Sarajevo

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Sarajevo (veraltet Sarajewo)

Amtliche Bezeichnung

bosn./serb./kroat. Sarajevo, kyrillisch Сарајево

Anderssprachige Bezeichnungen

tür. Saraybosnam, heb. סרייבו

Etymologie

Der Name „Sarajevo“ leitet sich von türkisch Saray (= Palast) bzw. dem osmanisch-türkischen Ausdruck Saray ovası (= Palast-Ebene) ab.

Beinamen

Aufgrund seiner kulturellen und religiösen Vielfalt wird Sarajevo auch als „Europäisches Jerusalem“ bezeichnet.

2. Geographie

Lage

Sarajevo liegt in Zentralbosnien auf 43° 51ˈ nördlicher Breite und 18° 24ˈ östlicher Länge.

Topographie

Sarajevo liegt in der gleichnamigen Ebene, 511 Meter über dem Meeresspiegel und wird von den Bergen Bjelašnica und Igman (im Südwesten) sowie Trebević und Jahorina (im Südosten) überragt. Das Stadtgebiet wird von Ost nach West von der Miljacka durchflossen, während es im Westen von der Željeznica umrundet wird. Letztere mündet in die Bosna, die nahe dem westlich der Stadt gelegenen Kurort Ilidža entspringt.

Region

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Sarajevo ist Hauptstadt und der Regierungssitz des Bundesstaats Bosnien und Herzegowina. Sie ist zugleich Landeshauptstadt der „Föderation Bosnien und Herzegowina“ (FBiH), einer der beiden Entitäten (Bundesländer) des o. g. Bundesstaats. Darüber hinaus ist die Stadt Verwaltungssitz des gleichnamigen Kantons. Sie besteht aus vier Verbandsgemeinden: Stari Grad (Altstadt), Centar (Zentrum), Novi Grad (Neue Stadt) und Novo Sarajevo (Neu-Sarajevo).

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Das Ende des 19. Jahrhunderts von der k. u. k. Verwaltung entworfene Stadtwappen kombinierte im Hintergrund die beiden “Mohrenköpfe“ als älteste Symbole Bosniens mit einem sogenannten illyrischen Schild, auf dem ein Halbmond und ein achtzackiger Stern – das älteste kroatische Wappenmotiv – angebracht waren. Der Rückgriff auf diese heraldischen Elemente sollte eine historische Verbindung zum mittelalterlichen Königreich Ungarn visualisieren. Dieses Wappen wurde bis 1965 beibehalten, allerdings wurde die Krone über dem Wappenfeld nach 1945 entfernt.

Das heutige Wappen zeigt im oberen Drittel zwei grüne Dreiecke auf weißem Grund, die die umliegenden Berge symbolisieren, in der Mitte zwei schwarze Stadttore, darunter einen blauen, von einer weißen Brücke überspannten Fluss.

Vor- und Frühgeschichte

In den 1890er Jahren wurden im Quellgebiet der Bosna jungsteinzeitliche Objekte und Strukturen freigelegt.[1] Die nach dem Fundort Butimir benannte Kultur mit ihrer charakteristischen Keramik zählt zu den bekanntesten Kulturen aus der Periode von 5200 bis 4700 v. Chr. auf dem europäischen Kontinent. Ausgrabungen an den Heilquellen um den Kurort Ilidža brachten Reste illyrischer Siedlungen sowie Spuren einer römischen Kolonie zutage.

Mittelalter

Im 7. Jahrhundert siedelten sich die ersten Slawen im Raum Sarajevo an. Erstmals schriftlich erwähnt wurde diese Bevölkerung in päpstlichen Urkunden aus dem 13. Jahrhundert.[2]

Ab 1463, nach der osmanischen Eroberung Bosniens, erfolgte unter dem Statthalter Isa-Beg Ishaković (1439–1470), einem zum Islam konvertierten Bosnier, der Ausbau der Stadt. Sie wurde zum militärischen und administrativen Zentrum des neu gegründeten Sandschaks Bosnien (türk. Bosna Sancağı; bosn. Bosanski sandžak), das bis 1580 eine Unterabteilung des Vilâyets (Provinz) Rumelien war. Zudem diente sie als Ausgangsbasis für die weitere osmanische Expansion. Ishaković veranlasste den Bau mehrerer zentraler Gebäude, wie die sog. Kaisermoschee (bosn. Careva džamija), den Basar, den Hamam, die Karawanserei und die Festung, wodurch Sarajevo die Grundstruktur einer osmanischen Stadt erhielt.[3] 1660 lebten ca. 80.000 Menschen in der Stadt, darunter auch eine Gemeinde sephardischer Juden; diese hatten sich nach ihrer Vertreibung aus Spanien Mitte des 16. Jahrhunderts hier niedergelassen. In dieser osmanischen Prosperitätsphase entstanden zahlreiche Moscheen, sowie andere Sakralbauten, darunter die alte orthodoxe Kirche und 1581 die sephardische Synagoge (Kal Vježu / Stari Hram).[4] Im Jahre 1697 wurde die Stadt im sog. Großen Türkenkrieg (1683–1699) von den Truppen des Prinzen Eugen von Savoyen (1663–1736) großflächig zerstört. 

Nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen wurde die Stadt wieder aufgebaut. Die Krise des Osmanischen Reiches wirkte sich jedoch auch auf die Entwicklung Sarajevos aus. Während Travnik Zentrum und Sitz des osmanischen Statthalters, des Wesirs war, wurden in Sarajevo die Janitscharen stationiert. 

Neuzeit

Während der Konflikte, die den Balkan und das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert erschütterten, wurde die Stadt zum Verwaltungszentrum des Sandžaks Bosnien, eines Teils des 1865 eingerichteten Vilâyets Bosnien. Trotz der Reformen der Tanzimat-Periode (1839–1876) blieb Sarajevo eine orientalisch geprägte Stadt. Das Zusammenleben der orthodoxen, katholischen, muslimischen und jüdischen Einwohner mit der osmanischen Verwaltungselite war konfliktgeladen. Die Spannungen eskalierten bei verschiedenen Anlässen, etwa 1872 im Zusammenhang mit dem Bau der griechisch-orthodoxen Kathedrale.[5]1875 läuteten Aufstände der mehrheitlich serbisch-orthodoxen Bauern gegen die hohe Steuerlast im Vilâyet das Ende der osmanischen Phase der Stadtgeschichte ein. Serbien und Montenegro erklärten daraufhin dem Osmanischen Reich den Krieg. Im Zuge der Verhandlungen zur Beendigung der Balkankrise auf dem Berliner Kongress 1878 erhielt Österreich-Ungarn das Recht, Bosnien-Herzegowina zu besetzen und zu verwalten. Der osmanische Sultan behielt jedoch de jure die Oberhoheit über die Provinz. Die Besetzung Bosnien-Herzegowinas erfolgte gegen den Widerstand muslimischer Freischärler und serbisch-orthodoxer Freiwilliger. Sarajevo wurde im August 1878 nach einer Belagerung eingenommen.

Die k. u. k. Besetzung brachte eine neue Blütezeit mit sich. Aus allen Teilen der Donaumonarchie sowie aus Polen und Russland strömten Verwaltungsbeamte, Lehrer und Ärzte, aber auch Glückssucher aller Art in die neuen Provinzen. Von den Beamten wurde auch die Kenntnis einer slawischen Sprache erwartet. Entsprechend gab es viele Personen aus ethnisch gemischten Familien, etwa Deutsche mit kroatischem Hintergrund. Durch die Zuwanderung verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Stadt zwischen 1885 und 1910, während sich gleichzeitig neue religiöse Gruppen wie die stark deutsch geprägte lutherische Gemeinde sowie die aschkenasischen Juden etablierten. So entwickelte sich Sarajevo von einer multireligiösen osmanischen Stadt um die Jahrhundertwende zu einem multiethnischen Zentrum der k. u. k. Monarchie

Durch die Initiativen von Benjámin von Kállay (1839–1903), Reichsfinanzminister und Zivilverwalter von Bosnien-Herzegowina, wurde Sarajevo zum wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zentrum Bosniens. Als eine der ersten europäischen Städte erhielt Sarajevo 1895 eine elektrische Straßenbahn. Des Weiteren veranlasste Kállay den Bau eines Zentralbahnhofs. Die Ansiedlung neuer Fabriken, darunter die noch heute existierende Tabakfabrik, führte zu einer Belebung der Wirtschaft. Das Gesicht der neuen Landeshauptstadt wurde maßgeblich durch die zahlreichen öffentlichen und sakralen Gebäude geprägt, die von Josip Vancaš (1859–1932) und Karel Pařík (1857–1942) entworfen wurden.[6] Dazu zählen der Sitz der Provinzregierung (1886), die römisch-katholische Herz-Jesu-Kathedrale (1889), die evangelische Kirche (1898–1899), das Vereinshaus (1897–1898) und die Synagoge der Aschkenasim (1902). 

Sarajevo erhielt 1883 eine begrenzte Autonomie als Landeshauptstadt. Die 24 Sitze im Stadtrat wurden mittels Proporz auf die verschiedenen Konfessionen verteilt, wobei zwölf Sitze an die Muslime gingen, sechs an die Orthodoxen und je drei an die Katholiken und Juden.[7] Um der zunehmenden Nationalisierung der serbisch-orthodoxen und römisch-katholischen Religionsgemeinschaften und den damit verbundenen Einflüssen aus den Nachbarstaaten (vor allem Serbien) entgegenzuwirken,  versuchte Kállay das Konzept einer multikonfessionellen „bosniakischen Nation“ („Bošnjaštvo”) zu implementieren.[8] Diese Idee konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da die konfessionell definierten Nationalbewegungen an Einfluss gewannen. Die Annexion Bosnien-Herzegowinas am 5. Oktober 1908 eskalierte die Krise zwischen Serbien und Österreich-Ungarn. In Sarajevo organisierten zahlreiche Mitglieder der revolutionären Vereinigung Junges Bosnien (Mlada Bosna) Proteste gegen die Annexion. Unter ihnen befand sich auch Gavrilo Princip (1894–1918), der am 28. Juni 1914, dem Vidovdan (Veitstag, ein zentraler Gedenktag der Serben), den österreich-ungarischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin, Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, während ihres Besuchs in Sarajevo an der Lateinerbrücke (Latinska ćuprija) erschoss.[9] Noch am selben Abend sowie am darauffolgenden Tag kam es in der Stadt zu pogromartigen antiserbischen Ausschreitungen.

Der Erste Weltkrieg veränderte das Leben grundlegend. Viele Männer wurden in die k. u. k. Armee eingezogen, während sich gleichzeitig andere als Freiwillige der serbischen Armee anschlossen. Obschon die Stadt von direkten Kriegshandlungen verschont blieb, machte sich eine bürgerkriegsähnliche Stimmung breit, in der die serbische Bevölkerung Repressionen ausgesetzt war.[10] Ab 1915 herrschte in der von Hunger und Mangel geplagten Stadt ein Kommissar.

Zeitgeschichte

Nach der Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen wurde Bosnien-Herzegowina 1921 als Selbstverwaltungseinheit aufgelöst und Sarajevo wurde zum Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts. Im Zuge der staatlichen Reorganisation 1929 avancierte die Stadt schließlich zur Hauptstadt der neu geschaffenen Banschaft Drina (Drinska banovina). Nach den Jahren des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwungs stagnierte die Entwicklung allerdings[11] – und die drängendsten Probleme (v. a. mangelnder Wohnraum, eine abflauende Wirtschaft, mangelnde Hygiene und unzureichende gesundheitliche Versorgung) blieben vorläufig ungelöst.[12]

Im Zuge des Angriffs der Achsenmächte auf Jugoslawien am 6. April 1941 wurden auch das Stadtgebiet von Sarajevo und der nahe gelegene Flugplatz Rajlovac attackiert.[13] Nach der Kapitulation der jugoslawischen königlichen Armee am 16. April 1941 wurde Jugoslawien unter Deutschland, Italien sowie deren Verbündeten Ungarn und Bulgarien aufgeteilt. Sarajevo war in der Folge die zweitgrößte Stadt des mit Unterstützung der deutschen Nationalsozialisten geschaffenen Unabhängigen Staates Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska, NDH) und befand sich in der deutschen Besatzungszone. Im Anschluss an die Besetzung kam es zu Plünderungen, Vertreibungen und Deportationen der serbischen, jüdischen und romanessprachigen Bevölkerung. Am 16. April 1941 wurde die sephardische Synagoge (Il Kal Grande) gestürmt und ein Teil des Gebäudes gesprengt. Anschließend setzte ein Mob, angeführt von lokalen Kollaborateuren, das Innere des Gebäudes in Brand und vernichtete so die Bestände der Bibliothek, des Archivs und des Museums.

Gleichwohl bemühten sich viele Bewohner Sarajevos ihre bedrohten Mitbürger vor dem Terror der kroatischen Ustascha zu schützen.[14] In der Sarajevoer Resolution vom 18. Oktober 1941 verurteilten muslimische Geistliche sowie zahlreiche prominente Bürger der Stadt die Gewaltherrschaft der Ustascha[15] und forderten Gleichbehandlung und Schutz.[16] Trotz aller Proteste wurde die jüdische Bevölkerung Sarajevos zwischen Oktober und November 1941 in die NDH-Massenvernichtungslager Jasenovac und Stara Gradiška deportiert. Insgesamt wurden 7.092 Menschen aus Sarajevo in der Shoah ermordet.[17] Die Terrormaßnahmen der Ustascha wurden fortgesetzt und erreichten Anfang 1945 unter der „blutigen Tyrannei” von Vjekoslav (Maks) Luburić (1914–1969) einen schrecklichen Höhepunkt.

Am 6. April 1945 wurde Sarajevo von der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee unter Josip Broz Tito (1892−1980) eingenommen. In der Folgezeit wurde die historische Provinz Bosnien-Herzegowina als jugoslawische Teilrepublik wiederhergestellt und Sarajevo zur Hauptstadt bestimmt.  Unter der kommunistischen Führung erlebte die Stadt eine dritte Blütezeit, geprägt von einem weitreichenden Stadtentwicklungsprogramm, das ein signifikantes demografisches und infrastrukturelles Wachstum ermöglichte. Ein entscheidender Entwicklungsschub war die Ernennung zum Austragungsort der XIV. Olympischen Winterspiele 1984. 

Mit der Unabhängigkeitserklärung von Bosnien-Herzegowina am 5. März 1992 wurde Sarajevo zur Hauptstadt des nun souveränen Staates. Bereits am 5. April 1992 begann die Belagerung der Stadt durch die Armee der bosnischen Serben, Einheiten der verbliebenen Jugoslawischen Volksarmee und Paramilitärs, welche insgesamt 1.425 Tage andauerte.[18] Ein Frontabschnitt verlief durch den Stadtteil Grbavica und teilte die Stadt entlang der Miljacka. Das Leid der Zivilbevölkerung wurde ab Juni 1992 durch eine von der UNO organisierte Luftbrücke gelindert. Während der Belagerung wurden zahlreiche Gebäude beschädigt oder zerstört, darunter das ehemalige k. u. k. Rathaus, die Vijećnica, welche die Nationalbibliothek mit rund zwei Millionen Büchern beherbergte.

Während des Bosnien-Krieges löste die Belagerung Sarajevos weltweite Solidaritätsbekundungen und Proteste aus, die ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft forderten. Nach wiederholten Massakern an der Zivilbevölkerung kam es im Spätsommer 1995 zu militärischen Operationen der NATO im Auftrag der UNO gegen die Armee der bosnischen Serben. 

Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton am 14. Dezember 1995 verblieb Sarajevo, weiterhin die Hauptstadt des gemeinsamen Staates, territorial unter der Kontrolle der Föderation Bosnien-Herzegowina. Im Zuge des Prozesses der territorialen Reintegration der Stadtteile, verließen die meisten serbischen Einwohner die bis dahin von der serbischen Armee kontrollierten Gebiete.[19]

Bevölkerung

Während der osmanischen Herrschaft lebten in Sarajevo überwiegend Muslime sowie katholische bzw. orthodoxe Christen, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung Schwankungen unterlag. Eine bedeutende sephardische Gemeinde existierte ab dem 16. Jahrhundert. Eine erste Volkszählung wurde erst nach der k. u. k.-Besatzung durchgeführt. 

Einwohnerzahlen 1885–1910[20]

1885

1895

1910

26.268

38.083

51.919

Einwohner nach Religion 1879–1910[21]

Jahr

Muslime

Orthodoxe

Katholiken

Juden

Andere

1885

15.787

4.431

3.326

2.618

106

1895

17.158

5.858

10.672

4.058

337

1910

18.460

8.450

17.922

6.397

690

Bei der ersten Volkszählung nach dem Krieg hatte die Stadt 113.769 Einwohner. Davon waren 40.914 Serben, 26.486 Kroaten, 39.328 Muslime sowie 1.132 Angehörige anderer Ethnien.[22] Lediglich 470 Personen bezeichneten sich bei der Volkszählung von 1991 in Bosnien-Herzegowina als Deutsche.

Bevölkerung von Sarajevo nach Ethnizität (2013)[23]

Bosniaken

Kroaten

Serben

keine Angabe

Andere

Unbekannt

222.457

13.604

10.422

6.160

22.466

415

Die deutschsprachige Bevölkerung von Sarajevo

Der Großteil der deutschsprachigen Bevölkerung von Sarajevo bestand aus Menschen, die nach der k. u. k. Besetzung in die neue Provinz gezogen sind. 1910 lebten 6.495 Menschen mit deutscher Muttersprache im Kreis Sarajevo.[24] Dies bedeutete jedoch nicht, dass sie sich als Deutsche im ethnischen Sinne definierten, auch wenn sie von den Einheimischen als „Schwaben“ wahrgenommen wurden. Deutsch blieb bis 1918 die offizielle Sprache für den internen Gebrauch der Verwaltung in Bosnien und Herzegowina. Zudem war es in der Justiz sowie beim Eisenbahnbetrieb weit verbreitet.25] In der Stadt erschienen zwei deutschsprachige Zeitungen: die Bosnische Post (1884–1918) und das Sarajevoer Tagblatt (1908–1918).[26] 1889 übernahm Milena Mrazović Preindelsberger (1863–1927) die Bosnische Post als Eigentümerin und wirkte bis 1896 als erste weibliche Chefredakteurin, Verlegerin und professionelle Journalistin in der Provinz. Sie leistete mit einer Reihe deutschsprachiger Publikationen einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung von Kenntnissen über die Volkstraditionen Bosniens – ähnlich wie die anfangs in Sarajevo tätige Ethnologin Jelica Belović-Bernadzikowska (1870–1946).[27]

Die von den deutschsprachigen Bewohnern Sarajevos neu gegründeten Vereinigungen – darunter Frauenvereine, Wohltätigkeitsvereine und Gesangsvereine – prägten das kulturelle und soziale Leben der Stadt. Ein kleines deutsches Garnisonstheater entstand noch vor der Jahrhundertwende. Cafés und Restaurants wie der Grüne Hof und der Marienhof luden Orchester aus Wien nach Sarajevo ein und boten Raum für kleinere Konzerte. Größere Musik- und Theateraufführungen fanden ab 1898 im neu erbauten Vereinshaus statt.

Unter den politisch aktiven Vereinigungen verdient der im Jahr 1902 gegründete „Deutsche Stammtisch” besondere Erwähnung. Aus ihm ging 1908 der bürgerlich-deutschnationale „Verein der Deutschen in Bosnien und der Herzegowina” hervor. Dieser verzeichnete vor 1914 einen starken Zulauf, was auf eine stärkere Nationalisierung der deutschsprachigen Einwanderer in dieser Zeit hindeutet. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten viele Deutsche die Stadt verlassen, darunter insbesondere Militärs und Mitarbeiter von Landesinstitutionen. Zu ihnen gehörte auch Georg Grassl (1865–1948). Er war der erste Vorsitzende des „Deutschen Stammtischs“ und Mitbegründer des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes im Jahr 1920, einem Verein zur Pflege der deutschen Kultur und zur Repräsentation der deutschen Minderheit in Jugoslawien. Ab 1940 wurde der Kulturbund nach dem Führerprinzip organisiert und unter dem Einfluss der in Berlin ansässigen Volksdeutschen Mittelstelle schrittweise in die „Deutsche Volksgruppe“ umgewandelt. Im Jahr 1941 zählte die Ortsgruppe des Kulturbundes in Sarajevo 3.387 Mitglieder.[28] Vor Ort spielten Fritz Naschold als Lektor der Deutschen Akademie sowie der deutsche Konsul Dr. Hugo Gördes (1890–1965) eine wichtige Rolle bei der Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda. Während des Krieges übernahmen beide wichtige nachrichtendienstliche Positionen.[29]

Eine detaillierte Aufarbeitung der Beteiligung der Sarajevoer Volksdeutschen an den NS-Verbrechen steht noch aus. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass viele von ihnen aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung innerhalb der „Deutschen Mannschaften“ (bewaffnete SS-Einheiten) sowie als „kommissarische Verwalter“ jüdischen und serbischen Eigentums an Deportationen und Raub beteiligt waren.[30]

Angesichts der Aktivitäten der kommunistischen Partisanen und der Tschetniks, die sich zunehmend auch gegen die Dörfer der Deutschen und die muslimische Bevölkerung in Bosnien richteten, wurde im Sommer 1942 der Großteil der Bosniendeutschen, darunter auch diejenigen aus Sarajevo, „ausgesiedelt“. Im Rahmen des sogenannten Generalsplans Ost sollten sie später in der Nähe von Zamość im Generalgouvernement angesiedelt werden. Dieses Vorhaben scheiterte, sodass die meisten Evakuierten zunächst in Ostslawonien und Ostsyrmien untergebracht wurden und anschließend nach Deutschland kamen.[31]

Noch vor dem Ende des Krieges setzte infolge des Beschlusses des Präsidiums des Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ) vom 21. November 1944, in dem die Kollektivschuld der Angehörigen der deutschen Minderheit festgeschrieben wurde, eine systematische Verfolgung dieser Bevölkerungsgruppe ein. Deutsche mussten nachweisen, dass sie den Volksbefreiungskampf unterstützt haben, um von Verfolgungsmaßnahmen verschont zu bleiben. Die noch verbliebenen Deutschen wurden von den jugoslawischen kommunistischen Behörden enteignet, vertrieben oder in Lagern interniert, darunter auch in Sarajevo.[32] In der Folge kam es zu einem signifikanten Rückgang der deutschen Bevölkerung in Sarajevo.

Gesellschaft

Wie in anderen Städten des Osmanischen Reiches war die Bevölkerung Sarajevos konfessionell, ethnisch, sprachlich und kulturell heterogen. Neben den türkischen Muslimen gab es Südslawen beider christlicher Konfessionen und zum Islam konvertierte Gruppen, sowie Juden. Die Gemeinschaften lebten überwiegend in eigenen konfessionell und ständisch (Zünfte) definierten Stadtvierteln (mahale). Bisweilen gab es, wie bei den Handwerkern auch ein Nebeneinander der Gruppen.[33] Im 18. Jahrhundert etablierte sich eine serbische städtische Elite, die nicht mehr ausschließlich vom Handwerk, sondern auch vom Handel lebte.[34] Die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts führte zu einer Erosion konfessioneller und religiöser Grenzen. In diesem Kontext entstanden erste Arbeiterorganisationen und interkonfessionelle Bildungseinrichtungen. In der Zwischenkriegszeit wurden die starren religiösen Grenzen dann weiter aufgeweicht. Das „System der Parallelgesellschaften“ [35] wurde schließlich in der sozialistischen Phase aufgelöst. 

Religions- und Kirchengeschichte

Einwohner nach Religion 1921–1931[36]

Jahr

Muslime

Orthodoxe

Katholiken

Juden

Protestanten

Andere

1921

22.474

16.317

19.242

7.458

470

205

1931

29.649

18.630

21.372

keine Angabe

534

7.637

Sarajevo ist der Sitz des Reis-ul-Ulema, des Oberhaupts der Muslime in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und Montenegro, sowie eines serbisch-orthodoxen Metropoliten und eines römisch-katholischen Erzbischofs. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde ist nicht-resident. Bei der Volkszählung von 2013 bekannten sich fast 82 Prozent der Bevölkerung zum Islam, gefolgt von 4,6 Prozent Katholiken und 3,8 Prozent Orthodoxen. 8,3 Prozent der Bevölkerung sahen sich als Atheisten, Agnostiker oder wollten sich nicht deklarieren. 1,6 Prozent gehörten anderen Religionsgemeinschaften an. Zu den bedeutenden Sakralbauten der Stadt zählen die 1531 errichtete Gazi-Husrev-Beg-Moschee, die alte serbisch-orthodoxe Kirche, die erstmals 1539 urkundlich erwähnt wurde, sowie die katholische Herz-Jesu-Kathedrale und die Synagoge der Aschkenasim, die als Hauptsynagoge der jüdischen Gemeinde Sarajevo dient. Im Jahr 2000 wurde die nach dem ehemaligen saudischen Herrscher benannte König-Fahd-Moschee, eingeweiht, was zahlreiche Diskussionen über den Prozess einer Re-Islamisierung der bosnischen Muslime auslöste.

Bevölkerung in Sarajevo nach Religionszugehörigkeit (2013)[37]

Muslime

Katholiken

Serbisch-Orthodoxe

Agnostiker, Atheisten, nicht deklariert

Andere

225.088

12.608

10.532

22.871

4.425

Wirtschaft

Sarajevo ist das wirtschaftliche Zentrum Bosnien-Herzegowinas. Obwohl während des Krieges und in der nachfolgenden Transition zahlreiche Unternehmen zerstört und geschlossen wurden, konnten andere bestehen und tragen zur weiteren Entwicklung bei. Die bekanntesten sind das Pharmaunternehmen Bosnalijek, die Brauerei Sarajevska pivara sowie der Automobilzulieferer Prevent.

Die Industriegebiete befinden sich in den Stadtbezirken Vogošća und Hadžići, sowie entlang der Eisenbahnlinie nach Mostar.

Besondere kulturelle Institutionen

Sarajevo war vor dem Krieg das kulturelle Zentrum Bosnien-Herzegowinas. Die ersten modernen Theaterstücke wurden bereits im 19. Jahrhundert im Haus der wohlhabenden Händler-Familie Despić gespielt. Während der Okkupationsphase fanden Aufführungen im Offizierskasino und später im Vereinshaus statt. Das Gebäude am Ufer der Miljacka diente nach seiner Umgestaltung als Spielstätte für das 1921 gegründete Nationaltheater, das 1946 um Oper und Ballett erweitert wurde. Nach Kriegsbeginn 1992 entstand das Sarajevoer Kriegstheater (SARTR, Sarajevski ratni teatar). Zu den bekanntesten Museen zählen das Nationalmuseum (Zemaljski muzej), das in dem 1913 fertiggestellten Komplex des vormaligen Landesmuseums seinen Sitz hat, das Historische Museum (Historijski muzej) und die Kunstgalerie (Umjetnička galerija Bosne i Hercegovine). Im Nationalmuseum wird die um 1350 vermutlich in Barcelona angefertigte sog. Sarajevo-Haggadah aufbewahrt, die zu den ältesten überlieferten Zeugnissen mittelalterlicher jüdischer Buchkunst aus Spanien gehört.[38]

Bildung und Wissenschaft

Islamische Hochschulen wurden bereits in osmanischer Zeit gegründet. Während der Okkupationsphase entstanden als höhere Bildungseinrichtungen die islamische Rechtsschule (1887), die katholische und die orthodoxe Hochschule (1892). Einen Aufschwung bedeutete die Gründung der Universität im Jahr 1949. 

Im November 2000 eröffnete das Goethe-Institut sein Büro in Sarajevo. Das Institut bietet Sprachkurse und kulturelle Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt der interreligiösen Verständigung an.

Alltagskultur

In Sarajevo wird eine Variante des ijekavischen Štokavisch gesprochen, angereichert durch zahlreiche Turzismen und Germanismen, die insbesondere aus technischen, verwaltungspolitischen und kulinarischen Bereichen einfließen.[39] Als offizielle Sprachen gelten Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. Die lateinische und die kyrillische Schrift werden gleichberechtigt verwendet. 

Seit 1997 befinden sich die ganze Stadt als „einzigartiges Symbol universaler Multikulturalität“ und seit 2018 der alte jüdische Friedhof auf der Tentativliste der UNESCO. Das kulturelle und kulinarische Angebot der Stadt zieht viele Touristen an, insbesondere die osmanische Altstadt.

Kunstgeschichte

In Sarajevo herrscht ein Nebeneinander zahlreicher Baustile. Osmanische Spuren finden sich insbesondere in der Altstadt Baščaršija, zu nennen sind hier die Weiße Festung (Bijela tabija, 1550), die beiden Stadttore aus dem 18. Jahrhundert, die Višegradska kula und die Kapi kula sowie die Lateinerbrücke (1789) in Bistrik. Viele Bauten aus der k. u. k.-Periode weisen eine orientalisierende Formensprache auf, die bisweilen als sogenannter „bosnischer Stil“ bezeichnet wird.[40] Prominente Beispiele hierfür sind das ehemalige Rathaus (die Vijećnica, 1891), und die Synagoge der Aschkenasim (1902). Das Historische Museum (1963) ist ein herausragendes Beispiel der modernen kommunistischen Architektur, wie auch das während der Belagerung zerstörte und wieder aufgebaute Parlamentsgebäude (1982).

In der Zwischenkriegszeit wurden nur wenige bedeutende öffentliche Gebäude errichtet: Dazu zählen die Filiale der Staatlichen Hypothekenbank (1929–1932, heute Zentralbank von Bosnien und Herzegowina), die neue sephardische Hauptsynagoge (Il Kal Grande, 1930), das Wohn- und Geschäftsgebäude des Vakuf des Hovadža Kemaludin (Mekteb), das erste moderne Hochhaus der Stadt (1939) sowie das von Muhamed Kadić (1906–1983), einem Pionier der modernen Architektur in Sarajevo, entworfene Gebäude der Pensionskasse (1941–1943).

Zu den Zeugnissen moderner Architektur seit dem Zweiten Weltkrieg gehören das Historische Museum (1963), die UNIS-Türme (1986) und das Holiday Inn-Hotel (1983).

Musik und Film

In den 1980er Jahren avancierte Sarajevo zu einem Zentrum der jugoslawischen Pop- und Rockmusik. „Bijelo dugme“, die bekannteste jugoslawische Band oder „Zabranjeno pušenje“, die zu den Begründern des sogenannten New Primitivism (Novi primitivizam) gehörten, prägten die jugoslawische Musikszene nachhaltig. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Sarajevo zum Zentrum des traditionellen Sevdalinka Genres. Die Geschichte dieser Richtung, deren Werke meist von unglücklicher Liebe, Sehnsucht und Melancholie handeln, reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück.

1907 wurde das erste Kino in Sarajevo eröffnet, Edison`s American Bioscop.[41] Nach dessen Brand 1912 baute und eröffnete die Familie Valić das Apollo-Kino-Theater und produzierte die ersten einheimischen Filme. Anton Valić filmte auch den Besuch von Franz Ferdinand und die Ausschreitungen nach dem Attentat. In der sozialistischen Periode wurden drei Filmgesellschaften gegründet: Bosna Film, Studio Film und Sutjeska Film. Zahlreiche Filmemacher drehten in der Stadt ihre bekannten Filme, beispielsweise Emir Kusturica (*1954) Sjećaš li se Dolly Bell [Erinnerst du dich an Dolly Bell, 1981] und Otac na službenom putu [Papa ist auf Dienstreise, 1985]. 

Nach dem Bosnien-Krieg haben viele Regisseure die Belagerung von Sarajevo thematisiert. Die Stadt fungierte als Handlungsschauplatz in den Filmen von Dino Mustafić (*1969), Remake (2003), Ademir Kenović (*1950), Savršeni krug [Der perfekte Kreis] (1997) und Jasmila Žbanić (*1974), die 2006 mit Grbavica [Esmas Geheimnis] den Goldenen Bären gewann.

Aus Protest gegen die Belagerung wurde 1995 das Sarajevo Film Festival gegründet, das sich zu einem wichtigen regionalen Ereignis entwickelt hat.

Literatur

Zu den bekanntesten Literatinnen zählen Umihana Čuvidina (1794–1870), die als erste Dichterin auf Bosnisch schrieb, sowie Laura Papo Bohoreta (1891–1942), die ihre Werke auf Ladino, der jüdisch-spanischen Sprache, veröffentlichte.[42] Der spätere Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić (1892–1975) besuchte in Sarajevo das Gymnasium und verfasste dort seine ersten Werke. In der sozialistischen Phase lebten zahlreiche bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der Stadt, darunter Meša Selimović (1910–1982), Izet Sarajlić (1930–2002), Dario Džamonja (1955–2001), Nasiha Kapidžić-Hadžić (1932–1995),Vojka Smiljanić-Đikić (1932–2016), Miodrag Žalica (1926–1992) oder Abdulah Sidran (1944–2024), die der Stadt in ihren Werken ein literarisches Denkmal gesetzt haben. Für den amerikanischen Schriftsteller bosnisch-herzegowinischer Herkunft Aleksandar Hemon (*1964) spielt seine Geburtsstadt eine zentrale Rolle, insbesondere bei der Rekonstruktion einer fragilen Erinnerung an das Leben in der Stadt vor dem Krieg und dem Exil.

Ihre Erfahrungen während der Belagerung Sarajevos verarbeiteten Miljenko Jergović (*1966, 2026 Leipziger Buchpreisträger zur Europäischen Verständigung), Alma Lazarevska (*1957), Marko Vešović (1945-1923), Semezdin Mehmedinović (*1960) und Dževad Karahasan (1953–2023) in ihren Büchern „Marlboro Sarajevo“, „Tod im Museum für Moderne Kunst“, „Der Tod ist ein Meister aus Serbien“, „Sarajevo Blues“ und „Tagebuch der Aussiedlung“. Auch internationale Künstlerinnen und Künstler wie Susan Sontag (1933–2004) und Joe Sacco (*1960) thematisierten die Belagerung in ihren Werken wie „Das Leiden anderer betrachten“ und „Der Fixer“.

Gedächtnis- und Erinnerungskultur

In der Erinnerungskultur Sarajevos spielt das Attentat vom 28. Juni 1914 eine zentrale Rolle. Die Formen des Gedenkens an dieses Ereignis haben sich im Laufe der Zeit, auch abhängig von den jeweiligen politischen Konstellationen, verändert: So wurde das 1917 von österreich-ungarischen Stellen errichtete Sühne-Monument Ende 1918 durch das neu geschaffene Königreich Jugoslawien abgebaut. 1930 wurde an der Lateinerbrücke eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Verschwörer der Mlada Bosna angebracht. Neun Jahre später wurde auf dem orthodoxen Friedhof eine Kapelle den „Vidovdan-Helden” geweiht, in deren Krypta die Gebeine der am Attentat Beteiligten umgebettet wurden. Unmittelbar nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Jahr 1941 wurde die Gedenktafel an der Lateinerbrücke von einer Gruppe jugoslawischer Volksdeutscher unter Aufsicht von Wehrmachtsoffizieren entfernt und als Geburtstagsgeschenk an Adolf Hitler geschickt. Nach der Befreiung Sarajevos durch die Tito-Partisanen am 6. April 1945 wurde am Ort des Attentats eine neue Gedenktafel angebracht und die Brücke später nach Gavrilo Princip benannt.

Ein weiterer wichtiger Referenzpunkt der städtischen Erinnerungskultur ist der 6. April. An diesem Tag begann 1941 der Zweite Weltkrieg in Jugoslawien mit der Bombardierung Belgrads/Beograds und des nahegelegenen Rajlovac. Vier Jahre später, am 6. April 1945, befreiten Truppen der Volksbefreiungsarmee Sarajevo von der deutschen Besatzung und den Ustascha. Zudem begann einen Tag vor dem 6. April 1992 die Belagerung von Sarajevo. Seit 1956 wird der 6. April-Preis jährlich von der Stadtversammlung von Sarajevo an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Entwicklung der Stadt verdient gemacht haben. 

4. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Johann v. Asbóth: Bosnien und die Herzegowina. Reisebilder und Studien, Wien 1888.
    Robert J. Donia: Sarajevo: A Biography. London 2006.
  • Emily Gunzburger Makaš: Sarajevo. In: Dies., Tanja Damljanovic Conley (Hg.): Capital Cities in the Aftermath of Empires Planning in Central and Southeastern Europe. London 2010, S. 241–257.
  • Emily Greble: Sarajevo, 1941–1945. Muslims, Christians, and Jews in Hitler’s Europe. New York 2011.
  • Miljenko Jergović: Die unerhörte Geschichte meiner Familie. Frankfurt/M. 2017.
  • Miljenko Jergović: Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro remastered. Erzählungen. Frankfurt/M. 2024.
  • Holm Sundhaussen: Sarajevo. Die Geschichte einer Stadt. Wien u. a. 2014.
  • Maximilian Hartmuth: Between Vienna and Istanbul: Imperial Legacies, Visual Identities, and ‘Popular’ and ‘High’ Layers of Architectural Discourse in/on Sarajevo, c. 1900 and 2000. In: Ders., Tea Sindbaek (Hg.): Images of Imperial Legacy. Modern Discourses on the Social and Cultural Impact of Ottoman and Habsburg Rule in Southeast Europe. Berlin 2011, S. 79–104.
  • Barbara Demick: Die Rosen von Sarajevo: Eine Geschichte vom Krieg. München 2012 (Original: Logavina Street: Life and Death in a Sarajevo Neighborhood. Kansas City 1996).
  • Semezdin Mehmedinović: Sarajevo Blues. San Francisco 1998.
  • Mary Sparks: The Development of Austro-Hungarian Sarajevo, 1878-1918: An Urban History. London u. a. 2014.

Weblinks

Anmerkungen

[1] Robert Hofmann: Okolište 2 – Untersuchungen zu einer spätneolithischen Siedlungskammer in Zentralbosnien. Bonn 2013 (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 234). S. 23–24.
[2] Holm Sundhaussen: Sarajevo. Die Geschichte einer Stadt. Wien u. a. 2014, S. 21.
[3] Behija Zlatar: Zlatno doba Sarajeva. XVI stoljeće [Sarajevos goldenes Zeitalter. Das 16. Jahrhundert]. Sarajevo 1996, S. 29.
[4] Francine Friedman: Like Salt for Bread: The Jews of Bosnia and Herzegovina. Leiden 2021, S. 97–101.
[5] Robert J. Donia: Sarajevo: A Biography. Ann Arbor, Mich. 2006, S. 34.
[6] Sabina Ferhadbegović: Projections and Representations of Statehood. In: Włodzimierz Borodziej, Sabina Ferhadbegović, Joachim von Puttkamer (Hg.): The Routledge History Handbook of Central and Eastern Europe in the Twentieth Century: Volume 2, Statehood. London 2020, S. 1.
[7] Sundhaussen: Sarajevo, S. 200.
[8] Imre Ress: Versuch einer Nationenbildung um die Jahrhundertwende. Benjámin Kállays Konzeption der bosnischen Nation. In: Endre Kiss, Justin Stagl (Hg.): Nation und Nationenbildung in Österreich-Ungarn 1848–1938. Prinzipien und Methoden. Wien 2006 (Soziologie: Forschung und Wissenschaft 21), S. 59–72.
[9] Mehr über die Attentäter bei Christopher Clark: The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914. London 2012, S. 49ff.
[10] Heiner Grunert: The Inner Enemy: The Habsburg State and its Serb Citizens in Herzegovina 1913–1918. In: Mark Cornwall (Hg.): Sarajevo 1914. Sparking the First World War. London 2020, S. 253–273.
[11] Donia: Sarajevo, S. 130.
[12] Sabina Ferhadbegović: Prekäre Integration. Serbisches Staatsmodell und regionale Selbstverwaltung in Sarajevo und Zagreb 1918–1929. München 2008 (Südosteuropäische Arbeiten 138), S. 248.
[13] Bei dem Luftangriff wurde auch die sephardische Synagoge Il Kal Nuevu beschädigt. Siehe Friedman: Like Salt, S.376.
[14] Emily Greble: Sarajevo, 1941–1945. Muslims, Christians, and Jews in Hitler’s Europe. Ithaka 2011, S. 238. 
[15] Einerseits gab es Forderungen der Sarajevoer Autonomisten, die Aktivitäten der Ustascha zu beenden. Andererseits wurde die Schaffung eines autonomen Gebildes, unter dem Namen „Gemeinde Bosnien“ mit Sitz in Sarajevo gefordert. Hierfür suchte man die Unterstützung des NS-Regimes in Berlin. Im Zuge dessen schlossen sich zahlreiche muslimische Bosnier den verschiedenen Einheiten von Wehrmacht und SS an.  Greble: Sarajevo, S. 126–127.
[16] Cetin Onder: 1941 Resolutions of El-Hidaje in Bosnia and Herzegovina as a Case of Traditional Conflict Transformation. In: European Journal of Economic and Political Studies 3 (2010), 2, S. 73–83.
[17] Donia: Sarajevo, S. 210; Alexander Korb: Im Schatten des Weltkriegs: Massengewalt der Ustaša gegen Serben, Juden und Roma in Kroatien 1941–1945. Hamburg 2013, S. 200–202.
[18] Final report of the United Nations Commission of Experts established pursuant to security council resolution 780 (1992) Annex VI - part 1 Study of the battle and siege of Sarajevo. URL: web.archive.org/web/20010222115037/http://www.ess.uwe.ac.uk/comexpert/ANX/VI-01.htm (überprüft am 13.10.2021).
[19] Ondřej Žíla: The Flight of Serbs from Sarajevo: Not the Dayton Agreement’s First Failure, but its First Logical Consequence. In: Nationalities Papers 49 (2021) 5, S. 967–985
[20] Die Ergebnisse der Volkszählung in Bosnien und der Hercegovina vom 10. Oktober 1910, Sarajevo 1912, S. XVI.
[21] Die Ergebnisse der Volkszählung in Bosnien und der Hercegovina vom 10. Oktober 1910. Sarajevo 1912, S. XLI.
[22] Savezni zavod za statistiku (Hg.): Population by Ethnic Nationality. Final Results of the Population Census of March 15th 1948. Volume IX. Stanovništvo po narodnosti Konačni rezultati popisa stanovništva od 15 marta 1948 godine Knjiga IX [Bevölkerung nach nationaler Zugehörigkeit nach endgültigen Ergebnissen der Bevölkerungszählung vom 15. März 1948]. Beograd 1954, S. 431.
[23] Federalni zavod za statistiku (Hg.): Popis stanovništva, domaćinstava/kućanstava i stanova u Bosni i Hercegovini 2013. godine / Census of Population, Households and Dwellings in Bosnia and Herzegovina 2013, hier nach www.statistika.ba (überprüft am 18.10.2021).
[24] Die Ergebnisse der Volkszählung in Bosnien und der Hercegovina vom 10. Oktober 1910. Sarajevo 1912, S. L. Nach Ergebnissen der Volkszählung lag die Relativquote der Deutschen innerhalb der städtischen Bevölkerung bei 10-11%, was für Sarajevo in etwa 5.451 Menschen bedeuten würde, S. LI. Siehe auch Carl Bethke: Bosnien und Herzegowina.
[25] Carl Bethke: Chapter 6 The Bosnische Post: A Newspaper in Sarajevo, 1884–1903. In: Markian Prokopovych, Carl Bethke, und Tamara Scheer (Hg.), Language Diversity in the Late Habsburg Empire. Leiden 2019, S. 87–114, hier S. 87–89. doi: doi.org/10.1163/9789004407978_007 (überprüft am 03.09.2024).
[26] Carl Bethke: Chapter 6 The Bosnische Post: A Newspaper in Sarajevo, 1884–1903. In: Markian Prokopovych, Carl Bethke, und Tamara Scheer (Hg.), Language Diversity in the Late Habsburg Empire. Leiden 2019; doi: doi.org/10.1163/9789004407978_007 (überprüft am 03.09.2024).
[27] Mirjana Stančić: Verschüttete Literatur: Die deutschsprachige Dichtung auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien von 1800 bis 1945. Wien [u.a] 2013, S. 124-125.
[28] Tomislav Išek: Djelatnost Kulturbunda i Folksdojčera [Die Tätigkeit des Kulturbundes und der Volksdeutschen]. In: Nisim Albahari (Hg.), Sarajevo u revoluciji [Sarajevo während der Revolution], Bd. 2, Sarajevo 1977, S. 282. 
[29] Historische Studien zu deutschen Akteuren und ihrer Beteiligung an der NS-Besatzung in Sarajevo sind kaum vorhanden. In älteren jugoslawischen Studien werden vereinzelt Akteure wie Gördes und Naschold genannt, häufig mit dem Hinweis auf deren Tätigkeit für den nationalsozialistischen Sicherheitsdienst (SD). Nedim Šarac: Uslovi i pravci razvoja Narodnooslobodilačkog pokreta u Sarajevu od novembra 1943. do aprila 1945. godine [Die Bedingungen und die Richtungen der Entwicklung der Volksbefreiungsbewegung in Sarajevo vom November 1943 bis April 1945]. In: Nisim Albahari (Hg.), Sarajevo u revoluciji [Sarajevo während der Revolution], Bd. 4, Sarajevo 1981, S. 19–20.
[30] Enver Redžić: Bosnia and Herzegovina in the Second World War. London / New York 2006, S. 6–12. 
[31] Carl Bethke: Bosnien und Herzegowina. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2015. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32623 (Stand 17.01.2022).
[32] Vladimir Geiger: Skica za povijest Nijemaca i Austrijanaca u Bosni i Hercegovini, s posebnim osvrtom na njihovu sudbinu tijekom Drugoga svjetskog rata i u poraću [Ein Überblick über die Geschichte der Deutschen und Österreicher in Bosnien und Herzegowina, mit besonderem Schwerpunkt auf ihrem Schicksal während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit]. In: Hercegovina, 26 (2015) 1, S. 265–297, hier S. 281–283. doi.org/10.47960/2712-1844.2015.1.265 (überprüft am 18.10.2024).
[33] Florian Riedler: Segregation oder gemeinschaftliches Zusammenleben? Vom Umgang mit Vielfalt in der osmanischen Stadt. In: Moderne Stadtgeschichte 1 (2018), S. 39–52.
[34] Iljas Hadžibegović: Postanak radničke klase u Bosni i Hercegovini i njen razvoj do 1914. godine [Die Entstehung der Arbeiterklasse in Bosnien und Herzegowina und ihre Entwicklung bis 1914]. Sarajevo 1980, S. 42–43.
[35] Sundhaussen, Sarajevo, S. 264.
[36] Kraljevina Jugoslavija: Definitivni rezultati popisa stanovništva od 31. marta 1931. godine [Die endgültigen Ergebnisse der Bevölkerungszählung vom 31. März 1931]. Bd. 2. Beograd 1938, S. 41.
[37] Konačni rezultati – Popis 2013, hier nach www.statistika.ba (überprüft am 18.10.2021).
[38] Jakob Finci, Nenad Gavrić: The Sarajevo Haggadah. Sarajevo 2011.
[39] Nedad Memić: Entlehnungen aus dem österreichischen Deutsch in der Stadtsprache von Sarajevo. Frankfurt/Main 2006.
[40] Emily Gunzburger Makaš: Sarajevo. In: Dies., Tanja Damljanovic Conley (Hg.): Capital Cities in the Aftermath of Empires. Planning in Central and Southeastern Europe. London 2010, S. 251–267, hier S. 252.
[41] Karl Kaser: Under the Banner of Pathé: Cinema in the Balkans in its Formative Years (1896–1912). In: Contemporary Southeastern Europe, 4 (2017) 2, S. 25–47, hier S. 33.
[42] Magdalena Koch: Lost–Regained–Revised: Laura Papo Bohoreta, Sephardic Women in Bosnia, and Transcultural Survival Strategies in Memory. In: Studia Judaica 21 (2018) 1, S. 7–30.







 

 

 

Zitation

Sabina Ferhadbegović: Sarajevo. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. 2025. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32242 (Stand 12.12.2025).

(Stand: 10.02.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32242
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