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Belgrad/Beograd

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Belgrad

Amtliche Bezeichnung

serb. Beograd

Anderssprachige Bezeichnungen

engl./franz. Belgrade; griech. Alba Graeca; ungar. Nándorfehérvár; russ., rum. Belgrad; lat. Singidunum

Etymologie

Der Name „Beograd“ leitet sich von serbisch beo (= weiß) und grad (= Stadt) ab.

2. Geographie

Lage

Belgrad liegt heute in Zentralserbien auf 44° 49ˈ nördlicher Breite und 20° 28ˈ östlicher Länge.

Topographie

Belgrad befindet sich am Zusammenfluss von Save (serb. Sava) und Donau (serb. Dunav). Am rechten Ufer der Save ist das Relief hügelig. Die Altstadt (serb. Stari Grad) liegt auf einem Ausläufer der Hügel- und Waldlandschaft der Šumadija. Die höchste Erhebung der Stadt ist der Torlak mit 303 m. ü. M. – die Erhebungen Avala (511 m. ü. M.) und Kosmaj (628 m. ü. M.) liegen bereits außerhalb des Belgrader Stadtgebiets. Am linken Ufer von Donau und Save erstreckt sich der südöstliche Rand der Pannonischen Tiefebene. Hier ist die Landschaft flach und wird zum Anbau von Getreide und Feldfrüchten genutzt.

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Belgrad ist die Hauptstadt der Republik Serbien. Sie gehört zum Bezirk Belgrad (serb. Okrug Beograd), der über einen Sonderverwaltungsstatus innerhalb Serbiens verfügt.

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Das erste erwähnte Wappen Belgrads, dessen Aussehen heute unbekannt ist, stammt aus der Herrschaftszeit des Despoten Stefan Lazarević (1377–1427, reg. ab 1389). Auch während der spätmittelalterlichen ungarischen und der kurzen österreichischen Herrschaft im 18. Jahrhundert verfügte Belgrad über ein Wappen, während unter den Osmanen diese Symbolik nicht geläufig war.

Das heutige Belgrader Stadtwappen geht auf einen Wettbewerb zurück, den der Belgrader Bürgermeister Milan Nešić (Amtszeit: 1930–1932) 1931 zu dessen Neugestaltung lancierte. Das Wappen sollte die Form eines in einer Spitze endenden Schildes haben und die Landesfarben, den Fluss, eine römische Triere und die  Festung abbilden. Der Boden sollte – als Zeichen für das Leiden und das Blut, das vergossen wurde − rot sein, die Festung – die „weiße Stadt“ symbolisierend − weiss und der Himmel blau – als hoffnungsvolles Symbol für eine bessere Zukunft. Der Gewinner-Entwurf stammt von dem Belgrader Maler Đorđe Andrejević-Kun (1904−1964).[1]

Beinamen

Belgrad wird auch als „Tor zum Balkan“ oder wegen der weißen Mauern der Belgrader Festung als „weiße Stadt“ bezeichnet.

Vor- und Frühgeschichte

Die Gegend am Zusammenfluss von Save und Donau war schon während des Paläolithikums bewohnt, wie archäologische Funde von Schädeln und Knochen nahe Leštane und des Bajloni-Marktes belegen. Der Belgrader Vorort Vinča, einst eine bronzezeitliche Siedlung, ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Südosteuropas und Namensgeber für die neolithische Vinča-Kultur.

Die Gründung von Singidun (dt.: runde Festung) um 279 v. Chr. wird dem keltischen Stamm der Skordisker oder Singer zugeschrieben. Im ersten Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt von den Römern eingenommen, die den Ortsnamen latinisierten (Singidunum). Singidunum verblieb für die nächsten vier Jahrhunderte unter römischer Herrschaft. Durch die Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 n. Chr. wurde Singidunum schließlich Teil des Byzantinischen Reiches. Während der Völkerwanderung eroberten und zerstörten „barbarische“ Stämme, so zum Beispiel die Hunnen, Sarmaten, Ostgoten und Awaren, die Stadt.

Mittelalter

Im 7. Jahrhundert siedelten sich die ersten Slawen im Raum Belgrad an.

In den folgenden Jahrhunderten kämpften verschiedene Eroberer um die Herrschaft über die Stadt an der Pforte zum Balkan. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert wechselten sich Byzanz, das Bulgarische Reich und das Königreich Ungarn wiederholt als Herrscher über die Stadt ab. Als Ungarn die Verwaltung Belgrads im Jahr 1284 König Dragutin (1252–1316) überließ, stand die Stadt zum ersten Mal unter serbischer Herrschaft. Unter der Regentschaft des Despoten Stefan Lazarević erlebte Belgrad nicht nur eine kulturelle Blütezeit (u. a. Bau der Metropolitenkirche, einer neuen Zitadelle, einer Bibliothek und eines Krankenhauses), es wurde 1403 auch zur Hauptstadt des serbischen Reiches erklärt.

Stefan Lazarevićs Nachfolger Đurađ Branković (1377–1456) verlor Belgrad 1427 an Ungarn. Während der fast hundertjährigen ungarischen Herrschaft veränderten sich die Bevölkerungsstruktur und das Stadtbild Belgrads grundlegend. König Sigismund (1368–1437) baute den Einfluss der katholischen Kirche aus und unterstützte die Niederlassung westlich-katholischer Siedler (vor allem Handwerker), die er für den massiven Ausbau der Befestigungsanlagen benötigte, um die Stadt gegen die Osmanen unter Sultan Murad II. (1404–1451) verteidigen zu können, die sie 1440 erfolglos belagerten. Europaweite Bekanntheit erlangte Belgrad im Juli 1456 während seiner Belagerung durch Sultan Mehmet II. (1432−1481), der nach der Eroberung Konstantinopels (1453) die wichtigste ungarische Grenzfestung einzunehmen plante. Dem ungarischen Reichsverweser Johann Hunyadi (1446−1456) gelang es, die militärischen Ressourcen Ungarns so in und um Belgrad zu konzentrieren, dass die Stadt der Belagerung durch den Sultan standhalten und Hunyadi den Osmanen vor den Toren Belgrads eine vernichtende Niederlage zufügen konnte.

Papst Kalixt III. (1378−1458) hatte im Juni 1456 das „Mittagsläuten“ für das gesamte christliche Abendland verfügt, das die Gläubigen zum Gebet für den Sieg der christlichen Verteidiger Belgrads rufen sollte. Der Sieg vor Belgrad wurde im christlichen Europa als Revanche für den Verlust Konstantinopels an die Osmanen gefeiert, das Mittagsläuten beibehalten. Erst am 28. August 1521 gelang es einem osmanischen Heer unter Sultan Süleyman I. (ca. 1495–1566), die Stadt einzunehmen.

Neuzeit

Die Eroberung Belgrads ermöglichte den Osmanen die weitere Expansion ihres Territoriums nach Norden. Belgrad wurde zum Hauptort des Sandschaks (Verwaltungsbezirks) Smederevo. Es diente als Versorgungsbasis und Janitscharengarnison. Ende des 17. Jahrhunderts suchte nicht nur die Pest Belgrad heim, auch der Krieg kehrte zurück. Nachdem die osmanische Belagerung Wiens 1683 gescheitert war, eroberten die Habsburger in einer Gegenoffensive Belgrad, das sie 1688 für zwei Jahre besetzten. Nach ihrer Rückkehr übten die Osmanen Vergeltung an der serbischen Bevölkerung, weil sie mit den Habsburgern kooperiert hatte, was eine Auswanderungswelle auf habsburgisches Gebiet zur Folge hatte. Dieses Ereignis ging als „Große Wanderung“ (serb. Velika Seoba) in die serbische Geschichte ein.

Im 18. Jahrhundert wurde Belgrad mehrmals zum Kriegsschauplatz zwischen Habsburgern und Osmanen. 1717 nahm eine kaiserliche Armee unter Prinz Eugen von Savoyen (1663−1736) Belgrad erneut ein. Von 1717 bis zur nächsten osmanischen Rückeroberung 1739 stand Belgrad wieder unter habsburgischer Herrschaft, was sich auf das Stadtbild und die Bevölkerungsstruktur auswirkte: „Die neuen Machthaber wiesen die muslimische Bevölkerung mit dem erklärten Ziel, möglichst viele Christen – insbesondere Katholiken – anzusiedeln, kurzerhand aus.“[2]

Nach ihrer Rückkehr zerstörten die Osmanen die meisten österreichischen Barockbauten und wandelten die Kirchen in Moscheen um. 1789 eroberte eine kaiserliche Armee Belgrad zum dritten Mal. Die österreichische Besetzung war dieses Mal allerdings nur von kurzer Dauer. Der Friedensvertrag von Sistowa (dt. veraltet: Swischtow) legte fest, dass Kaiser Leopold II. (1747−1792) Belgrad 1791 wieder an den Sultan abtreten musste. In der Folge zogen sich die Habsburger in das auf einer Halbinsel vor der Save-Donau-Mündung liegende Semlin/Zemun zurück.

Nach einem Massaker, das Janitscharen an serbischen Würdenträgern begingen, begehrte die serbische Bevölkerung Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die osmanische Herrschaft auf. Karađorđe („Schwarzer Georg“) Petrović (ca. 1760–1817) führte den ersten serbischen Aufstand (1804–1813) an. Im Januar 1806 gelang es den Rebellen, die „weiße Stadt“ einzunehmen, und sie erklärten sie zur Hauptstadt eines befreiten Serbiens.

Sultan Mahmud II. (1785−1839) bot Karađorđe das Autonomierecht an, was dieser jedoch ablehnte, worauf der Sultan einen weiteren Feldzug startete. 1813 eroberte er die Stadt zurück und leitete Repressalien gegen die Aufständischen ein. Karađorđe und ein Teil seiner Anhänger flohen über die Save. Dem Anführer des zweiten serbischen Aufstandes (1815–1817), Miloš Obrenović (1780–1860), gelang es nicht nur, die gesamte osmanische Provinz Belgrad (Paschalik Belgrad) einzunehmen, er handelte mit dem Sultan später auch ein Autonomieabkommen aus, das ihn zum Oberknezen machte.[3] Um seine Herrschaft zu sichern, ließ er seinen Konkurrenten Karađorđe 1817 töten. Unter Obrenovićs Herrschaft wurde versucht, Belgrad neu zu gestalten: Bedeutende Bauten wie der Palast der Fürstin Ljubica und der Schlosskomplex in Topčider wurden im Stil des sogenannten bürgerlichen Balkanhauses errichtet. Auch das kulturelle Leben begann sich weiterzuentwickeln: Neben Museen und Theatern erhielt Belgrad die erste serbische Nationalbibliothek und Nationalzeitung. Zahlreiche Künstler und Gelehrte wie zum Beispiel der Sprachwissenschaftler Vuk Stefanović Karađić (1787–1864) sowie der Schriftsteller und Poet Jovan Sterija Popović (1806–1856) prägten das intellektuelle Leben der Stadt.

1839, vier Jahre nach der Verabschiedung der ersten serbischen Verfassung, wurde Belgrad zur Hauptstadt des seit 1830 autonomen Fürstentums Serbiens erklärt, das noch bis 1878 unter der Oberhoheit des Sultans stand. Die staatlichen Einrichtungen blieben jedoch in Kragujevac (dt. veraltet: Kraggorewatz), da immer noch ein osmanisches Regiment in der Belgrader Festung Kalemegdan (von türk. kale [= Hügel] und megdan [= Kampf]) stationiert war.

Trotz der eingeleiteten Europäisierung war Belgrad zu dieser Zeit im Grunde noch eine orientalisch geprägte Stadt. Das Zusammenleben zwischen den serbischen und türkischen Bewohnern war spannungsgeladen. Diese Spannungen eskalierten 1862 aufgrund eines Streites um den Vortritt am Čukur-česma (dt. Schwefelbrunnen) im Stadtteil Dorčol, bei dem ein serbischer Knecht getötet wurde. In der Folge kam es zu Zusammenstößen und zur Bombardierung der von den Osmanen besetzten Festung.[4] Dieses Ereignis läutete das Ende des osmanischen Belgrad ein. 1867 verließen die Türken die Stadt endgültig. Fürst Mihailo Obrenović (1823–1868) erreichte ein Abkommen mit dem geschwächten Sultan, das den Abzug des türkischen Heeres vorsah. Am 19. April 1867 wurde der symbolische Stadtschlüssel an die Serben übergeben. Daraufhin verlegte die Regierung alle staatlichen Institutionen von Kragujevac nach Belgrad – jetzt die offizielle Hauptstadt des autonomen Fürstentums Serbien, das auf dem Berliner Kongress 1878 die Souveränität zugesprochen bekam. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Modernisierung Belgrads weiter vorangetrieben (Straßenpflaster, elektrische Straßenleuchten, Wasserwerk, Straßenbahn).[5]

Diese Entwicklung kam zum Stillstand, als Belgrad am 9. Oktober 1915 von den Mittelmächten eingenommen wurde. Am 1. November 1918 befreiten die serbische Armee und ihre Verbündeten die Stadt.

Belgrads Wachstum (Einwohnerzahlen) 1834–1910[6]

1834185918661874189019001910
7.03318.86024.76827.60554.24969.76989.876

Zeitgeschichte

Belgrad wurde die Hauptstadt des am 1. Dezember 1918 ausgerufenen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Laut dem Vertrag von Trianon von 1920 erhielt Serbien die zuvor zu Ungarn gehörenden Gebiete  nördlich der Save – unter anderem auch Semlin – zugesprochen. Belgrad war somit keine Grenzstadt mehr, sondern rückte von der Peripherie in die Mitte des Landes. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich die Hauptstadt Jugoslawiens (so der Staatsname ab 1929) zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum auf dem Balkan.

1941 unterzeichnete Prinzregent Pavle Karađorđević (1893–1976), der seit der Ermordung von König Aleksander Karađorđević (1888–1934) die Regierungsgeschäfte für den minderjährigen Thronfolger Petar Karađorđević (1923–1970) führte, ein Abkommen mit den Achsenmächten. Dies führte zu viel Unmut in der Bevölkerung. Eine Gruppe von serbischen Offizieren revoltierte und stürzte die Regierung. Adolf Hitler (1889–1945) ließ daraufhin am 6. April 1941 die deutsche Wehrmacht einmarschieren und Belgrad von der Luftwaffe bombardieren, wobei große Teile der Stadt zerstört wurden. Belgrad geriet unter deutsche Besatzung und wurde unter deutsche Militärverwaltung gestellt. Von den 10.000–12.000[7] in Belgrad lebenden Juden wurden etwa 9.000 im Winter 1941 in Lager deportiert und später ermordet,[8] unter anderem in den Konzentrationslagern in Banjica und in Staro Samjište (nahe Semlin). Im Frühjahr 1942 wurde Serbien für „judenfrei“ erklärt.

Am 20. Oktober 1944 konnte die jugoslawische „Volksbefreiungsarmee“ unter Josip Broz Tito (1892−1980) Belgrad einnehmen, das 1945 zur Hauptstadt der „Föderativen Volksrepublik Jugoslawien“ erklärt wurde. Titos Weg zwischen den Blöcken (auch „Dritter Weg“ genannt) machte Belgrad zu einem wichtigen internationalen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zentrum. So fand 1961 in der „weißen Stadt“ die Gründungskonferenz der Blockfreien Bewegung statt. Von den innenpolitischen Problemen innerhalb Jugoslawiens zeugen die Studentenunruhen, die 1968 in Belgrad und anderen Städten ausbrachen, und die Unruhen gegen die Verfassungsänderung von 1974, die eine Stärkung der Föderation vorsah.

Im Zuge der postjugoslawischen Kriege wurde Belgrad zur Hauptstadt der Bundesrepublik Jugoslawien (1992–2003), des jugoslawischen Rumpfstaates, bestehend aus den ehemaligen Teilrepubliken Serbien und Montenegro. Unter dem Regime von Slobodan Milošević (1941–2006), der von 1989 bis zu seinem Sturz im Jahr 2000 an der Macht war, versank Belgrad in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen. Mafiöse Gruppierungen nutzten den Mangel an Importgütern aus und bereicherten sich durch den Handel mit geschmuggelten Waren.[9]

Während des Krieges im Kosovo (1998/1999) wurde Belgrad erneut zu einem Kriegsschauplatz. Von März bis Juni 1999 ließ die NATO die Stadt bombardieren. Bei den Luftangriffen wurden unter anderem Industrieanlagen, Regierungsgebäude und militärische Anlagen, aber auch einige historische Gebäude zerstört.

Begleitet von Massenprotesten und Tumulten musste Milošević im Oktober 2000 zurücktreten. Vojislav Koštunica übernahm das Präsidentenamt. 2001 wurde Zoran Đinđić (1952–2003) zum Ministerpräsidenten gewählt. Zwei Jahre später fiel er einem Attentat in der Belgrader Innenstadt zum Opfer, was neue Unruhen in der Stadt auslöste.

Einwohnerzahlen des Einzugsgebiets Belgrad (Naselje Beograd) 1948–2011[10]
19481953196119711981199120022011
397.648477.942657.302899.0041.087.8041.168.4991.119.5231.116.763

Bevölkerung

Als Belgrad von 1717 bis 1739 unter österreichischer Herrschaft stand, siedelten die neuen Machthaber gezielt katholische Christen in und um die Stadt an, so zum Beispiel italienische Adlige, deutsche Kaufleute und Offiziere, sowie aromunische Händler. In Semlin wurde zum Beispiel eine katholische Gemeinde errichtet, die hauptsächlich von deutschen Siedlern aus der Pfalz gebildet wurde. Um 1720 waren über 300 deutsche Familien in Belgrad ansässig. Darunter befanden sich zahlreiche Handwerker.[11] Bis ins 19. Jahrhundert war das Belgrader Handwerk allerdings in türkischer Hand, organisiert in Zünften (türk. esnaf), was die Berufsbezeichnungen der Schneider deutlich machen: Ab 1850 wurden die türkischen Terzije und Abadžije (Schneider traditioneller Trachten) allmählich von den deutschen Šnajderi (Schneider moderner Kleidung) abgelöst. Um 1900 lebten beinahe 5.000 Deutsche in Belgrad. Sie bildeten die größte nationale Minderheit in der Stadt.

Verteilung ausgewählter Nationalitäten in Belgrad (Stadt) 1900[12]
DeutscheJudenMagyarenZigeunerGriechenRumänenZinzarenTürkenAlbaner
4.9853.7301.158640249287170140102

Dies blieben sie auch bis zum Zweiten Weltkrieg. So waren gemäß der Volkszählung des Jahres 1931 10.471 deutschsprachige Personen (einschließlich 653 jüdischer Personen) in Belgrad ansässig.

Die Bevölkerung der Stadt Belgrad nach Muttersprache
(bei Juden und „Zigeunern“ nach Konfession respektive Ethnie)

(Volkszählung vom 31. März 1931)[13]
Serbokroatisch195.264
Deutsch (darunter mit jüdischem Glaubensbekenntnis)10.471
Russisch9.803
Magyarisch5.792
Slowenisch5.650
Tschechisch2.406
Jüdisch2.362
Slowakisch1.151
Rumänisch1.044
Albanisch956
Türkisch740
„Zigeunerisch438
Ukrainisch95
Andere2.603
Insgesamt238.775

Nach dem Ende des Krieges leitete das kommunistische Regime die Enteignung, Internierung und Deportation der Mehrheit der Jugoslawiendeutschen ein, von denen ein Teil mit den Besatzern kollaboriert hatte.[14] Zehntausende Deutsche starben in den Internierungslagern, die 1948 aufgelöst wurden. Die Überlebenden wurden in den späten 1940er Jahren nach Deutschland und Österreich vertrieben. Hans-Ulrich Wehler geht davon aus, dass 1939 etwa 500.000 Deutsche im Königreich Jugoslawien lebten. In der Volkszählung vom März 1953 waren es gerade noch um die 62.000.[15]

Die Zahl der Deutschen in Belgrad ist seither stark rückläufig. Laut der Volkszählung von 2011 sind gegenwärtig 388 Deutsche im Einzugsgebiet Belgrads ansässig. Die größte in Belgrad lebende ethnische Minderheit sind heute die Roma.

Bevölkerung des Einzugsgebiets von Belgrad (Naselje Beograd) nach Ethnizität (2011)[16]
Serben1.050.213
Keine Angabe32.346
Roma[17]16.846
Unbekannt16.002
Montenegriner8.454
Jugoslawen[18]7.312
Kroaten6.619
Mazedonier5.545
Goranen3.394
Muslime[19]3.084
Ungarn1.425
Slowenen1.407
Bosniaken1.386
Regionale Zugehörigkeit[20]1.114
Albaner1.057
Russinen1.023
Bulgaren835
Slowaken749
Rumänen528
Deutsche388
Ukrainer296
Ruthenen223
Vlachen163
Bunjewatzen153
Andere6.201
Insgesamt1.166.763

Gesellschaft

Unter türkischer Herrschaft gehörte die christlich-serbische Bevölkerung Belgrads in der Mehrheit der sozialen Unterschicht an. Sie waren zum Beispiel zu Steuerabgaben an die islamische Oberschicht verpflichtet und lebten hauptsächlich in ländlich geprägten Verbänden. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts formierte sich eine serbische städtische Elite, jedoch nicht in Belgrad, sondern im damals österreichischen Neusatz/Novi Sad und in Wien.

Auch nachdem die türkischen Machthaber Belgrad verlassen hatten und Modernisierungsprozesse eingeleitet worden waren, verharrte die Stadt noch lange in ländlichen Gesellschafts- und Umgangsformen. Wolfgang Höpken schreibt hierzu, dass bis ins 20. Jahrhundert das „‚ländliche‘ vertrauliche ‚Du‘“ außer im Umgang mit Beamten oder Ausländern üblich war.[21]

Religions- und Kirchengeschichte

Belgrad ist der Sitz des Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche und eines römisch-katholischen Erzbischofs. Beinahe 90 % der Bevölkerung bekannten sich in der Volkszählung von 2011 zum serbisch-orthodoxen Glauben, gefolgt von 2,5 % Atheisten. Die bedeutendste serbisch-orthodoxe Kirche ist die Kathedrale des hl. Michael (Saborna crkva; 1840 erbaut). Die nicht vollendete Kathedrale des hl. Sava (Hram svetog Save) ist das größte Gotteshaus in Südosteuropa – sie bietet Platz für bis zu 12.000 Personen.

Die muslimische (1,9 %), römisch-katholische (0,8 %), protestantische (0,2 %) und jüdische (0,02 %) Bevölkerung macht heute nur noch einen sehr kleinen Teil aus. Die letzte erhaltene Synagoge Belgrads ist die Sukkat-Shalom-Synagoge in der Altstadt. Die Bajrakli-Moschee ist die einzige islamische Kultstätte, die von den einst zahlreichen Moscheen der Stadt übrig geblieben ist.

Bevölkerung in der Region Belgrad nach Religion (2011)[22]
Serbisch-Orthodoxe1.475.16888,90 %
Katholiken13.7200,83 %
Protestanten3.1280,19 %
Andere Christen7970,05 %
Muslime31.9141,92 %
Juden2950,02 %
Östliche Religionsangehörige (Buddhisten, Hindus, etc.)5410,03 %
Andere Religionsangehörige7410,04 %
Agnostiker2.4250,15 %
Atheisten40.6572,45 %
Keine Angabe54.8713,31 %
Unbekannt27.6841,67 %
Insgesamt1.659.440100 %

Wirtschaft

Belgrad ist das wirtschaftliche Zentrum der Republik Serbien. Hier befinden sich neben wichtigen Handelsplätzen wie dem Donauhafen und dem internationalen Flughafen Nikola Tesla auch das 1977/1978 errichtete Messe- und Geschäftszentrum Sava Centar.

Industriegebiete liegen in den südlichen Stadtbezirken Rakovica und Železnik, in Semlin sowie entlang des Save- und Donauufers (Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffbau, Nahrungsmittel-, Textil-, elektrotechnische und pharmazeutische Industrie).

Besondere kulturelle Institutionen

Belgrad ist das kulturelle Zentrum Serbiens. Die Stadt verfügt über mehr als 40 Museen, Galerien und Gedenkstätten. Zu den bekanntesten Museen zählen das Nationalmuseum (Narodni muzej), das Museum „Zepter“ für moderne serbische Kunst (Zepter muzej), das Ethnographische Museum (Etnografski muzej), das Museum der Jugoslawischen Geschichte (Muzej istorije Jugoslavije) und das Museum für Wissenschaft und Technik (Muzej Nauke i Tehnike). Zahlreiche Denkmäler und Gedenkstätten erinnern zudem an die Vergangenheit Belgrads.

Es gibt 13 Theater in der Stadt. Das älteste ist das Belgrader Nationaltheater (Narodno Pozorište); es wurde 1867 gegründet. Seit 1967 findet jährlich das renommierte Belgrader Theaterfestival (Beogradski Internacionalni Teatarski Festival, BITEF) statt.

Bildung und Wissenschaft

1808 gründete der Volksaufklärer Dositej Obradović (1739–1811) die „Große Schule“ (Velika Škola), ein Lyzeum. Aus ihr ging die 1863 gegründete Belgrader Universität (Univerzitet u Beogradu) hervor. Heute ist die Stadt der Sitz der wichtigsten Bildungsanstalten und Forschungsinstitute des Landes. Besonders erwähnenswert sind die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste (Srpska akademija nauka i umetnosti, SANU), die Universität der Künste (Univerzitet Umetnosti; seit 1973) und das Kernforschungsinstitut (Institut za nuklearne nauke „Vinča“).

Seit 1854 besteht auch eine deutsche Schule in Belgrad. Diese wurde im September 2015 im neu restaurierten Gebäude wiedereröffnet.

Alltagskultur

In Belgrad wird eine Variante des ekavischen Štokavisch, der sogenannte Šumadija-Vojvodina-Dialekt, gesprochen.

Wie im restlichen Serbien weist die Belgrader Küche neben österreichischen und ungarischen auch türkische Einflüsse auf.

Belgrad verfügt über mehrere bekannte Fußballvereine, unter anderem Roter Stern Belgrad (Fudbalski klub crvena zvezda; gegr. 1945), Partizan Belgrad (Fudbalski klub Partizan; gegr. 1945) und OFK Belgrad (Omladinski fudbalski klub Beograd; gegr. 1911).

Das rege Nachtleben der Stadt zieht viele Touristen an, insbesondere die schwimmenden Bars und Diskotheken auf Donau und Save.

Kunstgeschichte

In Belgrad herrscht ein Nebeneinander von zahlreichen Baustilen – ein Resultat der wechselvollen Geschichte der Stadt. Da Belgrad aber auch mehrere Male zerstört und neu aufgebaut werden musste, sind nur wenige historische Baudenkmäler erhalten geblieben. Zudem fehlen die finanziellen Mittel für die Instandhaltung und Pflege historischer Gebäude. Von den städtebaulichen Spuren der Osmanen sind zum Beispiel außer der Bajrakli-Moschee und dem ehemaligen Lyzeum, in dem sich heute das Vuk-und-Dositej-Museum (Muzej Vuka i Dositeja) befindet, nur wenige übrig geblieben. Aus der baulichen Ära von Fürst Miloš Obrenović stammen der Konak (Residenz) der Fürstin Ljubica, der Konak von Knez Miloš und das Wirtshaus Zum Fragezeichen (Znak Pitanja). Alle Gebäude sind im serbisch-osmanischen Stil des sogenannten bürgerlichen Balkanhauses errichtet worden. Im späteren 19. Jahrhundert war der historisierende Stil sehr beliebt; Beispiele dafür sind die Prachtbauten des Nationalmuseums, des Nationaltheaters und des ehemaligen Justizministeriums. Das 1906 eröffnete Hotel Moskwa wurde im Jugendstil erbaut. Zu den Beispielen moderner Architektur seit dem Zweiten Weltkrieg gehören einige Hochbauten wie der Genex-Turm und das 1999 von der NATO bombardierte Bürogebäude Beogradjanka.

Musik

In den 1980er Jahren war Belgrad eines der bedeutendsten Zentren der jugoslawischen Rockmusik. Während der Kriegsjahre erfreute sich der sogenannte Turbofolk großer Beliebtheit. Heute existiert in Belgrad auch eine lebendige HipHop-Szene. Typisch für das Bohèmeviertel Skardaljia, das „Montmartre“ Belgrads, sind volkstümliche Musiker, die von Restaurant zu Restaurant ziehen.

Mediengeschichte

Belgrad ist das Medienzentrum des Landes. Hier ist nicht nur der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTS (Radio televizija Srbije) ansässig, sondern auch private Sender wie Pink International, B92 oder Avala. Auch der Sitz der staatlichen Presseagentur Tanjug befand sich bis zu deren Auflösung im November 2015 in Belgrad. Zudem erscheinen in der Stadt zahlreiche Tages- (Borba, Večernje Novosti, Danas, Blic etc.) und Boulevardzeitungen (z. B. Kurir, Press, Prawda).

In der Zeit vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg wurden auch einige deutsche Zeitungen in Belgrad veröffentlicht. Zu erwähnen ist zum Beispiel die deutschsprachige Besatzerzeitung Belgrader Nachrichten (1916–1917) unter der Schriftleitung von Robert Müller (1887–1924) und Hugo Greinz (1873–1946). Ab 1936 erschien Der Jugendfreund mit einer Auflage von 4.000 Exemplaren in Belgrad. Hierbei handelte es sich um eine unabhängige römisch-katholische Jugendzeitschrift, die eine oppositionelle Position zum Nationalsozialismus vertrat.[23]

Literatur

Neben Wien war Belgrad im 19. Jahrhundert das literarische Zentrum der Serben. Hier verfassten wichtige Vertreter der serbischen Romantik, zum Beispiel Đura Jakšić (1832−1878), und des Realismus, zum Beispiel Simo Matavulj (1852−1908), ihre Werke. Sowohl Miloš Crnjanski (1893−1977) wie auch Ivo Andrić (1892−1975), beide Vertreter der jugoslawischen Moderne, schrieben in Belgrad. Zu den zeitgenössischen Autoren gehören unter anderem Bora Ćosić, David Albahari, Sreten Ugričić und Dragana Mladenović.

Die erste Belgrader Buchmesse (Beogradski Sajam Knjiga) fand 1966 statt. Sie hat sich seither zur größten Buchmesse in der Region entwickelt.

Gedächtnis- und Erinnerungskultur

Die Namen der Belgrader Straßen haben häufig gewechselt und wurden der Ideologie des jeweiligen Regimes angepasst. Diese Praxis lässt sich anhand einer der Hauptstraßen Belgrads, der Ulica Kralja Milana (König-Milan-Straße), eindrücklich illustrieren: Ursprünglich hieß die Straße Kragujevački drum (Kraggorewatzer Straße). 1876 wurde sie zu Ehren des späteren Königs Milan I. (1854–1901, reg. 1882–1889) in Milanova Ulica umbenannt. Unter der sozialistischen Herrschaft trug sie den Namen Bulevar Maršala Tito (Marschall-Tito-Boulevard). Während der Enttitoisierung Anfang der 1990er Jahre benannten die damaligen Machthaber sie in Ulica srpskih vladara (Straße der serbischen Herrscher) um. Heute heißt sie in Anlehnung an ihren früheren Namen Ulica Kralja Milana.

Seit 2002 werden vom 16. bis 19. April die sogenannten Belgrader Tage (Dani Beograda) begangen. Die Daten verweisen auf zwei wichtige Ereignisse in der Geschichte Belgrads: zum einen auf die erste schriftliche Erwähnung Belgrads am 16. April 878 in einem Brief von Papst Johannes VIII. (gest. 882) an den bulgarischen Prinzen Mihailo, zum anderen auf die symbolische Übergabe des Stadtschlüssels, als die Osmanen die Stadt endgültig verließen.

4. Diskurse/Kontroversen

In der modernen Geschichte Serbiens hat Belgrad eine zentrale Rolle inne. Wie Mišković feststellt, haben „viele Aspekte, die anderswo unter das Thema Lokalgeschichte fallen, […] gesamtserbische Bedeutung“.[24]

Bis heute ist die serbische Geschichtsschreibung von der „marxistisch-leninistischen Forschungspraxis“ beeinträchtigt; bis Ende der 1980er Jahre waren viele Themen ein Tabu: „Die politischen Instanzen mischten sich ein und forcierten Untersuchungen zu den Anfängen der sozialistischen Arbeiterbewegung, zur marxistisch interpretierten Politik- und Wirtschaftsgeschichte sowie zur Serbischen Revolution respektive den Aufständen 1804–1815“.[25]

Die Geschichte der Befreiung Belgrads im Oktober 1944 wurde von Milan Radanović neu aufgearbeitet.[26] In seinem Werk wird vor allem das gesamtjugoslawische Verdienst der Befreiung der Stadt hervorgehoben und mit nationalistisch  geprägten „Geschichtsverdrehung[en] und Manipulation[en]“ aufgeräumt, wie Olga Manojlović Pintar betont: „Ohne die Nennung Jugoslawiens, und nicht Serbiens, der Sowjetunion, und nicht Russlands, der Revolution, und nicht der Repression, ohne den Namen Josip Broz Titos – ohne all diese Namen löscht man den Kern dessen aus, was den Sieg über den Faschismus in unserer Region definiert hat.“[27]

5. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Vasa Čubrilović: Istorija Beograda. Stari, srednji i novi vek. 3 vol. [Die Geschichte Belgrads. Das alte, mittlere und neuere Zeitalter. 3 Bde.]. Beograd 1974.
  • Aleksandar Diklić: Beograd večiti grad. Sentimentalno putovanje kroz istoriju [Belgrad, ewige Stadt. Eine sentimentale Reise durch die Geschichte]. Beograd 2014.
  • Yvo Kühling: Belgrade Bites. Reflections on the White City. Belgrade 2014.
  • Nataša Mišković: Basare und Boulevards. Belgrad im 19. Jahrhundert. Wien, Köln, Weimar 2008 (Zur Kunde Südosteuropas 2,29).
  • Nicole Münnich: Belgrad zwischen sozialistischem Herrschaftsanspruch und gesellschaftlichem Eigensinn. Die jugoslawische Hauptstadt als Entwurf und urbane Erfahrung. Wiesbaden 2013 (Balkanologische Veröffentlichungen des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin 57).
  • David A. Norris: Belgrade: A Cultural History. Oxford 2009 (Cityscapes).
  • Milan Radanović: Oslobođenje. Beograd, oktobar 1944 [Befreiung. Belgrad, Oktober 1944]. Beograd 2014.

Periodika

  • Godišnjak grada Beograda [Jahrbuch der Stadt Belgrad], Belgrader Stadtmuseum (1954ff.).

Weblinks

Anmerkungen

[1] Offizielle Internetpräsentation der Stadt Belgrad „Wappen und Fahne von Belgrad“: http://www.beograd.rs/cms/view.php?id=301209 (Abruf 17.05.2015).

[2] Ivo Haag, Desanka Schwara, Marcel Gosteli: Das Spiel mit der Sichtbarkeit. Präsenz, Aktion und Interaktion im öffentlichen Raum der Balkanhalbinsel. In: Desanka Schwara (Hg.): Kaufleute, Seefahrer und Piraten im Mittelmeerraum der Neuzeit. München 2011, S. 147−260, hier S. 153.

[3] Bei „Knez“ oder auch „Knes“ handelt es sich um einen slawischen Herrschertitel.

[4] Vgl. Mišković: Basare und Boulevards, S. 176–185.

[5] Vgl. Ursula Rütten: Einleitung. In: Dies. (Hg.): Belgrad, mein Belgrad. Sechs Autoren porträtieren ihre Stadt. Hamburg 1998 (Für den Armchair-Traveller und für unterwegs), S. 11−37, hier S. 22.

[6] Holm Sundhaussen: Historische Statistik Serbiens 1834–1914. Mit europäischen Vergleichsdaten. München 1989 (Südosteuropäische Arbeiten 87), S. 104.

[7] Walter Manoschek spricht von über 12.000 Juden, vgl. Walter Manoschek: „Serbien ist judenfrei“. Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42. München 1993 (Beiträge zur Militärgeschichte 38), S. 36; Ursula Rütten gibt an, dass 1939 10.388 Juden in Belgrad ansässig waren, vgl. Ursula Rütten: Dorcol. In: Dies. (Hg.): Belgrad, mein Belgrad (Anm. 4), S. 204–214, hier S. 213.

[8] Vgl. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Gedenkstättenportal zu Orten der Erinnerung in Europa: Belgrad: http://www.memorialmuseums.org (Abruf 30.04.2015).

[9] David A. Norris spricht von einer „Gangland culture“, die Belgrads Straßen dominierte, vgl. Norris: Belgrade, S. 163–166.

[10] Statistical Office of the Republic of Serbia: Comparative Overview of the Number of the Population in 1948, 1953, 1961, 1971, 1981, 1991, 2002 and 2011. Data by settlements. Belgrade 2014, S. 32. URL: http://pod2.stat.gov.rs/ObjavljenePublikacije/Popis2011/Knjiga20.pdf (Abruf 15.04.2015).

[11] Birgitta Gabriela Hannover Moser: Belgrad / Novi Sad. Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Umland, Reiseinfos. Berlin 2013, S. 25f.

[12] Vgl. Sundhaussen: Historische Statistik Serbiens (Anm. 5), S. 110f. Zur besseren Übersicht wurden die Daten von der Autorin nach nummerischer Reihenfolge geordnet. Für die nationale Zuordnung waren, abgesehen von den Juden und „Zigeunern“, die Angaben zur Muttersprache der Befragten  ausschlaggebend.

[13] Veröffentlicht in: Hans-Ulrich Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien. Göttingen 1980 (Sammlung Vandenhoeck), S. 107. Die Zahlen basieren auf der jugoslawischen Volkszählung von 1931; sie wurden durch die Publikationsstelle in Wien bearbeitet und 1943 veröffentlicht.

[14] R[ay] M. Douglas: „Ordnungsgemäße Überführung.“ Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. München 2013 (Beck’sche Reihe 6102), S. 145f.

[15] Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien (Anm. 12), S. 96–99. Wayne S. Vucinich berichtet von 60.536 Deutschen. Diese Zahl beruht auf unveröffentlichten Daten der Volkszählung des Jahres 1953. Vgl. Wayne S. Vucinich: Nationalism and Communism. In: Ders. (Hg.): Contemporary Yugoslavia. Twenty Years of Socialist Experiment. Berkeley 1969, S. 236−284, hier S. 254.

[16] Statistical Office of the Republic of Serbia. 2011 Census of Population, Households and Dwellings in the Republic of Serbia. Book 4: Religion, Mother tongue and Ethnicity. Belgrade 2012, S. 30f. URL: http://pod2.stat.gov.rs/ObjavljenePublikacije/Popis2011/Nacionalna%20pripadnost-Ethnicity.pdf (Abruf 15.04.2015).

[17] Die tatsächliche Zahl der in Belgrad lebenden Roma liegt wohl weitaus höher als in der Volkszählung angegeben, da viele Roma sich entweder nicht registrieren ließen oder sich nicht als solche zu erkennen gegeben haben.

[18] In der Volkszählung von 1961 umfasst der Oberbegriff „Jugoslawen“ noch all jene, die keine Angaben zur ethnischen oder regionalen Zugehörigkeit machten. Seit der folgenden Volkszählung, 1971, gilt „Jugoslawe“ als eine eigene Kategorie, zu der jene gehören, die sich explizit so benennen.

[19] Seit der Volkszählung 1961 werden Muslime als eine eigenständige Ethnie erfasst.

[20] Unter diesem Begriff sind all jene Personen zusammengefasst, die sich aufgrund einer regionalen Zugehörigkeit registriert haben (z. B. als Vojvodjani oder Sumadinci).

[21] Wolfgang Höpken: Schrittmacher der Moderne? Urbanisierung und städtische Lebenswelten in den Metropolen Südosteuropas im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Friedrich Lenger, Klaus Tenfelde (Hg.): Die europäische Stadt im 20. Jahrhundert. Wahrnehmung – Entwicklung – Erosion. Wien, Köln, Weimar 2006 (Industrielle Welt 67), S. 61–104, hier S. 97.

[22] Statistical Office of the Republic Serbia: Еtтноконфесионали и језички мозаик Србије (Serbian Ethnical, Confessional and Linguistic Mosaic). Belgrade 2014, S. 184. URL: http://pod2.stat.gov.rs/ObjavljenePublikacije/Popis2011/Etnomozaik.pdf (Abruf 16.04.2015).

[23] Vgl. Zoran Janjetović: German Minority Press and Publishing in the Inter-War Yugoslavia. (Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit) 1991, S. 8. URL: http://www.drustvosns.org/nemacka%20manjina/janjetovic/Z.%20Janjetovic,%20German%20Minority%20Press%20and%20Publishing%20in%20the%20Inter-War%20Yugoslavia.pdf (Abruf 17.11.2015).

[24] Mišković: Basare und Boulevards, S. 23.

[25] Mišković: Basare und Boulevards, S. 22.

[26] Radanović: Oslobođenje.

[27] Zitiert nach Krunoslav Stojaković: „Befreiung, Belgrad, Oktober 1944.“ Mit dem gleichnamigen Titel wurde ein neues Buch zur Geschichte der Befreiung Belgrads präsentiert. Belgrad 2014. URL: www.rosalux.de/news/40903/befreiung-belgrad-oktober-1944.html (Abruf 03.05.2015).

Zitation

Kathrin Pavic: Belgrad/Beograd. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2015. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32421 (Stand 08.12.2015).

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