsche angesiedelt. Von dort aus erfolgten Sekundärsiedlungen in die Dobrudscha.[12] Eine erneute stärkere Zuwanderungsbewegung führte Deutsche im 19. Jahrhundert nach Kroatien und Slawonien sowie nach Bosnien-Herzegowina. Im 20. Jahrhundert wiederum wurden auch Deutsche - so wie andere Minderheitengruppen in Südosteuropa - Opfer kollektiver Vergeltung (Vertreibung aus Ungarn, Deportation in Rumänien, Vertreibung und zum Teil Ermordung in Jugoslawien).

Ein weiteres für das Verständnis der modernen Geschichte Südosteuropas wesentliches gesellschaftliches Merkmal ist der bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dominant agrarische Charakter der Region. Mit Ausnahme einiger Inseln der Industrialisierung und des Bergbaus blieben die Länder Südosteuropas bis zur kommunistischen Industrialisierungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg durch Landwirtschaft geprägt. Bis in das späte 19. Jahrhundert hinein basierte dabei die Landwirtschaft in den großflächigen Gebirgsgegenden Südosteuropas vornehmlich auf Viehzucht (zumeist Schafe und Ziegen), die in der Regel mobil betrieben wurde ("Transhumanz"). Auch noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war ein Großteil der Landwirtschaft auf Subsistenzsicherung orientiert. Die Bedeutung der Landwirtschaft schlug sich in einem geringen Urbanisierungsgrad nieder. Erst seit Mitte der 1980er Jahre leben auch in Südosteuropa mehr Menschen in Städten als in Dörfern (mit großen regionalen Unterschieden). Südosteuropa erlebte somit einen großflächigen Modernisierungsdurchbruch - allerdings kommunistischer Prägung - erst in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, denn weder die spätimperialen noch die nationalstaatlichen Modernisierungsbemühungen des "langen" 19. Jahrhunderts und der Zwischenkriegszeit hatten die vielfältigen Modernisierungsblockaden aufzulösen vermocht.

Das byzantinische und osmanische Erbe

Das Oströmische (Byzantinische) Reich, das als politischer Zusammenhang zeitweise weite Teile des südöstlichen Europas (und darüber hinaus weitere Regionen) umfasste, entfaltete eine enorme kulturelle Prägekraft. In die byzantinische Zeit fallen wesentliche Weichenstellungen und Veränderungen, die zum einen Erbschaften der Antike auflösten und zum anderen für Unterschiede zum westlichen Europa die Grundlage schufen, die bis heute nachwirken. Dazu gehört die Zuwanderung von Slawen (ab dem 6. Jahrhundert), welche eine Voraussetzung für die Bildung slawischer Staaten im Mittelalter (Bulgarien, Serbien, Kroatien, Bosnien) war. Ein zentrales byzantinisches Erbe ist die Christianisierung des Balkans, die von Konstantinopel ausging, was wiederum nach dem Großen Schisma von 1054 hieß, dass die meisten Christen im südöstlichen Europa Teil der orthodoxen (ostkirchlichen) Welt wurden. Im Zuge der Christianisierung der Slawen durch Byzanz erfolgte im 9. Jahrhundert die Übersetzung der Bibel ins Slawische und die Entwicklung einer eigenen slawischen Schriftlichkeit, die in ihrer kyrillischen Variante bis heute fortbesteht.

Im Norden des südöstlichen Europas konkurrierte Byzanz mit dem sich um die Jahrtausendwende gebildeten Königreich Ungarn und somit auch mit dem Papsttum; Ungarn konnte beispielsweise 1102 die Angliederung Kroatiens erreichen, während sich die im 14. Jahrhundert entstehenden Fürstentümer der Walachei und Moldau kirchenpolitisch an Byzanz orientierten. Die Länder der ungarischen Krone (Königreich Ungarn mit Siebenbürgen, Kroatien, Dalmatien) schlugen in mancherlei Hinsicht einen anderen Entwicklungsweg als die byzantinischen Gebiete des südöstlichen Europas ein, wobei diese Kontinuitäten über die osmanische Eroberung hinausreichen sollten. Dazu gehören die Zugehörigkeit zur westkirchlichen Welt, die Ausbildung feudaler Agrarordnungen sowie die Existenz von eigenen Stadtrechtssystemen (nach deutschen oder italienischen Mustern).

Die Zeit des Byzantinischen Reiches kann daher als eine wesentliche Periode in der Geschichte Südosteuropas angesehen werden, die vom fünften Jahrhundert bis 1453 reicht, wobei das letzte Jahrhundert dieses Zeitabschnitts bereits durch den Beginn der nächsten Periode mit nachhaltigen Erbschaften für die Region gekennzeichnet ist: der osmanischen Eroberung. 1354 etablierten die Osmanen aus dem westlichen Anatolien her kommend ihren ersten Brückenkopf jenseits der Dardanellen. Von hier aus gelang es ihnen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, den größten Teil des südöstlichen Europas (inklusive weiter Teile des Königreichs Ungarn) zu erobern. Die osmanische Eroberung brachte das Ende nicht nur für das Byzantinische Reich (das beim Fall Konstantinopels 1453 kaum mehr als das Hinterland der stark entvölkerten Stadt umfasste), sondern auch für die mittelalterlichen Staatsgebilde, die am nördlichen Rand des byzantinischen Einflussgebietes entstanden waren. Die osmanische Herrschaft bedeutete für Südosteuropa die Integration in ein weit über Europa hinausreichendes islamisches Staatswesen, das nachhaltig die sozialen Beziehungen und kulturellen Praktiken der Region prägte. Zu den wichtigsten Erbschaften des Osmanischen Reiches gehört die Präsenz muslimischer Bevölkerungsgruppen in Südosteuropa als Ergebnis von Konversion und Kolonisation.

Ein Spezifikum der osmanischen Herrschaft war ihre Adaptionsfähigkeit an und Integrationsfähigkeit von lokaler Vielfalt, weshalb die Gesellschaften der Region trotz der gemeinsamen politischen Klammer von großer Heterogenität gekennzeichnet blieben. Die Osmanen strebten keine Homogenisierung an. Administrativ spiegelte sich die Vielfalt in unterschiedlich intensiver zentralstaatlicher Durchdringung wider; einige Gebiete (die Fürstentümer Siebenbürgen, Walachei und Moldau, die Republik Ragusa) waren nicht direkt in das Reich integriert, sondern genossen als Vasallen weitgehende innere Autonomie, in anderen Regionen (Nordalbanien, Montenegro) begnügte sich die Hohe Pforte mit einer eher nominellen Herrschaft, und spezifische Bevölkerungsgruppen (z. B. Passwächter) genossen weitgehende Privilegien. Für die Entwicklung der Region zentral war der Umgang der Osmanen mit konfessioneller Vielfalt: Bis zur rechtlichen Gleichstellung aller Untertanen 1856 hatten Muslime zwar einen rechtlich privilegierten Status inne, jedoch genossen die Anhänger der Buchreligionen (in Südosteuropa Christen unterschiedlicher Konfession und Juden) den Schutz des Sultans und konnten ihre Religion weiterhin ausüben. Sie unterlagen allerdings einigen Beschränkungen und mussten höhere Steuern zahlen. Diese Politik der Anerkennung religiöser Differenz war einer der Gründe, warum ein großer Teil der iberischen Juden (Sepharden) nach ihrer Vertreibung aus Spanien und Portugal 1492 in das Osmanische Reich auswanderte.

Organisiert war die osmanische Gesellschaft primär entlang religiöser Kriterien, wobei die einzelnen anerkannten Glaubensgruppen (millet) ein hohes Ausmaß an Autonomie bei der Gestaltung ihrer alltäglichen Angelegenheiten genossen. Da die Osmanen die Gesellschaft nicht entlang ethnisch-linguistischer Kriterien klassifizierten, bildeten die Muslime gleich welcher Sprache eine Gruppe, aus der sich auch die Elite des Reiches rekrutierte. Die Orthodoxen waren in der Regel dem Patriarchen von Konstantinopel untergeordnet. Zur gesellschaftlichen Vielfalt gehörte auch das Funktionieren unterschiedlicher Rechtsbestände. Stadt-Land-Unterschiede waren rechtlich weniger, soziokulturell und ökonomisch hingegen sehr wohl bedeutsam. Eine weitere Besonderheit des Osmanischen Reiches war das Fehlen einer landbesitzenden Aristokratie und damit auch der grundherrschaftlichen Kontrolle über die bäuerliche Bevölkerung, obwohl sich im Zuge des innerstaatlichen Machtverlusts des Sultans im 18. Jahrhundert Formen personaler Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Bauern und lokalen Notabeln, die Grundbesitz anhäufen konnten, herausbildeten. In großen Teilen der direkt verwalteten Gebiete des Reiches blieb die Bauernschaft aber faktisch frei, wobei kleinbäuerliche Strukturen dominierten.

Ein wichtiger Wendepunkt für die Geschichte der Region war das Ende der osmanischen Expansion im 17. Jahrhundert und der Beginn der territorialen Kontraktion des Reiches. Mit dem Rückschlag der osmanischen Truppen durch das Heer der Habsburger und ihrer Verbündeten nach der zweiten Belagerung von Wien (1683) begann ein Prozess des Weichens der Osmanen aus Europa, der mit den Balkankriegen (1912/13) zum Ende kam, als dem Osmanischen Reich auf europäischem Boden nur mehr das Hinterland von Istanbul (Ostthrakien) blieb. Umgekehrt konnten die Habsburger nach 1683 ihren südosteuropäischen Besitzstand nach und nach erweitern und sich die gesamten Länder der ungarischen Krone einverleiben. Die Adriagebiete (Istrien, Dalmatien) gelangten endgültig 1815 (Wiener Kongress) zu Österreich. Dem heterogenen Charakter der inneren Strukturen des Habsburgerreichs entsprechend wurden auch die südosteuropäischen Gebiete unterschiedlich verwaltet. Eine Region mit besonderem Statut stellte die direkt von Wien aus kontrollierte Militärgrenze dar, die im 16. Jahrhundert eingerichtet worden war und ab dem frühen 18. Jahrhundert von der Adria im Westen bis zum Banat und nach Siebenbürgen im Osten reichte, um Schutz gegen die Osmanen zu bieten. Die südliche Militärgrenze wurde endgültig 1881 aufgelöst und in das Königreich Kroatien und Slawonien integriert, das wiederum einen Autonomiestatus innerhalb des Königreichs Ungarn genoss. In vielerlei Hinsicht unterschieden sich die südosteuropäischen Provinzen des Habsburgerreichs von seinen Kernländern, so in der Nicht-Katholiken (Protestanten, Orthodoxen) auch schon vor dem Toleranzpatent von 1781 gewährten Freiheit der Religionsausübung und der Anerkennung entsprechender Kirchenhierarchien. Österreich wurde zum Zentrum der serbischen Orthodoxie (Einrichtung eines Erzbistums in Karlowitz/Sremski Karlovci 1713), nachdem das serbische Patriarchat auf osmanischem Boden vom Sultan dauerhaft aufgehoben worden war (1766). Das Fürstentum Siebenbürgen, das 1690 unter österreichische Kontrolle kam und in dem durch das "Leopoldinische Diplom" u. a. Religionsfreiheit zugesichert wurde, entwickelte sich wiederum zu einem Aufnahmegebiet von aus den Kernbereichen Österreichs (z. B. Salzkammergut und Land ob der Enns) im Laufe des 18. Jahrhunderts deportierten Protestanten.

Neben den Habsburgern erwuchs den Osmanen im 18. Jahrhundert mit dem expansiven Russischen Reich ein weiterer mächtiger Gegner, der wiederholt die rumänischen Fürstentümer Walachei und Moldau besetzte und die osmanische Präsenz am Nordufer des Schwarzen Meeres beendete (1774 Frieden von Küçük Kaynarca). Mit diesem Friedensvertrag sicherte sich Russland auch das Recht, Schutzmacht über die Orthodoxen des Osmanischen Reiches zu sein, was die russische Regierung wiederholt zu Interventionen nutzte. Eine ähnliche Funktion reklamierten die Habsburger in Bezug auf die Katholiken für sich. Im 19. Jahrhundert führte Russland mehrfach Krieg gegen die Osmanen und konnte dabei Bessarabien (1812) und das Donaudelta (1829) erobern. Russlands Interventionen waren essentiell für die faktische Loslösung der rumänischen Fürstentümer von osmanischer Kontrolle, für die Gewährung von Autonomie für Serbien durch den Sultan (1830) sowie die Schaffung des Fürstentums Bulgarien (1878).

Nationalstaatsbildung im 19. und 20. Jahrhundert

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Das östliche Europa 1878.
[R. H. Labberton, E. Elaxton & Co., 1884,
Courtesy of the University of Texas Libraries]

Die militärische Schwäche des Osmanischen Reiches sowie die Interventionspolitik der europäischen Großmächte waren wichtige Rahmenbedingungen für die zunehmende Virulenz nationaler Bewegungen in Südosteuropa im 19. Jahrhundert und die Schaffung von autonomen und schließlich unabhängigen Nationalstaaten. Ohne internationale Unterstützung wäre die (faktische) Unabhängigkeit für die neuen Staaten zu diesem Zeitpunkt kaum zustande gekommen, da die gesellschaftliche Breitenwirksamkeit der nationalen Bewegungen und ihr militärisches Potenzial begrenzt waren. Als erster "nationaler" Aufstand gilt jener der Serben 1804 (bis 1813), der letztlich in einem autonomen Fürstentum Serbien mündete (1830). 1821 begann die griechische Erhebung gegen die osmanische Herrschaft, der dank militärischer Unterstützung aus Europa die Gründung des unabhängigen griechischen Staates folgte (1830). Montenegro war zu jener Zeit faktisch ebenfalls weitgehend unabhängig. Die beiden Donaufürstentümer Moldau und Walachei entzogen sich dank russischer Unterstützung immer mehr dem osmanischen Einfluss und vereinigten sich 1861 zu Rumänien. Bulgarien wurde 1878 als autonomes Fürstentum aus der Taufe gehoben; im selben Jahr wurden Serbien, Montenegro und Rumänien auf dem Berliner Kongress als unabhängige Staaten anerkannt. Albanien folgte 1913. Als letzter osmanischer Nachfolgestaat wurde 1923 die Republik Türkei ausgerufen. Die südosteuropäischen Nationalstaaten verstanden sich als politischer Ausdruck einer in der Regel ethnisch definierten Nation und beanspruchten von Anfang an außerhalb ihrer Grenzen gelegene Gebiete, die von vermeintlich Ko-Nationalen bewohnt waren. Sie betrieben daher eine Politik der territorialen Expansion, vornehmlich zulasten des Osmanischen Reichs, mitunter aber auch gegeneinander (z. B. zweiter Balkankrieg, 1913). Nach innen verfolgten die neuen Nationalstaaten den Aufbau einer zentralstaatlichen Ordnung, basierend auf westeuropäischen Vorbildern und ebensolchen Verfassungen, sowie die Festigung der nationalen Identität unter der überwiegend bäuerlichen Bevölkerung.

In den habsburgischen Territorien Südosteuropas ließ sich im 19. Jahrhundert ebenfalls die Entstehung nationaler Identitäten sowie darauf aufbauender politischer Bewegungen beobachten. Zur Bildung von Nationalstaaten sollte es hier aber erst nach dem Zusammenbruch der Doppelmonarchie 1918 kommen. Wie auch auf dem osmanischen Balkan war Nationsbildung in der Habsburgermonarchie kein uniformer und unidirektionaler Prozess. Zwei politische Faktoren sorgten dabei für Besonderheiten in der Geschichte der nationalen Bewegungen im Habsburgerreich: Erstens agierten diese nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 in zwei sehr unterschiedlich verfassten politischen Kontexten. In der ungarischen Reichshälfte waren die nichtmagyarischen Nationalitäten mit einem zentralisierenden Staat konfrontiert, der eine Magyarisierungspolitik betrieb. Hingegen hatten die Kronländer der österreichischen Reichshälfte einen größeren Spielraum bei der Politikgestaltung, und die Regierung in Wien versuchte tendenziell, einen Ausgleich zwischen den Nationalitäten herzustellen; sie kam daher vielen ihrer Forderungen (z. B. beim Sprachgebrauch) nach, wobei es auf lokaler Ebene immer wieder zu heftigen Konflikten kam (z. B. zwischen Deutschen und Slowenen in der Untersteiermark und in Krain oder zwischen Italienern und Kroaten in Istrien). Zweitens existierten mit Serbien und Rumänien bereits Nationalstaaten, an denen sich die serbische (oder auch insgesamt die südslawische) bzw. die rumänische Bevölkerung Österreich-Ungarns orientieren konnte. Die grenzüberschreitende Dynamik nationaler Mobilisierung wurde besonders in der Provinz Bosnien-Herzegowina deutlich, die 1878 von Österreich-Ungarn besetzt und 1908 annektiert wurde; die relativ größte Bevölkerungsgruppe zu jener Zeit waren orthodoxe Serben, weshalb serbische Nationalisten den Anschluss Bosniens an Serbien forderten.

Auch die deutschsprachige Bevölkerung der südosteuropäischen Reichsteile partizipierte an der nationalen Mobilisierung auf lokaler und staatlicher Ebene, wie die zahlreichen neu geschaffenen Vereine und Presseorgane verdeutlichten. In den ungarischen Reichsteilen richtete sich der Aktivismus gegen Magyarisierungs- und Zentralisierungsbemühungen, in den österreichischen nahm er vielfach den Charakter eines anti-slawischen 'Abwehrkampfes' (insbesondere im Rahmen des deutsch-slowenischen Gegensatzes) an. Jenseits der aktivistischen Rhetorik waren aber lokale Verhältnisse oft auch von Mehrsprachigkeit und ethnischer Koexistenz geprägt.

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Territoriale Veränderungen des Balkan-
raums - Konferenz von London (1913)
und Friedensvertrag von Bukarest
(1913). [In: Report der Internationalen
Kommission über die Gründe und Folgen
der Balkankriege, 1914, Courtesy of the
University of Texas Libraries]

Den endgültigen Triumph des nationalstaatlichen Ordnungsprinzips in Südosteuropa markierten die Balkankriege (1912/13) und der Erste Weltkrieg, als deren Folge das gesamte Gebiet der Region in unterschiedliche Nationalstaaten integriert wurde. Diese Kriege zeigten aber auch die Uneinigkeit der Länder Südosteuropas. Im ersten Weltkrieg traten Bulgarien und das Osmanische Reich auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg ein, während Serbien, Griechenland und Rumänien Bündnispartner der Entente waren. Die zugrunde liegende Motivation für die Regierungen (mit Ausnahme natürlich Serbiens, das von Österreich-Ungarn angegriffen wurde) waren die jeweiligen territorialen Expansionspläne und entsprechende Versprechungen der Kriegsmächte. Für die Nachkriegsordnung bedeutete dies, dass ein Teil der Region zu den Sieger-, der andere zu den Verlierermächten gehörte, was eine regional übergreifende Kooperationspolitik ungemein erschwerte. Die mit den untergegangenen Reichen assoziierten Bevölkerungsgruppen (Deutsche und Ungarn in den einst habsburgischen Gebieten, Muslime in den bis 1913 osmanischen Gebieten) erlebten eine sowohl ideelle als auch häufig materielle Statusinversion. Viele Beamte der untergegangenen Reiche verließen die nun zu Nationalstaaten gehörenden Gebiete; deutsche und ungarische Grundbesitzer im Norden sowie muslimische im Süden Südosteuropas verloren viel Land bei - im Prinzip zwar überfälligen, aber eben auch ethno-national motivierten - Landreformen.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Vor besondere Integrationsherausforderungen sahen sich nach 1918 gerade die Siegerländer in Südosteuropa gestellt. Das um Siebenbürgen, die Bukowina und Bessarabien (und damit auch um signifikante deutsche Bevölkerungen) erweiterte Königreich Rumänien und das neugegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Königreich Jugoslawien), das neben Serbien und Montenegro auch Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Teile Dalmatiens, Slowenien und die Vojvodina umfasste (und somit ebenfalls eine große deutsche Minderheit beheimatete), mussten Territorien mit historisch unterschiedlicher Zugehörigkeit und einer ethnisch sehr heterogenen Bevölkerung integrieren; Griechenland war mit rund 1,5 Millionen griechischen Flüchtlingen aus Kleinasien konfrontiert, die im Gefolge der griechischen Niederlage gegen die Türkei (1922/23) ihre Heimat verlassen mussten.

Sowohl in Jugoslawien, das sich als Nationalstaat der sog. "dreinamigen" jugoslawischen Nation verstand, als auch in Rumänien gab es eine markante Divergenz zwischen ethno-nationalistischem Staatsverständnis der politischen Elite und der realen Multiethnizität des Landes. Ebenso konfligierte eine zentralistische Staatsordnung (nach französischem Vorbild) mit der Existenz von selbstbewussten regionalen Eliten, die in der Habsburgermonarchie sozialisiert worden waren. Beide Staaten betrieben eine nationale Homogenisierungs- und Integrationspolitik, die auf die Südslawen im einen, auf die Rumänen im anderen Falle baute und diese bevorzugte. Dennoch blieben den nicht-dominanten Nationalitäten (in unterschiedlichem Ausmaß) Minderheitenrechte gewährt (wie von den Pariser Friedensverträgen vorgeschrieben); so erfreuten sich die Deutschen beider Länder eines breiten Schul- und Pressewesens (die Deutschen wurden allerdings weder in Rumänien noch in Jugoslawien von der Regierung als besonders problematische Minderheit angesehen; die unfreiwillige Rolle des 'signifikanten Anderen' im eigenen Land spielten vielmehr die Ungarn und Juden in Rumänien, die Ungarn und Albaner in Jugoslawien). Es kam weder zu nennenswerten Assimilationsprozessen noch zu massenhafter Auswanderung von Minderheitenangehörigen (mit Ausnahme der unmittelbaren Nachkriegszeit). Gleichwohl gehörten die Spannungen zwischen Mehrheitsbevölkerung und Minderheiten ebenso wie jene zwischen Gruppen mit radikal unterschiedlichen Staatsvorstellungen zu den wesentlichen Faktoren der die innenpolitische Entwicklung kennzeichnenden Instabilität, insbesondere aufgrund der enormen territorialen Verlustängste der herrschenden Eliten im Zentrum. Gravierende institutionelle Defizite, wirtschaftliche Unterentwicklung und das schwierige internationale Umfeld machten die Lösung der Integrationsaufgaben nicht einfacher. Vielmehr entstand ein Nährboden für extremen Nationalismus, in Rumänien verbunden mit weit verbreitetem Antisemitismus. Unter den großen deutschen Minderheiten der beiden Länder gewannen, unterstützt vom nationalsozialistischen Regime, in den 1930er Jahren ebenfalls radikale Aktivisten zunehmend an Bedeutung, weshalb die Vertretungen der deutschen Minderheit sich zunehmend an NS-Deutschland orientierten, obwohl die deutsche Minderheit unter deutlich geringerem Druck stand als andere große Minderheiten in Rumänien, Ungarn und Jugoslawien.[13]

Insgesamt war die Zwischenkriegszeit in den Ländern Südosteuropas, ähnlich wie in den meisten Staaten Europas, durch große Instabilität geprägt. Dabei müssen die Folgen des Ersten Weltkriegs bedacht werden, die teils verheerend gewesen waren (Serbien war das kriegsbeteiligte Land mit den höchsten Opferzahlen pro Kopf der Bevölkerung). Große Flüchtlingsströme als Folge des Kriegs, v. a. in Bulgarien und Griechenland, verschärften die soziale Misere und die politischen Schwierigkeiten. Die durch die Friedensverträge geschaffenen neuen Grenzen konnten nationale Konflikte in einer Region mit so ausgeprägter ethno-konfessioneller Gemengelage unmöglich lösen, außer man ergriff so radikale Maßnahmen wie bei dem griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch von 1923. In allen Ländern Südosteuropas blieben faire Wahlen in der Zwischenkriegszeit die Ausnahme; dementsprechend gering war die demokratische Legitimität der meisten Regierungen. Kommunistische Parteien wurden bald nach 1918 verboten (mit der Ausnahme Griechenlands). Trotz der nach wie vor dominant bäuerlichen Struktur der Gesellschaft gelang es genuinen Bauernparteien nur in Bulgarien (1919–1923) und Rumänien (1928–1930, 1932–1933) kurzzeitig die Regierung bzw. den Ministerpräsidenten zu stellen. In Bulgarien wurde die Regierung der Bauernpartei 1923 in einem blutigen Putsch gestürzt und ihr Anführer, Aleksandăr Stambolijski, ermordet. Den urbanen, auf die Hauptstadt konzentrierten Eliten der Länder Südosteuropas gelang es, den politischen Prozess zu manipulieren und ihre dominante Stellung zu bewahren, notfalls in Koalition mit den Monarchen, die eine gemäß der Verfassung starke Position innehatten.

Im Zuge sich verschärfender, häufig mit politischer Gewalt verbundener politischer Instabilität erlebten alle Länder Südosteuropas Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre die Etablierung autoritärer Regime (in Albanien, Bulgarien, Jugoslawien und Rumänien in Form von Königsdiktaturen). Auf der Basis eines nationalistischen Grundkonsenses sowie unter Eindruck des Aufstiegs des Faschismus in Italien und Deutschland verschob sich die politische Landschaft Südosteuropas in der Zwischenkriegszeit in Richtung der Rechten, an deren extremem Rand sich genuine faschistische Gruppen bildeten, die in Rumänien (Legion des Erzengels Michael/Eiserne Garde) und in Ungarn (Pfeilkreuzler) zu Massenbewegungen anwuchsen. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929, welche die Agrarökonomien Südosteuropas besonders heftig traf, war hierfür ein beschleunigender Faktor. Als Folge der Weltwirtschaftskrise und der nationalsozialistischen Machtübernahme stieg Deutschland zum wichtigsten Handelspartner der Länder Südosteuropas auf, was mit einem steigenden politischen Einfluss Deutschlands in der Region einherging. Dem nationalsozialistischen Regime gelang es von November 1940 bis März 1941 Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn zum Beitritt zum Dreimächtepakt zu bewegen. Albanien war zu diesem Zeitpunkt bereits italienisch besetzt (seit 1939).

Der Zweite Weltkrieg bedeutete auch für Südosteuropa eine tiefe Zäsur in mehrfacher Hinsicht. Während des Krieges waren die Staaten der Region bis zu ihrer Befreiung in unterschiedlicher Weise in den deutschen und (bis September 1943) italienischen Machtbereich integriert, mit Ausnahme der Republik Türkei, die neutral blieb. Jugoslawien und Griechenland wurden 1941 von Deutschland, Italien und Bulgarien besetzt, wobei auf jugoslawischem Boden mit dem "Unabhängigen Staat Kroatien" (NDH) unter Herrschaft der faschistischen Ustaša ein Vasallenstaat geschaffen wurde, der systematisch Juden, Roma, Serben und Regierungsgegner ermordete. Im jugoslawischen Besatzungsgebiet und dem NDH sowie in Griechenland bildeten sich bald mächtige bewaffnete Widerstandsbewegungen, in beiden Fällen gespalten in kommunistisch und royalistisch-nationalistisch bzw. konservativ orientierte Gruppen, die sich mitunter gegenseitig bekämpften ("Bürgerkrieg im Krieg"). Den Partisanen gelang es, große Teile der besetzten Gebiete zu befreien (v. a. nach der italienischen Kapitulation). Bulgarien, Rumänien und Ungarn waren hingegen Bündnispartner der Achsenmächte, wobei sich Rumänien und Ungarn am Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion beteiligten, in der Hoffnung auf territoriale Zugewinne (für Ungarn hatten sich diese teilweise bereits 1938 und 1940 erfüllt, als im sog. Ersten Wiener Schiedsspruch die Tschechoslowakei und im Zweiten Wiener Schiedsspruch Rumänien von Deutschland genötigt wurden, Gebiete mit ungarischer Bevölkerung an Ungarn abzutreten; Rumänien besetzte Bessarabien und den nördlichen Schwarzmeerraum um die Stadt Odessa/Odesa). Zu den größten Opfergruppen des Zweiten Weltkriegs gehörte auch in Südosteuropa die jüdische Bevölkerung: In den von Deutschland kontrollierten Gebieten wurde sie Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes; in Kroatien ermordete das Ustaša-Regime den Großteil der im Lande lebenden Juden, und in Rumänien wurden 280.000-300.000 Juden durch das antisemitische Antonescu-Regime getötet. In Ungarn fielen 1944/45 nach der deutschen Besetzung Hunderttausende dem Holocaust zum Opfer.

Nachkriegsgeschichte

Mit dem Vormarsch der Roten Armee nach der Zurückschlagung des deutschen Angriffs wurde eine wesentliche Weichenstellung für die Nachkriegsordnung in Südosteuropa eingeleitet: Im Sommer 1944 marschierte die Rote Armee in Rumänien und dann in Bulgarien ein; beide Länder hatten noch während des Krieges die Seiten gewechselt und dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Jugoslawien wurde maßgeblich von den kommunistischen Partisanen unter der Führung von Tito befreit, Ungarn in harten Kämpfen durch die Sowjetunion und ihre Alliierten bis Anfang April 1945. Aus den befreiten bzw. von der Roten Armee besetzten Ländern (insbesondere aus Rumänien) wurden Ende 1944/Anfang 1945 Zehntausende deutsche Arbeitskräfte zur Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert.[14] In Griechenland waren es ebenfalls im Wesentlichen heimische Widerstandsgruppen, die mit britischer Unterstützung das Land befreiten. Albanien wurde durch kommunistisch geführte Partisanen befreit, die massive Unterstützung durch die jugoslawischen Partisanen erfuhren. Die Art der Befreiung bedingte maßgeblich die Nachkriegsordnung: In Jugoslawien und Albanien übernahmen Kommunisten faktisch mit Kriegsende die Macht. Im Zuge der kommunistischen Machtergreifung in Jugoslawien wurden die meisten Deutschen (rund 300.000 Personen) aus dem Land (v. a. der Vojvodina) vertrieben und eine große Zahl von - tatsächlichen und vermeintlichen - Gegnern der Kommunisten getötet. In den durch die sowjetischen Truppen besetzten Ländern Bulgarien, Rumänien und Ungarn dauerte es bis 1947/48, bis kommunistische Einparteienregime etabliert wurden, während sich in Griechenland in einem bis 1949 andauernden Bürgerkrieg antikommunistische Kräfte v. a. dank der Unterstützung durch Großbritannien und die USA durchsetzen konnten. Die Republik Türkei schloss sich ebenfalls dem westlichen Lager an (NATO-Beitritt 1952, gleichzeitig mit Griechenland). Somit durchtrennte der Eiserne Vorhang auch Südosteuropa.

Die ersten Jahre kommunistischer Herrschaft waren durch stalinistische Repressionspraktiken sowie Phasen des Terrors gekennzeichnet. Die weitere politische und gesellschaftliche Entwicklung der Länder Südosteuropas verlief auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs nicht homogen. Eine erste wesentliche Zäsur bildete das Jahr 1948, in dem Jugoslawien von der Sowjetunion aus der kommunistischen Staatengemeinschaft ausgeschlossen wurde. Damit setzte in Jugoslawien ein eigener Weg zum Sozialismus ein, der sich u. a. in zunehmender Dezentralisierung äußerte (mit dem Höhepunkt der Verfassung von 1974, welche den sechs Teilrepubliken und zwei autonomen Provinzen Jugoslawiens weitgehende Rechte garantierte). Der im Vergleich zu anderen staatssozialistischen Ländern deutlich höhere Grad an Liberalität in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft war ein weiteres Merkmal des jugoslawischen Sozialismus. Außenpolitisch profilierte sich das Land unter der Führung von Josip Broz Tito, der 1980 verstarb, als ein Protagonist der Bewegung der Blockfreien Staaten (gegründet 1961) und pflegte leidlich gute Beziehungen sowohl zum Westen als auch (nach Stalins Tod 1953) zur Sowjetunion.

Eine zweite Zäsur für das kommunistische Lager war die durch sowjetische Truppen niedergeschlagene Revolution in Ungarn 1956. In Ungarn folgte nach einer Welle der Repression eine konziliantere Politik seitens des Regimes, die in größeren Freiräumen und Konsummöglichkeiten für die Bevölkerung resultierte (sog. Gulaschkommunismus). In Rumänien und Bulgarien verringerte sich nach dem Stalinismus ebenfalls das Niveau der Repression (in den 1970er Jahren sollte es wieder ansteigen), aber zu einer grundsätzlichen Reform der politischen und ökonomischen Strukturen kam es nicht. Das umfangreiche Spitzelwesen der rumänischen Geheimpolizei Securitate observierte und drangsalierte insbesondere auch die großen Minderheiten im Lande (Ungarn und Deutsche). Ab den frühen 1960er Jahren versuchten die Parteiführungen Rumäniens und Bulgariens Legitimitätsdefizite durch eine zunehmend nationalistische Rhetorik und Politik zu kompensieren. In Rumänien unter Nicolae Ceauşescu gehörte dazu eine Außenpolitik, die sich von der Sowjetunion emanzipierte, während Bulgarien unter Todor Živkov ein treuer Verbündeter der UdSSR blieb. Aus beiden Ländern durften Angehörige bestimmter nationaler Minderheiten auswandern, wobei es zu den Spezifika des rumänischen Nationalkommunismus gehörte, dass sich die Regierung jeden deutschen und jüdischen Emigranten von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland bzw. Israels bezahlen ließ. Albanien verblieb im Kern ein stalinistisches Regime bis nach Enver Hodzhas Tod (1985); das Land zeichnete sich zudem durch eine isolationistische Außenpolitik aus, indem es nach und nach mit seinen im Zeitverlauf wechselnden Patronen brach (Jugoslawien, Sowjetunion, VR China).

Die in das westliche Bündnissystem integrierten Staaten Griechenland und Türkei nahmen ebenfalls keinen geradlinigen Weg. Die politische Öffnung in Griechenland der 1950er und 1960er Jahre kam mit der Machtübernahme der Obristen und der Etablierung einer Militärdiktatur 1967 zu einem abrupten Ende. Erst nach deren Sturz 1974 sollte sich Griechenland nachhaltig demokratisieren, wobei die Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Gemeinschaft (ab 1981) einen wichtigen stabilisierenden Faktor darstellte. In der Türkei wurde die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende demokratische Entwicklung durch wiederholte Militärinterventionen (1960, 1971, 1980, 1997) unterbrochen bzw. rückgängig gemacht. Seit der Jahrtausendwende konnte sich der demokratische Prozess schließlich konsolidieren. Ein Faktor, der für beide Länder innenpolitisch destabilisierend wirkte und sie an den Rand eines Krieges gegeneinander brachte, war die Zypernfrage. Die 1959 unabhängig gewordene ehemalige britische Kronkolonie wurde durch eine türkische Militärintervention 1974 faktisch in einen griechisch und einen türkisch kontrollierten Teil geteilt; die im Norden der Insel ausgerufene "Türkische Republik Nordzypern" wird nur von der Türkei anerkannt und ist de jure Bestandteil der Republik Zypern und somit seit 2004 auch EU-Territorium.

1989 markierte auch für Südosteuropa eine Wende, da in Bulgarien (November) und Rumänien (Dezember) die kommunistischen Diktaturen einstürzten, in Rumänien in einer von einem Teil der Sicherheitskräfte mit Gewalt bekämpften Revolution, der auch Nicolae Ceauşescu und seine Frau Elena zum Opfer fielen. 1990 fanden in beiden Ländern sowie in Ungarn die ersten Mehrparteienwahlen seit der kommunistischen Machtübernahme statt, in Albanien 1991. In Jugoslawien führten alle Teilrepubliken im Laufe des Jahres 1990 Mehrparteienwahlen durch, bei denen in Slowenien, Kroatien, Makedonien und Bosnien-Herzegowina neugegründete antikommunistische Oppositionsparteien, die ein nationales Programm verfolgten, obsiegten, in Serbien und Montenegro die Postkommunisten. Zu keiner Wahl sollte es in Jugoslawien auf Bundesebene kommen, denn parallel zur Demokratisierung und wirtschaftlichen Krise hatten sich die schon in den Jahren zuvor immer offensichtlicher werdenden zentrifugalen Kräfte intensiviert. Nationalistische Kräfte gewannen an Zulauf; die Pläne für eine Reform des Bundesstaates divergierten zwischen Zentralisierungsideen der serbischen Führung und Plänen der slowenischen und kroatischen Führung zur Konföderalisierung. 1991/92 erklärten vier Teilrepubliken ihre Unabhängigkeit (Slowenien, Kroatien, Makedonien und Bosnien-Herzegowina).

Die Entwicklung nach dem Ende des Staatssozialismus verlief in den Ländern Südosteuropas sehr unterschiedlich. Das ehemalige Jugoslawien löste sich nicht friedlich auf, sondern blutig: Den Kriegen in Kroatien (1991–1995), Bosnien-Herzegowina (1992–1995) und Kosovo (1999) sowie dem Nato-Bombardement der Bundesrepublik Jugoslawien 1999 fielen ca. 130.000 Menschen zum Opfer. Mehrere Millionen Menschen ergriffen die Flucht oder wurden vertrieben. Das größte Massaker im Rahmen der Kriege verübten Truppen der bosnischen Serben im Juli 1995 in der bosnischen Stadt Srebrenica, als sie rund 8.000 männliche Bosniaken ermordeten. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag bewertete in mehreren Urteilen dieses Massaker als Genozid. Zu den politischen Folgen der Kriege gehören u. a. das bis heute bestehende internationale Protektorat in Bosnien-Herzegowina sowie die UN-Verwaltung (UNMIK) für die serbische Provinz Kosovo, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärte (mit Stand März 2012 wurde Kosovo von 89 Staaten, darunter 22 EU-Mitgliedern anerkannt). Für die Stabilisierung der Region des ehemaligen Jugoslawiens sowie die Verbesserung der Beziehungen zwischen den einstigen Kriegsgegnern wichtig waren der Sturz des Präsidenten der Bundesrepublik Jugoslawien Slobodan Milošević im Oktober 2000 und die darauf folgende rasche Demokratisierung Serbiens. 2006 zerfiel der Staatenbund von Serbien und Montenegro endgültig, nachdem sich Montenegro für unabhängig erklärt hatte. Zu einem kurzen separatistischen Krieg von März bis August 1992 war es auch in der Republik Moldau nach deren Unabhängigkeitserklärung (1991) gekommen, als sich Transnistrien (der Landesteil am linken Ufer des Dnjestr) faktisch abspaltete und sich als "Transnistrische Moldauische Republik" (PMR) konstituierte. Kein Land der Welt hat diesen 'Staat' bisher anerkannt.

Den nicht unmittelbar von kriegerischen Ereignissen betroffenen Ländern Südosteuropas gelang es in unterschiedlicher Geschwindigkeit, die neue politische und wirtschaftliche Ordnung zu konsolidieren. Erschwert wurden die Reformen durch die tiefe ökonomische Krise, in welche die Transformationsländer nach dem Ende des Staatssozialismus stürzten. Die wirtschaftliche Misere in Rumänien war ein wesentliches Motiv für die meisten der bis dahin verbliebenen Angehörigen der deutschen Minderheit, Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland auszuwandern. Spätestens ab Ende der 1990er Jahre befanden sich die Länder der Region aber auf einem ökonomischen Wachstumskurs (mehr oder weniger temporär unterbrochen durch die Finanzkrise von 2008/09). Ein Indikator des Reformerfolgs waren der Beitritt zur Europäischen Union von Ungarn und Slowenien 2004 sowie Bulgarien und Rumänien 2007. Der Beitrittsvertrag mit Kroatien wurde 2011 unterzeichnet (geplanter Beitritt: 2013). Mit Stand März 2012 hatte der Europäische Rat auch Makedonien, der Türkei und Serbien den EU-Kandidatenstatus zuerkannt. Parallel zur fortschreitenden EU-Integration Südosteuropas geriet Griechenland 2010/11 im Zuge der Finanzkrise an den Rand des Staatsbankrotts und destabilisierte damit die Euro-Zone. Trotz dieser Krise verfolgen aber alle Staaten der Region, die noch nicht Mitglied der EU sind, einen Beitritt zur EU als übergeordnete politische Priorität.

5. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Mathias Beer, Dittmar Dahlmann (Hg.): Migration nach Ost- und Südosteuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Ursachen - Formen - Verlauf - Ergebnis. Stuttgart 1999 (Schriftenreihe des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde 4).
  • Mathias Beer, Gerhard Seewann (Hg.): Südostforschung im Schatten des Dritten Reichs. Institutionen - Inhalte - Personen. München 2004 (Südosteuropäische Arbeiten 119).
  • Ivan T. Berend: Central and Eastern Europe 1944–1993. Detour from the Periphery to the Periphery. Cambridge u. a. 1996 (Cambridge Studies in Modern Economic History 1).
  • Carl Bethke: Deutsche und ungarische Minderheiten in Kroatien und der Vojvodina 1918–1941. Identitätsentwürfe und ethnopolitische Mobilisierung. Wiesbaden 2009 (Balkanologische Veröffentlichungen 47).
  • Detlef Brandes: Von den Zaren adoptiert. Die deutschen Kolonisten und die Balkansiedler in Neurußland und Bessarabien 1751–1914. München 1993 (Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 2).
  • Konrad Clewing, Oliver Jens Schmitt (Hg.): Geschichte Südosteuropas. Vom frühen Mittelalter bis zur frühen Gegenwart. Regensburg 2011.
  • Mariana Hausleiter, Harald Roth (Hg.): Der Einfluss von Faschismus und Nationalsozialismus auf Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa. München 2006 (Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas [IKGS] an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Wissenschaftliche Reihe 107).
  • Barbara Jelavich: History of the Balkans. 2 Bde. Cambridge u. a. 1983 (The Joint Committee on Eastern Europe Publication Series 12).
  • Karl Kaser: Südosteuropäische Geschichte und Geschichtswissenschaft. 2., bearb. und akt. Aufl. Wien u. a. 2002.
  • Olga Katsiardi-Hering: Migrationen von Bevölkerungsgruppen in Südosteuropa vom 15. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Südost-Forschungen 59/60 (2001), S. 125-148.
  • John R. Lampe: Balkans into Southeastern Europe. A Century of War and Transition. Basingstoke u. a. 2006.
  • John R. Lampe, Marvin R. Jackson: Balkan Economic History, 1550–1950. From Imperial Borderlands to Developing Nations. Bloomington 1982 (The Joint Committee on Eastern Europe publication series 10).
  • Mark Mazower: The Balkans. London 2000 (Universal History).
  • Dietmar Müller: Southeastern Europe as a Historical Meso-Region. Constructing Space in Twentieth-Century German Historiography. In: European Review of History 10,2 (2003), S. 393-408.
  • Gerhard Seewann, Karl-Peter Krauss, Norbert Spannenberger (Hg.): Die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn. Beiträge zum Neuaufbau des Königreichs nach der Türkenzeit. München 2010 (Buchreihe der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa 40).
  • Leften Stavrianos: The Balkans since 1453. New York 1958 (Rinehart Books in European History).
  • Holm Sundhaussen: Europa balkanica. Der Balkan als historischer Raum Europas. In: Geschichte und Gesellschaft 25 (1999), S. 626-653.
  • Holm Sundhaussen: Geschichte Südosteuropas als Migrationsgeschichte. Eine Skizze. In: Südostforschungen 65–66 (2006/2007), S. 422-477.
  • Holm Sundhaussen: Südosteuropa. In: Klaus J. Bade, Pieter C. Emmer, Leo Lucassen, Jochen Oltmer (Hg.): Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Paderborn u. a. 2007, S. 288-313.
  • Maria Todorova: Imagining the Balkans. New York u. a. 1997, S. 27-30.
  • Maria Todorova: Der Balkan als Analysekategorie. Grenzen, Raum, Zeit. In: Geschichte und Gesellschaft 28 (2002), S. 470-492.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Todorova: Imagining the Balkans, S. 27-30.

[2] Fritz Valjavec: Südosteuropa und Balkan. In: Südost-Forschungen 7 (1942), S. 1-9, hier S. 1.

[3] Zitiert nach: Peer Heinelt: Portrait eines Schreibtischtäters. Franz Ronneberger (1913–1999). In: Wolfgang Duchkowitsch, Fritz Hausjell, Bernd Semrad (Hg.): Die Spirale des Schweigens. Zum Umgang mit der nationalsozialistischen Zeitungswissenschaft. 2. Aufl. Wien 2004, S. 193-218, hier S. 202.

[4] Vgl. Kaser: Südosteuropäische Geschichte und Geschichtswissenschaft. 2. Aufl., S. 19-22; Sundhaussen: Europa balkanica; Müller: Southeastern Europe as a Historical Meso-Region.

[5] Valjavec: Südosteuropa und Balkan (Anm. 2), S. 5f.

[6] Beer, Seewann (Hg.): Südostforschung im Schatten des Dritten Reichs.

[7] Sundhaussen: Europa balkanica; Maria Todorova: Der Balkan als Analysekategorie, S. 470-492.

[8] Kaser: Südosteuropäische Geschichte und Geschichtswissenschaft, 6.

[9] Der folgende Abriss stützt sich wesentlich auf folgende Überblicksdarstellungen: Stavrianos: The Balkans since 1453; Lampe, Jackson: Balkan Economic History; Jelavich: History of the Balkans; Mazower: The Balkans; Lampe: Balkans into Southeastern Europe; Clewing, Schmitt (Hg.): Geschichte Südosteuropas.

[10] Vgl. Beer, Dahlmann (Hg.): Migration nach Ost- und Südosteuropa; Katsiardi-Hering: Migrationen, S. 125-148; Sundhaussen: Geschichte Südosteuropas als Migrationsgeschichte, S. 422-477; Sundhaussen: Südosteuropa, S. 288-313; Ulf Brunnbauer: Emigration aus Südosteuropa, 19.–21. Jahrhundert. Kontinuitäten, Brüche, Perspektiven. In: Emil Brix, Arnold Suppan, Elisabeth Vyslonzil (Hg.): Südosteuropa. Traditionen als Macht. Wien, München 2007 (Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts 31), S. 119-142.

[11] Seewann, Krauss, Spannenberger (Hg.): Die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn.

[12] Brandes: Von den Zaren adoptiert.

[13] Vgl. Hausleiter, Roth (Hg.): Der Einfluss von Faschismus und Nationalsozialismus; Bethke: Deutsche und ungarische Minderheiten.

[14] Mathias Beer: Deutsche Deportierte aus Ostmittel- und Südosteuropa in der UdSSR seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In: Klaus J. Bade, Pieter C. Emmer, Leo Lucassen, Jochen Oltmer (Hg.): Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Paderborn u. a. 2007, S. 465-470. Sofern sie überlebten, wurden die Zwangsverschlepptem größtenteils Ende der 1940er Jahre repatriiert.

 

Zitation

Ulf Brunnbauer: Südosteuropa. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2012. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/53869.html (Stand 05.06.2012).

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