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Törzburg/Bran

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Törzburg; Etymologie: Aus der ehemaligen Bezeichnung des Ortes Terch, Turcz, Turci > Törz(burg), namengebend wohl der nahebei fließende Bach Turcu.[1]

Amtliche Bezeichnung (Ort)

rum. Bran; Etymologie: Unklar, evtl. aus ung. Baranmezö ("braunes Feld"), möglicherweise auch aus slav. бороться (russ. kämpfen) oder "Tor": ворота (russ.), brána (tschech.).[2]

Ungarische Bezeichnung

Törcsvár; Etymologie: Hybride Lehnbildung aus dem dt. "Törzburg".

Lateinische (hist.) Bezeichnung

Castrum T(h)erch, Törz, Turz, Turchaw, Thewrh[3]

2. Geographie

Lage

45° 31′ 2,8″ Nord, 25° 22′ 15,2″ Ost.

Bild

Törzburg (Törcsvár).
[Die österreich-ungarische Monarchie in Wort
und Bild. Ungarn, Bd. 6. Wien 1902, S. 63]

Topographie und Region

Die Törzburg befindet sich etwa 30 km südlich von Kronstadt/Braşov zwischen dem Butschetsch-Gebirge/Munţii Bucegi/Bucsecs-hegység im (Süd-)Osten und dem Königsstein/Munţii Piatra Crailului/Királykő-hegység im (Nord-)Westen, an der engsten Stelle zwischen den Bergen Dealul Cetăţii und Măgura, vom Ende des Passes her öffnet sich im Nordosten das Burzenland/Ţara Bârsei/Barcaság und im Südwesten das weite Tal der Gemeinde Moesch/Moieciu/Moécs. Dieser Standort markiert den nördlichen Ausgang des gleichnamigen Törzburg-Passes (Pasul Rucăr-Bran), der als eine der wichtigsten Passstraßen im Karpatenknie Kronstadt mit Langenau/Câmpulung Muscel und damit Siebenbürgen mit der Walachei verbindet und im Mittelalter große merkantile und militärische Bedeutung hatte.

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Zunächst unter direkter Verwaltung der Könige von Ungarn als Herrschaft (Dominium mit 13 umliegenden Ortschaften) durch Kastellane, befand sich die Burg als Pfand ab 1498 im Besitz der Kronstädter Sachsen, ab 1651 (Kroner 2006) bzw. 1650[4] endgültig und bestätigt durch Fürst Georg II. Rákóczi; zeitweise auch kurz und wiederholt im Besitz der Fürsten der Walachei. Als siebenbürgische Grenzbefestigung territoriale Zugehörigkeit zum Königreich Ungarn und später zur Habsburgermonarchie. Nach Verlust der Bedeutung als Grenzposten und Militärstützpunkt unter Verwaltung des Kronstädter Forstamts (Kroner 2006). Nach Plänen, die Burg dem österreichischen Kaiser Karl I. (ung. König IV. Károly) als Krönungsgeschenk zu überreichen, was durch den Ausgang des Ersten Weltkriegs nicht mehr vollzogen werden konnte, wurde die Burg am 17. Juni 1921 von der Stadt Kronstadt der Königin Maria von Rumänien geschenkt. Im kommunistischen Rumänien verstaatlicht, wurde die Burg 2006 an Dominic von Habsburg, Sohn der Prinzessin Ileana von Rumänien, restituiert (vgl. Kroner 2006). Gegenwärtig wird die Burg von einer Verwaltungsgesellschaft geführt.

3. Geschichte und Bedeutung

Die Törzburg wurde als Gegenleistung für ihnen gewährte Rechte 1377 von den Burzenländer Sachsen aus Kronstadt für den ungarischen König Ludwig I. den Großen (Nagy Lájos) als Grenzbefestigung zum Schutz vor den beginnenden Türkeneinfällen erbaut, aber auch gegen das im Süden erstarkende Fürstentum Walachei. Neben der Grenzbewachung und -verteidigung kam der Burg auch die Aufgabe der Zollrechtsausübung zu. Die Törzburg mit der umliegenden zugehörigen Herrschaft unterstand zunächst direkt den ungarischen Königen, die die Kastellane ernannten. Mit der Etablierung walachischen Territorialbesitzes nördlich der Karpaten in Hamlesch/Amnaş und Fogarasch/Făgăraş Ende des 14. Jahrhunderts unter Mircea dem Alten (cel Bătrân, †1418) kam die Törzburg erstmals kurzzeitig in Besitz und unter Verwaltung der Fürsten der Walachei, wobei das Zollrecht bei Kronstadt blieb. Als Reaktion auf einen Vorstoß der Osmanen 1421 ins Burzenland und auf die schwankende Herrschafts- und Bündnispolitik in der Walachei unterstellte König Sigismund die Törzburg den siebenbürgischen Woiwoden. Wiederholt spielte die Burg eine Rolle bei spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Feldzügen und militärischen Auseinandersetzungen; in den Türkenkriegen waren die Burg und der Pass aber eher Nebenkriegsschauplatz, da die türkischen Heere in der Regel die Karpatenpässe mieden. Beschreibungen und Erwähnungen der Törzburg gibt es aus dieser Zeit u.a. vom französischen Diplomaten Jacques Bongars (1585) und vom italienischen Reisenden und Militärexperten Filippo Pigafetta (1595).

Eine wichtigere Rolle spielte die Burg schließlich bei innersiebenbürgischen Auseinandersetzungen: 1612 wurde die Törzburg vom siebenbürgischen Fürsten Gabriel Báthory während seiner Konflikte mit den Sachsen und dem walachischen Woiwoden eingenommen. Unter seinem Nachfolger Gabriel Bethlen kam es zu massiven Umbau- und Erneuerungsarbeiten an der Burg, während die Rechte der Kronstädter bezüglich Burgbesitz, militärischer Kontrolle und Zollrecht neu geregelt wurden. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Georg II. Rákóczy, den Türken und den Fürsten der Walachei gelangte die Törzburg mit ihrer Herrschaft endgültig wieder in den Besitz der Kronstädter. Mit der Reorganisation der Grenzverteidigung im Habsburgerreich begann die militärische Bedeutung der Törzburg zu schwinden; mit der Verlegung der Zollstelle 1836 verlor die Burg auch diese Funktion, nach der Abschaffung der Grundherrschaft Mitte des 19. Jahrhunderts endete auch das Törzburger Dominium.

Bis zur Schenkung der Burg an die rumänische Königin diente die Törzburg als Sitz der Kronstädter Forstbehörde. Nach der Abdankung des rumänischen Königs 1947 wurde die Burg verstaatlicht und ab 1957 als Museum genutzt. Gegenwärtig ist die Törzburg als Monument und Museum mit 195.000 Besuchern im Jahr 2011 eines der beliebtesten Touristenziele in Rumänien.[5]

4. Zur Baugeschichte

Die von den Kronstädtern errichtete steinerne Befestigungsanlage[6] wurde vermutlich auf den Resten einer hölzernen, durch die Deutschordensritter während ihres kurzen Aufenthalts (1211-1225) im Burzenland errichteten Wehranlage (Dietrichstein) erbaut, darauf lässt die Formulierung der durch Ludwig I. von Ungarn ausgestellten Urkunde zum Burgenbau schließen: "novum castrum in lapide Tydrici aedificare".[7] Insgesamt ist die Törzburg eine gut erhaltene mittelalterliche Burg, wenn auch bauliche Veränderungen, teils aufgrund von Zerstörungen – einmal ist der Pulverturm explodiert (1593) –, teils anderweitige massive Umbauten (besonders 1554, 1619) und Erweiterungen, etwa 1630 durch Gabriel Bethlen,[8] im Laufe der Zeit zum heutigen eklektischen Aussehen der Burg geführt haben. Die Übergabe an die Königsfamilie hat vor allem das Burginnere durch die Anpassung an die Bedürfnisse einer königlichen Wohnstätte im frühen 20. Jahrhundert (unter Leitung des Hofarchitekten Carol Liman) stark verändert und das heutige Erscheinungsbild geprägt, welches nicht mehr die Wehrhaftigkeit, sondern die Bequemlichkeit und Repräsentativität des Baus in den Vordergrund rückt.

Bild

Der Innenhof der Törzburg.
[Foto: T. Schares]

Die Burg ist gebaut auf einem länglichen, viereckigen, unregelmäßigen Grundriss mit einer maximalen Ost-West-Ausdehnung von ca. 40 m und einer maximalen Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 17 m. Die Anlage wird dominiert von dem wuchtigen, viereckigen Turm (Donjon) an der breiten Nordseite, heute mit zum Burginneren hin gewölbtem Pultdach und Dachreitertürmchen als Ausguck, sowie einem etwas niedrigeren runden Turm mit Kegeldach im Westen und vorgelagertem bastionartigem Rundwehrbau-Fundament als Abschluss zur Passseite. Am aus dem Grundriss heraustretenden Tor- und Wachhaus mit Treppenaufgang als Burgzugang an der Südostkante findet sich als Abschluss zur länglichen Südmauer ein weiterer niedriger halbrund vorspringender Rundbau mit Kegeldach, der eine Wendeltreppe umschließt, daneben liegt ein weiterer neuzeitlicher Anbau mit Ausgang zum Burgpark hin. Im Burghof fallen die Fachwerkelemente besonders der umlaufenden Balkonage sowie außen an der Nordseite auf. Der Hauptwohnbau schließt die östliche schmalere Kante der Anlage mit einer massiven Mauer aus behauenen Natursteinen ab. Die eng gestaffelte, vom natürlichen Felsfundament vorgegebene Struktur ist geprägt durch die gedrängte, insgesamt fünfgeschossige Gebäudeanordnung im Inneren und den dadurch komplett von Gebäuden umschlossenen Innenhof.

5. Diskurse/Kontroversen

Die historische Bedeutung der Törzburg wird überlagert von Populärmythen. Bis heute beruht die touristische Anziehungskraft der Burg auf angeblichen Aufenthalten des walachischen Woiwoden Dracula/Vlad III. Drăculea bzw. Ţepeş, wenn auch vor kurzem die Exponate im Burginneren um diese nicht belegbaren Bezüge zum historischen Dracula weitgehend bereinigt wurden. Diese Mythen wurden von den rumänischen Behörden im Rahmen des staatlich forcierten Dracula-Tourismus in den 1970er Jahren lanciert, wirtschaftlich ausgebeutet und wirken bis heute nach. In den Beschreibungen des Grafensitzes im Roman Dracula von Bram Stoker will man ebenfalls die Törzburg erkannt haben, was den Mythos als Dracula-Burg zusätzlich nährt. Ein zweiter – sichtbarer – Populärmythos hängt mit der Schenkung der Burg an die rumänische Königsfamilie und dem Nimbus der Burg als favorisierter Aufenthaltsort der Königin Maria und der Prinzessin Ileana zusammen, deren Nachkommen gegenwärtig wieder im Besitz derselben sind, wodurch der Charakter des zur königlichen Wohnanlage umgebauten Wehrbaus wieder stark in den Vordergrund gerückt wird. Beide Populärmythen verstellen den Blick auf den historischen Charakter der Burg als Grenzbefestigung, Zollstation und herrschaftlicher Sitz und sind eben auch (was die zweite betrifft) evident in den z. T. massiven baulichen Verfälschungen der ursprünglichen Substanz vor allem im Burginneren. Zumindest der Umbau der Festungsanlage in eine neuzeitmonarchische, romantisierende Herrscherresidenz muss aber als Tatsache und Status Quo der gegenwärtigen Situation der Burg sowie als Teil der (Bau-)Geschichte betrachtet und in ihre geschichtliche und kulturelle Beschreibungsdimension integriert werden.

6. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Gheorghe Anghel: Mittelalterliche Burgen in Transsilvanien. Bukarest 1973 (dt. Übers. der rum. Ausg. 1972).
  • George Avanu: Bran. Sinfonia Culorilor [Törzburg. Sinfonie der Farben]. 2. Aufl. Bucureşti 2008.
  • Titus Haşdeu: Cetatea Bran [Die Festung Törzburg]. Bucureşti 1968.
  • Emil Micu: Castelul Bran [Die Törzburg]. Bucureşti 1957.
  • Michael Kroner: Warum Habsburger und nicht Hohenzollern? In: Siebenbürgische Zeitung vom 19.9.2006 (http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/5701-warum-habsburger-und-nicht.html).
  • Harald Roth: Bran. In: Ders. (Hg.): Handbuch der historischen Stätten. Siebenbürgen. Stuttgart 2003 (Kröners Taschenausgabe 330), S. 34-36.
  • Fritz Schuster: Die Törzburg und das Törzburger Dominium. In: Kronstädter Zeitung 90-92 (1917).
  • Gustav Treiber: Die Törzburg. In: Jahrbuch des Burzenländer Sächsischen Museums 1 (1925), S. 122-126.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Vgl. Gernot Nussbächer: Aus Urkunden und Chroniken. Beiträge zur siebenbürgischen Heimatkunde. Bd. 5. Bukarest 1981, S. 42.

[2] Vgl. Nussbächer: Aus Urkunden, S. 43.

[3] Vgl. I[oan] Clinciu: Din trecutul Branului [Aus der Vergangenheit Brans] In: Transilvania. Revista asociaţiunii pentru literatura română şi cultura poporului român 6 (1910), S. 393-414, hier S. 400, so die Bezeichnungen in Dokumenten vor der Erbauung der jetzigen Burg auf dem Dietrichstein; auch die Bezeichnungen Lapis Tiderici und castrum in lapide Tydrici sind belegt, ebd. Vgl. auch Abschn. 4.

[4] Siebenbürgen in Wort und Bild. Mit einer Einleitung von Krista Zach und durch ein Ortsregister ergänzt. Vollständiger Nachdruck der Ausgabe Wien 1902. Köln u. a. 2004 (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens 28), S. 64.

[5] Im Vergleich zu 70.000 Besuchern auf Burg Eisenmarkt/Hunedoara, der einzigen vergleichbaren spätmittelalterlichen Burganlage in Siebenbürgen, im gleichen Jahr. Vgl. Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien Nr. 4814 (20. Jan. 2012), S. 12. Nach anderen Quellen soll die Törzburg, gegenüber 517.000 Besuchern im Jahr 2010, bis Oktober 2011 mehr als 430.000 Besucher gehabt haben. Vgl. die Informationen des Direktors (http://www.gandul.info/magazin/bran-astra-brukenthal-si-peles-in-topul-celor-mai-vizitate-muzee-din-romania-in-2011-9004385, Artikel vom 24.11.2011, und andere rumänische Internetquellen). Eine weitere Verifizierung der Zahlen ist nicht möglich.

[6] Grundriss bei Anghel (1973) und im Internet: www.burgenwelt.de.

[7] Vgl. Nussbächer: Aus Urkunden, S. 42.

[8] Siebenbürgen in Wort und Bild, S. 374.

Zitation

Thomas Schares: Törzburg/Bran. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2012. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/54440.html (Stand 28.10.2015).

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OME-Redaktion (Stand: 25.04.2018)