Dux/Duchcov

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Dux

Amtliche Bezeichnung

tschech. Duchcov

Anderssprachige Bezeichnungen in Quellen

Tokczaw, Doxau, Dukczaw, Duxaw, Tuchzaw u. ä.

Etymologie

Das Toponym „Duchcov“ oder „Dux“ deutet auf eine wasserreiche und/oder sumpfartige Landschaft hin. Ähnliche Toponyme in Böhmen sind Doxan/Doksany und Hirschberg/Doksy. Die erstmals 1240 erwähnte Namensvariante „Tockczaw“ ist alttschechisch. 

2. Geographie

Lage

Dux liegt im nordböhmischen Becken unterhalb des Erzgebirges ca. zehn km südwestlich von Teplitz-Schönau/Teplice-Šanov, ca. zehn km nördlich von Bilin/Bílina und sechs km östlich von Ossegg/Osek. Nach Prag/Praha sind es etwa 100 km, die Staatsgrenze zu Sachsen befindet sich auf dem Kamm des Erzgebirges weniger als 20 km vom Stadtkern entfernt.

Topographie

Die Stadt liegt in der Aussiger Region (tschech. Ústecký kraj) an der Bahnstrecke zwischen Brüx/Most und Aussig/Ústí nad Labem. Die Umgebung von Dux wurde durch intensiven Braunkohleabbau stark geschädigt. Am südlichen und nordöstlichen Rand der Stadt hat der Tagebau die ursprüngliche Kulturlandschaft zerstört und in der Regel eine Art „Mondlandschaft“ hinterlassen, die schleppend rekultiviert wird. Manche Gruben werden geflutet und zu (Bade-)Seen und Wasserreservoirs umfunktioniert.

Region

Region Aussig (tschech. Ústecký kraj)

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

In der Bestätigung der Stadtprivilegien durch den böhmischen König Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad) aus dem Jahr 1460 wurde den Bürgern das Stadtwappen verliehen.

Vor insgesamt fünf senkrechten Streifen (drei roten und zwei schwarzen) befindet sich ein weißer böhmischer Löwe mit zwei gekreuzten Schwänzen sowie mit goldenen Krallen, goldener Krone und ausgestreckter Zunge in Gold.

Von diesem Wappen wurde auch die heute gebräuchliche Stadtfahne abgeleitet.

Vor- und Frühgeschichte

Das Gebiet um Dux wurde schon im Neolithikum besiedelt. Archäologische Funde belegen den Wechsel von neolithischen Kulturen zu Kulturen der Bronzezeit bis zur Keltenbesiedlung. Dies wurde durch zwei archäologische Funde von europäischer Bedeutung dokumentiert: 1882 wurde der sog. Duxer Schatz, ein Kessel aus Bronze mit über 3.000 Gegenständen, ausgegraben, kurz danach wurde eine große Begräbnisstätte mit über 120 untersuchten Gräbern entdeckt. Nach der Besiedlung durch germanische Stämme kamen im Zuge der Völkerwanderung ab dem 6. Jahrhundert slawische Stämme in das heutige Stadtgebiet. 

Mittelalter

Dux gehörte dem nordböhmischen Adelsgeschlecht der Hrabischitz, den Ahnen der späteren Herren von Ossegg und Riesenburg, die die Ortschaft in der Regierungszeit des böhmischen Königs Přemysl Ottokar I. Anfang des 13. Jahrhunderts zur Marktsiedlung, wohl mit dem Namen Hrabišín, ausbauten. Während des 14. Jahrhunderts entwickelte sich die Marktsiedlung zum ökonomischen und kulturellen Zentrum der Herrschaft der Herren von Ossegg und Riesenburg, woran das örtliche Kloster großen Anteil hatte. Ende des 14. Jahrhunderts erhielten die Markgrafen von Meißen Dux, 1421 und 1425 eroberten Hussiten die Stadt, wobei die Siedlung stark beschädigt wurde. Dux konnte sich nach den Hussitenkriegen dennoch rasch erholen.

Neuzeit

Ab 1530 gehörten Stadt und Umgebung der böhmischen Adelsfamilie Lobkowitz. Trotz der geographischen Nähe und der Kontakte zum evangelischen Sachsen blieb Dux katholisch. Der Bergbau (im nahen Erzgebirge) trug dazu bei, dass die Stadt eine Blüte erlebte. In der Umgebung wurde ein System von Teichen angelegt, die städtische Infrastruktur wurde ausgebaut. Die konfessionellen Auseinandersetzungen, die letztlich zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führten, nahmen ihren Anfang in der benachbarten Gemeinde Klostergrab/Hrob, als dort 1617 die neugebaute evangelische Kirche auf Befehl des Prager Erzbischofs zerstört wurde. Im 30 Jahre andauernden Religionskrieg blieb Dux katholisch und kaisertreu, doch durch ihre geographische Lage determiniert wurde die Stadt öfters zum Einquartierungsort der kaiserlichen Armeen oder aber zur Beute der aus Sachsen eindringenden Truppen. 1634 wurde Dux von schwedischen Truppen in Brand gesetzt, die Blütezeit fand in den Kriegswirren ihr Ende. Nachdem der letzte Eigentümer von Dux aus der Familie Lobkowitz kinderlos verstorben war, heiratete seine Witwe Maximilian von Waldstein. Ihr Sohn, Johann Friedrich von Waldstein (1642–1694), wurde zunächst als Königgrätzer Bischof, später Prager Erzbischof, eine einflussreiche Persönlichkeit und verhalf Dux wieder zu Glanz und Aufschwung. Er renovierte das von den Lobkowitzern erbaute Renaissanceschloss und ließ eine Brauerei errichten. Weitere Baumaßnahmen wurden nach dem verheerenden Brand von 1709 durchgeführt und verwandelten das Schloss und die Stadt im Stil des Barock (Marienkirche, St. Barbara-Kirche, Mariä Himmelfahrt Kirche, Dreifaltigkeitssäule). Das Schloss wurde nochmals im klassizistischen Stil umgebaut, die Gemäldegalerie der Waldsteins lockte zahlreiche Besucher an.

Die Waldsteins beförderten auch die Industrialisierung des Ortes, in den 1760er Jahren entstand eine Strumpfmanufaktur, die bis zur Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren produzierte. 1763 wurde der erste Braunkohleschacht eröffnet. Die Waldsteins verstanden es, von dem nahegelegenen, bei der Aristokratie beliebten Kurort Teplitz zu profitieren. Mehrere Persönlichkeiten des damaligen politischen und kulturellen Lebens besuchten das Schloss in Dux. Unter ihnen waren Friedrich Schiller (1759–1805), Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Ludwig van Beethoven (1770–1827) und Frédéric Chopin (1810–1849), der dem Schlossherrn Ferdinand Ernst von Waldstein eine Sonate widmete. Von 1785 bis zu seinem Tod 1798 kümmerte sich um die Schlossbibliothek der italienische Aufklärer, Literat und Abenteurer Giacomo Girolamo Casanova (1725–1798). Hier schrieb er seine bekannten Memoiren "Histoire de ma vie". 1813 trafen in Schloss Dux der russische Zar Alexander I. (1777–1825), König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840) und Kaiser Franz I. von Österreich (1768–1835) zusammen; auch der österreichische Feldherr Joseph Wenzel Graf Radetzky von Radetz (1766–1858) übernachtete hier. Die Schlacht bei Kulm/Chlumec in der Nähe der Stadt war Ursache dafür, dass Dux als Truppenquartier genutzt wurde und die Bürger Verlust und Zerstörung ihres Eigentums erlitten.

19. Jahrhundert

Die fortschreitende Industrialisierung veränderte sowohl die Stadtstruktur als auch deren Umgebung. Aus einer Agrar- wurde eine Industrielandschaft mit intensivem Kohleabbau. 1849 wurde am damaligen Stadtrand eine Zuckerfabrik eröffnet, im gleichen Jahr kam eine Glasfabrik hinzu. Später wurden noch eine Porzellanfabrik, Ziegeleien, Kalkwerke und eine Gießerei gebaut. 1866/67 wurde die Stadt mit dem Ausbau der bereits vorhandenen Teplitz-Aussiger Eisenbahn an das moderne Verkehrsnetz angeschlossen, das direkte Zugverbindungen nicht nur innerhalb des nordböhmischen Kohlereviers (Komotau/Chomutov, Brüx, Teplitz, Aussig), sondern bis nach Reichenberg/Liberec, Prag, Dresden und Eger/Cheb gewährleistete.  

Der Bedarf an Arbeitskräften für die Fabriken, der fortschreitende Kohleabbau, die Eisenbahn und andere Dienstleistungen sorgten dafür, dass die Bevölkerung wuchs. Zudem kamen Arbeiter und neue Bewohner aus dem tschechischsprachigen Umland hinzu, sodass die ehemals deutschsprachige Stadt nach und nach zu einem wichtigen Zentrum der Arbeiterkultur und der tschechischen Minderheit in der Region wurde. Ein erster national indifferenter Arbeiterverein entstand in Dux 1871 mit dem Ziel, die Arbeiterfamilien aufzuklären und zu ihrer Bildung beizutragen. 1875 übernahm diese Ziele erfolgreich ein zweisprachiger Bergbauverein (tschech. Hornický spolek). 1896 wurde als Antipode der früher gegründeten nationalen Turnvereine (deutscher Turnverein 1862 und tschechischer Turnverein Sokol 1883) der Arbeiterturnverein (tschech. Dělnický tělocvičný spolek) gegründet. Das nationale Auseinanderdriften der Stadtgesellschaft belegen weitere Vereinsgründungen. Besonders aktiv waren der Deutsche Schulverein (1882) und der tschechische Zentralschulverein (Ústřední matice školská, 1883). Ein Jahr früher wurde in Dux, als erste tschechische Schule in Nordböhmen überhaupt, eine vom tschechischen Schulverein finanzierte Volksschule mit drei Klassen und sechs Lehrern, eröffnet. In Dux existierten weiterhin zwei Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache, 1875 wurde die 1869 in Karbitz/Chabařovice bei Aussig gegründete Bergfachschule nach Dux verlegt, 1877 eine Gewerbeschule errichtet. 1892 kam eine Bürgerschule für Knaben hinzu und schließlich wurde 1910 das Duxer Gymnasium eröffnet. Die nationalen und politischen Spannungen der damaligen Zeit schlugen sich insbesondere in der Bildungs- und Schulgeschichte nieder.

Zeitgeschichte

Von 1853 bis 1960 war Dux Kreishauptstadt. Als solche wurde sie nicht nur Verwaltungssitz, sondern ein wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. 1896 entstand das Stadtmuseum, das mit dem deutschliberalen Reichstagsabgeordneten und Historiker Dr. Hermann Hallwich (1838–1913) verbunden war. Hallwich vertrat die These, dass Dux der Geburtsort des mittelalterlichen Minnesängers Walther von der Vogelweide (um 1170 – um 1230) sei. Obwohl dies unbewiesen war und dementsprechend umstritten ist, wurde dem vermeintlichen berühmten Sohn der Stadt 1911 in Dux ein Denkmal errichtet. Auch weitere zu dieser Zeit aufgestellte Denkmäler sollten den öffentlichen Raum besetzen und Dux als traditionsreiche, von deutscher Kultur geprägte Stadt präsentieren. Der Zerfall Österreich-Ungarns und die Gründung der tschechoslowakischen Republik fanden dagegen besonders bei der tschechischsprachigen Bevölkerung euphorischen Widerhall. Am 3. Dezember 1918 wurde die Stadt vom tschechischen Militär besetzt, wobei die Truppen wieder im Schloss einquartiert wurden.

In der Zwischenkriegszeit konnte sich die tschechische Minderheit kulturell, politisch und wirtschaftlich rasch entwickeln. In Dux wurde z. B. 1919 das erste tschechischsprachige Gymnasium Nordböhmens in einem modernen Neorenaissancegebäude eröffnet.

Die ersten Kommunalwahlen in der Tschechoslowakei gewann in Dux der Block der deutschen Parteien (20 Mandate), die tschechischen Parteien, die allerdings selbständig kandidierten, erreichten vier Mandate weniger. Bürgermeister wurde Adolf Hartig von der DNSAP (Deutsche National-Sozialistische Arbeiterpartei), der das Amt bis 1933 innehielt. Die in der Tschechoslowakei tätige DNSAP wurde nach der Spaltung der ursprünglich in der Monarchie gegründeten gleichnamigen Partei nach dem Ersten Weltkrieg in Dux 1919 wiederbelebt. Als sie 1933 als staatsfeindlich aufgelöst wurde, wählte man den Kandidaten der deutschen Sozialdemokratischen Partei Karl Schlein zum Bürgermeister. Die letzten Kommunalwahlen vor dem Münchner Abkommen und der Zerschlagung der tschechoslowakischen Republik im Juni 1938 gewann die Sudetendeutsche Partei (SdP) Konrad Henleins (1898–1945). Es gelang der Koalition von tschechischer und deutscher Sozialdemokratie und Kommunisten jedoch, den bestehenden Bürgermeister noch im Amt zu bestätigen. Erst mit dem Einmarsch der Wehrmacht (9. Oktober 1938) übernahmen Vertreter der SdP die Stadtverwaltung. Viele deutsche und tschechische Antifaschisten hatten die Stadt bereits verlassen.

Neben den politischen Auseinandersetzungen waren die sozialen Probleme nach dem Ersten Weltkrieg und in der Zeit der Weltwirtschaftskrise in Dux gravierend. Am 4. Februar 1931 kam es zu einer Demonstration von ca. 400 Arbeitern gegen Arbeitslosigkeit und Lohnsenkungen. Die Demonstranten wurden von 12 Gendarmen daran gehindert, in die Stadt vorzudringen. Die Lage eskalierte, wobei die Gendarmerie in die Menge schoss und vier Demonstranten tötete. Die Ereignisse gingen in die Geschichte ein, weil es sich um die erste Demonstration überhaupt im Kontext der Weltwirtschaftskrise handelte, bei der Menschenopfer zu beklagen waren. Sympathien für die Opfer zeigten öffentlich nicht nur linke Intellektuelle. Das Ereignis wurde in der kommunistischen Tschechoslowakei (1948–1989) propagandistisch missbraucht.

Die Zwangsumsiedlung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte die Bevölkerungsstruktur der Stadt. Allerdings war der Bevölkerungsverlust nicht so dramatisch wie in anderen Regionen der Nachkriegstschechoslowakei, weil bereits eine zahlenmäßig beträchtliche tschechische Bevölkerung ansässig war, wodurch eine gewisse Kontinuität erhalten werden konnte. Nicht nur die antideutsche Stimmung veränderte das Stadtbild, sondern vor allem der weiter intensivierte Kohletagebau, der bis an den Stadtrand vordrang. Dux als wichtiger Industrieort, mit bedeutender Glasfabrik, die das strategisch wichtige Dethermalglas erzeugte, blieb letztendlich erhalten, doch der Schlosspark und viele der Nachbardörfer wurden vernichtet. Nach 1960 verlor die Stadt nicht nur ihren Status als Verwaltungszentrum, sondern auch ihre kulturelle Ausstrahlung und wirtschaftliche Bedeutung. Außerdem wurde durch die Kohleförderung und -verbrennung in den nahegelegenen Kraftwerken die Umwelt in den 1970er und 80er Jahren stark verschmutzt. Die Zahl der Einwohner sank. Nachdem der Braunkohletagebau in den 1990er Jahren reduziert wurde, wartet die Stadt im Schatten der umliegenden Gemeinden Bilin, Ossegg und vor allem der Stadt Teplitz auf einen möglichen Aufschwung, der mit der Rekultivierung der Umgebung verbunden werden könnte.

Bevölkerung

Entwicklung der Bevölkerungszahl in Dux:[1]

1857 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1930 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011
2.470 4.076 8.854 12.284 16.661 18.050 18.324 19.089 12.002 12.449 12.210 10.554 8.931 8.780

8.487

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mehrheit der deutschen Bevölkerung aus der Stadt ausgesiedelt, was knapp die Hälfte der damaligen Einwohnerschaft ausmachte.

Wirtschaft

In der Stadt entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert sukzessive diverse Industriebetriebe, angefangen von der Textilindustrie, Glas- und Porzellanherstellung über Ziegeleien und Kalkwerke bis zu Schwerindustrie (Gießerei). Die größte Bedeutung hatten der Kohleabbau und damit zusammenhängende Betriebe, in der Stadtnähe vor allem das Kohlekraftwerk Ladowitz/Ledvice.

Religions- und Kirchengeschichte

Dux war und blieb ab dem Mittelalter überwiegend katholisch. Die evangelisch-lutherische Gemeinde mit ihren ca. 300 Mitgliedern hatte sich mit finanzieller Unterstützung des protestantischen Gustav-Adolf-Vereins aus dem Deutschen Reich erst 1902 eine eigene Kirche erbaut. Eine jüdische Minderheit von lediglich 82 Mitgliedern wurde erst in den 1880er Jahren verzeichnet. Nach 1900 entstand der letztlich nicht verwirklichte Plan zum Bau einer Synagoge. Die Duxer jüdische Glaubensgemeinschaft profitierte von der benachbarten großen Gemeinde in Teplitz. Auf dem Teplitzer jüdischen Friedhof wurden auch ihre Mitglieder bestattet. Während der NS-Besatzung wurde die unverändert kleine jüdische Gemeinde wie die anderen Juden in den vom Nationalsozialistischen Deutschen Reich besetzten Grenzgebieten der Tschechoslowakei zu Opfern des Holocaust.

Während des 20. Jahrhunderts sank die Anzahl der Gläubigen besonders unter den Arbeitern. Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 in der Tschechoslowakei und antikirchlichen Maßnahmen der damaligen Regierung sank die Zahl der Gläubigen noch rascher. Die große Mehrheit der heutigen Einwohner bekennt sich zu keiner Konfession.   

Besondere kulturelle Institutionen

1896 wurde das Stadtmuseum errichtet. In den 1980er Jahren wurde es aufgelöst, 1994 wieder ins Leben gerufen. Eine ständige kleine Ausstellung zur Stadtgeschichte wurde 2001 eröffnet. 

1928/29 wurde ein Kino gebaut, das bis heute in Betrieb ist.

Bildung und Wissenschaft

Dux wurde während des 19. Jahrhunderts eine wichtige Bildungsstätte, neben den deutschen und tschechischen Volksschulen gab es auch weiterführende Schulen und Fachschulen für verschiedene Industriezweige. Heute existieren neben mehreren Grundschulen ein Gymnasium und eine Berufsschule.  

Kunstgeschichte

Das Duxer Schloss prägte und prägt das Stadtbild und wurde zum Zentrum des kulturellen Lebens. Die ursprüngliche Festung wurde von den Herren von Lobkowitz um die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Renaissanceschloss umgebaut. Spätere Veränderungen barockisierten den Gebäudekomplex. Die letzten Baumaßnahmen im klassizistischen Stil veränderten nach den napoleonischen Kriegen nur die äußeren Fassaden. Der Barockgarten mit zahlreichen Skulpturen wurde im 19. Jahrhundert zu einem englischen Garten umgestaltet, heute ist er durch den Kohletagebau größtenteils vernichtet. Ein Pavillon im Park beherbergt das barocke Freskenbild von Wenzel Lorenz Reiner (1689–1743), das ursprünglich das barocke Spital zierte. 1818 eröffnete der damalige Besitzer Franz Adam von Waldstein in den neu restaurierten und im klassizistischen Stil umgebauten Seitenflügeln des Schlosses die Duxer Gemäldegalerie. Diese wurde in den letzten Jahren nach den dem Stand von 1823 rekonstruiert, mit Bildern ausgestattet und dann 2020, zunächst virtuell, wieder eröffnet.

Den Stadtplatz schmückt der 1728 von Johann Ignaz Popel fertiggestellte Brunnen des Heiligen Florian und die 1760 geschaffene Pestsäule der hl. Dreifaltigkeit des Bildhauers Mathias Kühnel. Die Kirche Mariä Verkündigung, ebenfalls im Barockstil des 18. Jahrhunderts erbaut, brannte am Ende des Zweiten Weltkriegs aus. Sie befindet sich, obwohl zentral gelegen, heute in renovierungsbedürftigem Zustand.

Publizistik

Von 1886 bis 1939 erschien die deutschsprachige Duxer Zeitung: Organ für Dux, Klostergrab Ossegg und Umgebung.

Gedächtnis- und Erinnerungskultur

Der in Dux verstorbene Abenteurer Giacomo Girolamo Casanova ist wohl die schillerndste Gestalt der Stadtgeschichte, die heute als Touristenmagnet genutzt wird. Seit 1994 werden alljährlich im Juni auf dem Schloss die sog. Casanova-Festspiele (tschech. Casanovské slavnosti) veranstaltet. Das 1945 abgetragene Denkmal des Minnesängers Walther von der Vogelweide wurde 1991 wieder aufgestellt. In der Stadt wird mit Gedenktafeln an mehrere hier geborene Persönlichkeiten erinnert. Zu diesen gehören der Komponist Franz Xaver Partsch (1760–1822), Lehrer von Bedřich Smetana, der Historienmaler Heinrich Bank (1834–1924) und der Theater- und Filmschauspieler Egon von Jordan (1902–1978).

4. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Alena Míšková: Od Schönerera ke genocidě? – Von Schönerer zum Genozid? In: Petr Křížek, Anton Otte (Hrsg.): Židé v Sudetech – Die Juden im Sudetenland. Praha 2000, S. 47–86.
  • Jan Smetana: Dux. In: Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miroslav Polívka (Hg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren. Stuttgart 1998 (Kröners Taschenausgabe 329), S. 118f.
  • Jiří Wolf und andere: Duchcov. Historie / Kultura / Lidé [Geschichte / Kultur / Menschen]. Praha 2013 (Dějiny českých měst) [Geschichte der tschechischen Städte].
  • František Veselý: Národnostní poměry na Duchcovsku [Die nationalen Verhältnisse in Dux]. In: Vývoj a život českých menšin. Část 5. Duchcovsko [Entwicklung und Leben der tschechischen Minderheiten. Teil 5. Dux]. Most 1908.
  • Zdeněk Hojda, Jiří Pokorný: Císařský svatý, nibelungové v Čechách a Minnesänger z Duchcova [Der kaiserliche Heilige, die Nibelungen in Böhmen und der Minnesänger von Dux]. In: Zdeněk Hojda, Jiří Pokorný: Pomníky a zapomníky [Denkmäler und Vergessenes]. Praha 1996, S. 134–149.
  • Tomáš Velimský: Hrabišici. Páni z Rýzmburka [Die Hrabischitzer. Die Herren von Riesenburg]. Praha 2002.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Zahlen nach: Historický Lexikon obcí České republiky 1869–2005 (1. díl) [Historisches Lexikon der Gemeinden der Tschechischen Reöublik 1869–2005 1. Teil)], S. 410, Praha 2006; und: Statistický lexikon obcí České republiky 2013 [Statistický lexikon obcí České republiky 2013], Praha 2013, S. 314. Allerdings gibt es in der tschechischsprachigen Stadtgeschichte von 2013 andere Angaben.

Zitation

Mirek Němec: Dux/Duchcov. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2021. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32280 (Stand 30.07.2021).

Nutzungsbedingungen für diesen Artikel

Copyright © Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk entstand im Rahmen des Projekts „Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ und darf vervielfältigt und veröffentlicht werden, sofern die Einwilligung der Rechteinhaber vorliegt. Bitte kontaktieren Sie:

Wenn Sie fachliche Hinweise oder Ergänzungen zum Text haben, wenden Sie sich bitte unter Angabe von Literatur- und Quellenbelegen an die Redaktion.

(Stand: 20.04.2022)