OME-Lexikon

Walachei

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Walachei

Anderssprachige Bezeichnungen in ihrer historischen Entwicklung

Für die Walachei gibt es unterschiedliche Bezeichnungen, die zugleich auch für verschiedene historische Entwicklungsphasen stehen. Eine der ersten war der ungarische Terminus Havaselve (Terra Transalpina, später war Havasalföld gebräuchlich), der sich insbesondere auf den östlichen Teil der Walachei (Muntenia, s. u.) bezog. Als Bezeichnung für das gesamte Gebiet kam im 14. Jahrhundert die Bezeichnung Ungrovlahia oder Ungrovalachia auf, die sich in griechischen Quellen des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel fanden. Damit wollte man in Konstantinopel die sich in der Nähe Ungarns befindende Vlahia von anderen ebenfalls als Vlahia bekannten Gebieten in Südosteuropa unterscheiden. In bulgarischen und serbischen Quellen hieß das Gebiet nördlich der Donau Vlaško und Vlaška. Die rumänische Bezeichnung lautete Ţara Românească. Im Osmanischen Reich war die Bezeichnung Eflak bekannt.

Etymologie

Die Bezeichnung "Walachei" kommt ursprünglich aus dem germanischen Sprachraum. Er findet sich vom Nordwesten (Walcheren an der Nordsee) über Bayern (Walchensee) und Serbien (Vlaška) bis in den Südosten Europas und geht auf die zu bestimmten Zeiten dort siedelnde bzw. transhumierende romanischsprachige Bevölkerung zurück, die vorrangig Viehzucht betrieb.

2. Geographie

Lage der Region

Die Walachei wird von den Süd-, einem kurzen Stück der Westkarpaten und der Donau fast vollständig umrahmt. Im Nordosten bilden die Flüsse Milcov und Sereth (rum. Siret) die Grenze zur Moldau. Im Norden und Nordwesten stellen die Karpaten die Grenze nach Siebenbürgen und zum Banat dar. Die Donau bildet im Osten die Abgrenzung zur Dobrudscha, im Süden zu Bulgarien und im Westen zu Serbien.

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Die Walachei bildet den Südteil Rumäniens, wobei die Unterteilung in Muntenia (Muntenien, Große Walachei) und Oltenia (Oltenien, Kleine Walachei) gebräuchlich ist. Muntenia, im Osten in Ost-West-Richtung sich von der Donau bis zum Fluss Alt (rum. Olt) erstreckend, bildet den größeren Teil. Untergliedert ist die Region in 13 Verwaltungseinheiten (Kreise/judeţe) einschließlich der Hauptstadt Bukarest/Bucureşti. Im Westen schließt Oltenia mit sechs Kreisen und Krajowa/Craiova als wichtigster Stadt an. Historische Bezeichnungen für Oltenia waren auch: "Banat", "Banat von Severin", "Banat von Krajowa", "Valachia Cis-Alutana" oder "Valachia Caesarea".

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Im Zentrum der sich im Laufe der Zeit verändernden Flaggen der Walachei befindet sich konstant der Adler. Neben einem silbernen Adler mit einem Kreuz im Schnabel auf goldenem Grund fand sich auch ein goldener Adler auf blauem Untergrund mitsamt goldenem Kreuz, goldener Sonne und goldenem Sichelmond. Auf Wappen fand sich in der Zeit des Fürstentums auch folgende Variante: Vor blauem Untergrund steht ein schwarzer Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf einem entwurzelten Laubbaum, hält im Schnabel ein goldenes Kreuz und ist von goldener Sonne und silberner Mondsichel umrahmt. Auf dem Schildrand thront eine Krone.

Frühzeit

Ursprünglich war die Walachei nicht als eigenständige Region fassbar. Nach einer kurzen Phase dakischer Herrschaft unter König Burebista im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde der westliche Teil des Gebietes der römischen Provinz Dacia und ein kleiner Teil der Provinz Moesia inferior eingegliedert und war über eineinhalb Jahrhunderte lang Teil des römischen Reiches. Der Osten des Gebietes war insbesondere ab dem 2. Jahrhundert Durchzugsgebiet und Einfallstor ins byzantinische Reich für verschiedene Völker, darunter Goten, Hunnen, Gepiden, Awaren, Slawen. In dem multiethnischen Raum schälte sich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert die romanischsprachige Bevölkerung der Vlachen (Walachen, Rumänen) heraus.

Mittelalter und Entstehung des Fürstentums

Nach der Auflösung der römischen Herrschaft nördlich der Donau und noch während der Periode der Völkerwanderung begann sich im 5. und 6. Jahrhundert der byzantinische Einfluss auf dem Gebiet der späteren Walachei auszubreiten. Ende des 7. Jahrhunderts übernahm das Erste Bulgarische Reich die Herrschaft in der Region. Nach dessen Untergang im 10. Jahrhundert übten noch Petschenegen und Kumanen Macht aus. Ab dem 12. Jahrhundert trat ein weiterer Akteur auf den Plan: Das ungarische Königreich trachtete danach – ähnlich wie in der Region der späteren Moldau –, südlich der Karpaten Handelsrouten zu erschließen und Grenzmarken aufzubauen. Nach dem Mongolensturm 1241/42 geriet das Gebiet unter die Herrschaft der krimtatarischen Goldenen Horde. Unter deren Oberhoheit entwickelten sich kleinräumige Herrschaften (Knezate, Woiwodate), die in Quellen bereits seit dem 10. Jahrhundert erwähnt werden. Mit dem Niedergang der Macht der Tataren trachtete Ungarn erneut danach, seiner noch bestehenden bloß formellen Oberhoheit mehr Gewicht zu verleihen. Ein militärisches Vorgehen gegen den die ungarische Oberhoheit nicht anerkennenden Woiwoden Basarab scheiterte. Dessen Sieg über das ungarische Heer unter Karl I. Robert von Anjou (1330) wird von der Forschung als die Geburtsstunde des Fürstentums der Walachei angesehen. Die ersten Herrschaftssitze befanden sich in den südlichen Vorkarpaten in den Orten Langenau/Câmpulung und Argisch/Curtea de Argeş. Vom 15.–17. Jahrhundert war Tergowisch/Târgovişte, ebenfalls in den Ausläufern der Südkarpaten gelegen, Hauptstadt; ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Bukarest Zentrum des Fürstentums.

Das Fürstentum der Walachei

Die Herausbildung einer eigenen Staatlichkeit zwischen Karpaten und Donau war aufgrund der Schwäche der benachbarten Mächte möglich geworden. Der Bestand des Fürstentums konnte, ähnlich wie im Fall der Moldau, durch eine kluge Schaukelpolitik der Woiwoden gesichert werden, zunächst zwischen Tataren, Ungarn und Bulgaren. Transithandelswege von Siebenbürgen an die Donau gewährleisteten Einkünfte. Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts machte sich der Einfluss des Osmanischen Reiches bemerkbar, unter dessen Oberhoheit das Fürstentum zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert geriet. Die Donauhäfen Großnikopel/Turnu Măgurele, Giurgiu und Braila/Brăila wurden der direkten osmanischen Administration unterstellt. Die restliche Walachei war tributpflichtig und musste Heeresfolge leisten, verwaltete sich aber in inneren Angelegenheiten autonom und wurde formell nicht in das Osmanische Reich integriert. Die Lage war aber keineswegs komfortabel, lag doch die Walachei als Puffer hin zu den osmanenfeindlichen christlichen Mächten. Dies bedingte ein häufiges Eingreifen der Hohen Pforte in die inneren Angelegenheiten nördlich der Donau. Ihren Einfluss machte sie auch dadurch geltend, indem sie häufig Woiwoden ernannte und absetzte.

Bevölkerungsstruktur und die Anfänge deutscher Siedlungen in der Walachei

Noch deutlicher als im Fürstentum Moldau stellte in der Walachei die griechisch-orthodoxe rumänischsprachige Bevölkerung die absolute Mehrheit der Einwohner. Schätzungen ab dem 17. Jahrhundert gingen von einer lediglich geringen Bevölkerungsdichte aus: eine halbe Million im 17., höchstens eine Million im 18. und zwei Millionen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die unsicheren politischen Verhältnisse führten zu einer hohen Mobilität der Bevölkerung und zu anhaltenden Veränderungen der Siedlungsstruktur. Fluchtbewegungen aus und in die Walachei kennzeichneten die Lage bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Wie in der Moldau konzentrierten sich deutsche Zuwanderer in der Walachei in städtischen Siedlungen. Dazu zählten insbesondere Langenau und Bukarest. Im 19. Jahrhundert lebten Deutsche u. a. in den Städten Braila, Krajowa, Ploieşti, Piteşti, Câmpina oder Râmnicu Vâlcea in nicht unbeträchtlicher Zahl, doch ist über ihre Geschichte noch kaum gearbeitet worden. Der Beginn der deutschen Geschichte und Kultur südlich der Karpaten hing ebenso wie der in der Moldau eng mit den Bemühungen des mittelalterlichen ungarischen Königreiches zusammen, seinen Einfluss- und seinen Herrschaftsbereich weiter auszudehnen. Erste Informationen über deutsche Siedler südlich der Karpaten gehen in das 13. Jahrhundert zurück. Auf dem Grabstein des Grafen Laurentius von Longo-Campo findet sich der früheste Hinweis für die Anwesenheit einer deutschen Bevölkerung in Langenau: "Hic sepultus est comes Laurencius de Longo-Campo, pie memorie, anno Domini MCCC."[1] In Bukarest sind noch vor dessen schriftlicher Erwähnung im Jahr 1459 aus Siebenbürgen eingewanderte Siedler um 1300 nachgewiesen. Es waren vornehmlich Händler, die das Gebiet vermutlich als Zwischenstation zwischen Ungarn, Polen, dem Schwarzen Meer und Konstantinopel nutzten. Insbesondere seit dem 16./17. Jahrhundert kamen noch weitere Personengruppen in die Walachei, die nicht nur im Handel, sondern auch im Handwerk, im Gastgewerbe, im Kreditwesen, in der Verwaltung und in der Kirche eine wichtige Rolle spielten. Darunter waren Griechen, Juden, Südslawen, Albaner, Armenier u. a. Von einer intensiven herrschaftlichen und administrativen Durchdringung des Gebietes zwischen Donau und Karpaten konnte jedoch keine Rede sein.

Das Fürstentum im 18. Jahrhundert

Die Herrschaftsverhältnisse blieben bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts unverändert. Erst der Einflussgewinn der Habsburgermonarchie und Russlands führte zu Veränderungen. Das Vordringen Wiens und der Rückzug des Osmanischen Reiches brachte in der Zeit zwischen 1716/18 und 1737/39 die Kleine Walachei (das Gebiet westlich des Flusses Alt) unter habsburgische Verwaltung. Zugleich band Konstantinopel das Fürstentum enger an sich, indem es zwischen 1715 und 1821 die Fürsten, die sogenannten "Phanarioten", selber einsetzte und damit stark in dessen innere Autonomie eingriff. Als weiterer Machtfaktor trat Russland auf den Plan, das das Osmanische Reich nach dem russisch-osmanischen Krieg (1768-1774) im Friedensvertrag von Küçük Kaynarca 1774 als Schutzmacht über die orthodoxen Gläubigen in seinem Zuständigkeitsbereich anerkennen musste. Damit erhielt St. Petersburg Einflussmöglichkeiten in der Walachei, auch wenn Konstantinopel seine Oberhoheit noch bis ins nächste Jahrhundert beibehielt. Ein weiterer Krieg zwischen Russland, der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich (1787–1792) zog die Walachei stark in Mitleidenschaft, zumal Kriegshandlungen auf dem Territorium des Fürstentums stattfanden.

Unruheherde in benachbarten Regionen zu Beginn des 18. Jahrhunderts führten dazu, dass die Walachei im 18. Jahrhundert erneut zum Zuzugsgebiet wurde. Um 1700 – Bukarest war inzwischen zur alleinigen Residenz des Fürstentums emporgestiegen - kamen neue deutschsprachige Einwanderer: zum einen aus Siebenbürgen, zum anderen aus der Bergbauregion Ciprovac in Bulgarien. Auf niederlassungswillige Siedler aus anderen Gegenden hingegen wirkte das Gebiet nicht anziehend, auch erschienen die Lebensumstände, so wie sich diese dem Reisenden und Beobachter im 18. und 19. Jahrhundert darboten, nicht vertrauenerweckend. Das Misstrauen gegenüber diesen fernen, jenseits der Habsburgermonarchie liegenden Gegenden schien in deutschen Landen verbreitet gewesen zu sein. Hierher kam man eher unfreiwillig, wie Beispiele aus Südhessen zeigen. Entweder man wurde "wegen Schulden" nach Serbien, wie es hieß, "verkauft", oder man musste sich wegen eines "aufruhrähnl[ichen] Delikt[s]" nach Slawonien absetzen. So weiß auch Franz Joseph Sulzer in seiner Geschichte des transalpinischen Daciens davon zu berichten, dass neben einigen wenigen Sachsen, die als Uhrmacher, Apotheker und Silberarbeiter in der Walachei tätig waren, daselbst auch folgende dazuzuzählen seien:

"eine Menge Schulden oder anderer Verbrechen halber entloffene Handwerksleute, und anderes liederliches Gesinde, zu denen sich auch die kaiserlichen Überläufer und die übrigen Deutschen von der evangelischen Religion gesellen."[2]

Nicht allein die Überfälle des Paschas von Widin, sondern auch die immer wieder ausbrechenden Pest- und Choleraepidemien veranlassten Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Einwohner der Walachei zur Emigration nach Siebenbürgen.

Ende des 17., Mitte des 18. Jahrhunderts begegnen wir ersten bekannten deutschen Namen in der Walachei, die zugleich Vertreter geistes- und naturwissenschaftlicher Berufe waren. Der aus Kronstadt/Braşov stammende Paul Benkner erteilte zunächst in Bukarest Unterricht, stand der evangelischen Gemeinde als Prediger vor und wurde 1742 als Sekretär des Fürsten Mihai Racoviţă tätig. Brecht von Brechtenberg, ein Pfarrerssohn aus Frankfurt an der Oder, kam als Arzt zunächst nach Siebenbürgen und wurde dann 1693 für einige Zeit Leibarzt des Fürsten Constantin Brâncoveanu. Von Bedeutung waren weiterhin der Bibliothekar des Fürsten Nicolai Mavrocordat, Stefan Bergler aus Kronstadt/Braşov, und der 1741 verstorbene, aus Brandenburg stammende Arzt Christian Maler.

Das Fürstentum im 19. Jahrhundert

Auch am Anfang des 19. Jahrhunderts stand ein russisch-osmanischer Krieg (1806–1812), der zum Teil auf walachischem Boden stattfand und einen weiteren Herrscherwechsel an der Spitze des Fürstentums bewirkte. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen 1821 im Zusammenhang mit dem Ausbruch des griechischen Unabhängigkeitskampfes – der Aufruhr durch die "Philike Hetairia" unter Alexandros Ipsilanti wurde in und bei Bukarest von osmanischen Truppen niedergeschlagen – brachten in der Walachei wie in der Moldau das Ende der landesfremden Herrscher, der "Phanarioten". Der durch die griechischen Unabhängigkeitsbestrebungen angefachte russisch-osmanische Krieg (1828–1829) führte zur zeitweisen militärischen Besetzung der beiden Fürstentümer durch russische Truppen; der Frieden von Adrianopel 1829 ließ Russland zur "Protektoratsmacht" der beiden Fürstentümer avancieren. Die Donauhäfen Großnikopel, Giurgiu und Braila gingen aus der Zuständigkeit des Osmanischen Reiches in die der Walachei über. Unter russischer Obhut erhielten die beiden Fürstentümer die ersten modernen Verfassungen, die sogenannten Reglements Organiques von 1831/32. Die machtpolitischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Orientalischen Frage betrafen auch die Walachei. So kam es im Kontext des Krimkrieges zu wechselnden russischen und österreichischen militärischen Besetzungen. Der Frieden von Paris 1856 stellte die Walachei wie die Moldau unter die Garantie der unterzeichnenden Mächte. Die Wahl von Alexandru Ioan Cuza zum Fürsten der Walachei am 5. Februar 1859, nachdem er bereits am 17. Januar zum Fürsten der Moldau gewählt worden war, führte zur Personalunion der beiden Fürstentümer. Dies war schließlich die Vorstufe zur staatlichen Unabhängigkeit unter dem Namen Rumänien, die auf dem Berliner Kongress 1878 erreicht wurde.

Die Zunahme deutscher Einwanderung

Trotz der Kriegswirren zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte das gesteigerte Interesse Preußens und der Habsburgermonarchie an der Entwicklung der Moldau und der Walachei – dies manifestierte sich auch in der Entsendung von Konsuln Ende des 18. Jahrhunderts – u. a. zu einer Zunahme von Auswanderungen von Handwerkern und Industriellen aus Siebenbürgen in die Walachei und in die Moldau. Privilegien garantierten, dass die Siedler steuer- und strafrechtlich nicht dem Fürsten der Walachei unterstanden, und insbesondere die Befreiung von der Besteuerung mag ein Grund für viele deutsche Siedler gewesen sein, sich in den Städten des Fürstentums niederzulassen und einem Gewerbe nachzugehen. Die Auswanderung vor allem aus Siebenbürgen muss dabei derart überhand genommen haben, dass sich das siebenbürgische Gubernium und die siebenbürgische Hofkanzlei 1796 dazu veranlasst sahen, die Ausstellung von Pässen einzuschränken. Auch Einwanderer aus Preußen und aus anderen Gebieten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ließen sich unter dem Schutz des österreichischen und preußischen Konsulats in Bukarest nieder. Im ausgehenden 18. Jahrhundert stellten deutsche Händler und Handwerker gemeinsam mit armenischen, jüdischen und griechischen Kaufleuten einen bedeutenden Faktor für den Aufschwung in Bukarest dar.

Neben Bukarest wurde auch in Krajowa, dem zentralen Ort der Kleinen Walachei, seit 1830 eine deutsche Bevölkerung in größerer Anzahl festgestellt. Die dortige sich etablierende evangelische Gemeinde hatte sich Mitte des 19. Jahrhunderts ebenso wie die Gemeinde in Bukarest der preußischen Landeskirche angeschlossen. Des Weiteren sind im 19. Jahrhundert noch in folgenden größeren Orten evangelische deutsche Gruppen auszumachen: Caracal, Corabia, Calafat, Verciorova, Gruia Patulele im Südwesten der Walachei. In Turnu-Severin siedelten sich Deutschsprachige wegen der dort seit den 1850er Jahren bestehenden Schiffswerft der österreichischen Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaften an. In den Ausläufern der Südkarpaten befinden sich weitere zentrale Orte mit deutschem Bevölkerungsanteil: Piteşti (hier gab es seit 1855 eine kleine evangelische Gemeinde), Tergowisch, Argisch, Langenau, Râmnicu Vâlcea und Târgu Jiu.

Insgesamt waren die Rahmenbedingungen für die deutsche Zuwanderung im 19. Jahrhundert günstig. Die Auswirkungen des Friedens von Adrianopel 1829 bedeuteten in der Walachei einen wirtschaftlichen und politischen Aufschwung. Für Letzteres war das Reglement Organique verantwortlich. Dieses bot Fremden eine gewisse Garantie für industrielle und gewerbliche Investitionen. Die Revolutionsjahre 1848/49 in der Habsburgermonarchie veranlassten erneut zahlreiche Siebenbürger Sachsen, unter ungarischem Druck in die Donaufürstentümer und besonders nach Bukarest zu fliehen.

Nach der Wahl Karls von Hohenzollern-Sigmaringen zum Fürsten der Walachei im Jahr 1866 und auch dank des Wirkens seiner Gattin Elisabeth, geborene Prinzessin von Wied, erlebten die deutsche Kultur und Geschichte in der Walachei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Blütezeit.

4. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Alexandru Ciocîltan: Colonizarea germană la sud de Carpați [Die Ansiedlung der Deutschen im Süden der Karpaten]. In Revista Istorică 2011, Nr. 5-6, S. 431-460.
  • Neagu Djuvara: Între Orient şi Occident. Ţările române la începutul epocii modern [Zwischen Orient und Okzident. Die rumänischen Länder am Beginn der Epoche der Moderne]. Bucureşti 1995.
  • Gustav Gündisch: Zur deutschen Vergangenheit von Câmpulung (Langenau). In: Ders.: Aus Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen. Ausgewählte Aufsätze und Berichte. Köln u. a. 1987 (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens 14).
  • Hans Petri: Zur Entstehung der Stadt Cîmpulung in Rumänien. In: Südostdeutsches Archiv 14 (1971), S. 47-56.
  • Hans-Christian Maner: Deutsche Spuren in der Geschichte Bukarests. Begegnung und Wirken zwischen Offenheit und Abkapselung. Notizen aus Reiseberichten und Erinnerungen. In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter 46/3 (1997), S. 245-255.
  • Daniel Ursprung: Die Walachei als historische Region – Schnittstelle europäischer Verflechtungen an der Peripherie. In: Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-Razvan Ungureanu (Hg.): Rumänien. Raum und Bevölkerung, Geschichte und Geschichtsbilder, Kultur, Gesellschaft und Politik heute, Wirtschaft, Recht und Verfassung, historische Regionen. Wien 2006 (Österreichische Osthefte 48.2006, Sonderband), S. 807-824. URL: http://www.daniel-ursprung.ch/pdf/walachei.pdf (Abruf 27.02.2013).
  • Ekkehard Völkl: Walachei. In: Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Wien u. a. 2004, S. 739-740.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Vgl. den Hinweis bei Alexandru Ciocîltan: Identitatea comunitǎţii germane din Câmpulung Muscel în secolele XIII-XVIII. In: Erasmus 13/2002. URL: http://erasmusisha.wordpress.com/2002/01/01/identitatea-comunitatii-germane-din-campulung-muscel-in-secolele-xiii-xviii/ (Abruf 27.02.2013.

[2] Franz Joseph Sulzer: Geschichte des transalpinischen Daciens, das ist der Walachey, Moldau, und Bessarabiens im Zusammenhange mit der Geschichte des übrigen Daciens, als ein Versuch einer allgemeinen dacischen Geschichte mit kritischer Freyheit entworfen. Bd. 2. Wien 1781, S. 112.

Zitation

Hans-Christian Maner: Walachei. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2013. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/54163.html (Stand 27.02.2013).

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