Sächsisch-Polnische Union
1. Definition
Die Sächsisch-Polnische Union (auch Sachsen-Polen genannt) vereinte zwischen 1697 und 1763 das Kurfürstentum Sachsen und die Polnisch-Litauische Adelsrepublik (poln. Rzeczpospolita Obojga Narodów). Träger der Personalunion, die nach Plänen der Wettiner in eine Realunion überführt werden sollte, waren die Wettinerfürsten Friedrich August I. (1670–1733) und sein Sohn Friedrich August II. (1696–1763), die nach ihrer jeweiligen Wahl zum polnischen König und Großfürsten von Litauen im Jahr 1697 bzw. 1734 als August II. (August der Starke) und August III. in den beiden Hauptstädten Warschau und Dresden regierten.
2. Toponymie
Deutsche Bezeichnung
Die Sächsisch-Polnische Union, die Sächsisch-Polnisch-Litauische Union, Polen-Sachsen, Ära der Wettiner, das Augusteische Zeitalter
Anderssprachige Bezeichnungen
Poln. Unia polsko-saska; engl. United Kingdom of Saxony and Poland; Polish-Lithuanian Commonwealth; The Polish-Lithuanian Commonwealth and Electoral Saxony; franz. L’Union Polono-Saxonne; lit. Lietuvos, Lenkijos ir Saksonijos Unija; lat. Unio (Personalis) Saksoniae et Poloniae (et Magni Ducatus Lithuaniae)
3. Historische Geographie
Lage
Die Sächsisch-Polnisch-Litauische Personalunion[1] vereinte zwischen 1697 und 1763 – mit einer kurzen Unterbrechung (1706–1709) – zwei geographisch voneinander getrennte Territorien in Mittel- und Osteuropa. Die fehlende Landbrücke galt auch als Symbol für die wirtschaftlichen, kulturgeschichtlichen und mentalen Unterschiede. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung vor der Union nahm Sachsen eine Fläche von etwa 35.000 km2 ein, Polen-Litauen umfasste ca. 729.000 km2. Das häufig Grenzveränderungen unterworfene Territorium der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik umfasste zur Zeit seiner größten Ausdehnung Gebiete folgender Nachfolgestaaten: Polen, Deutschland, Litauen, Lettland, Belarus, Russland, Ukraine, Estland, Moldau.
Topographie
Die sächsischen Landschaften reichen vom Erzgebirge im Süden bis in die norddeutsche Tiefebene (bei Jüterbog), von der Werra im Westen bis zur Lausitz und der Grenze zu Niederschlesien im Osten. Die Polnisch-Litauische Union (poln. Rzeczpospolita Korony Polskie i Wielkiego Księstwa Litewskiego) reichte von der Ostsee im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden, von der Grenze mit Preußen im Westen und Russland (Smolensk) im Osten, sie vereinigte das Königreich Polen (poln. Królestwo Polskie) mit dem Großfürstentum Litauen (poln. Wielkie Księstwo Litewskie) zu einem der größten Flächenstaaten Europas.
4. Geschichte und Kultur
Gebräuchliche Symbolik
Die 1697 von Johann Friedrich Klemm (1680–1755) angefertigte Krone von August dem Starken, symbolisierte die Sächsisch-Polnische Union: zwei Staaten unter einer Krone. Das Wappen vereint heraldisch den goldgekrönten weißen Adler auf rotem Schild und den geharnischten litauischen Reiter (Vytis, dt. der Verfolge) auf einem galoppierenden Schimmel mit einem für Polen-Litauen stehenden Doppelkreuz mit dem grünen Rautenkranz und den Kurschwertern für Sachsen. Flagge und Banner sind in zwei waagerechten Streifen in den polnischen Farben Rot (Blut) und Weiß (Reinheit) gehalten, auf dem Brustschild befindet sich der goldene polnische Adler mit den sächsischen Kurschwertern und dem Rautenkranz, Schwert und Zepter in den Klauen haltend. August der Starke und sein Sohn besitzen ein eigenes Wappen: goldgekrönter Adler (Königreich Polen), goldenes Doppelkreuz (Großfürstentum Litauen), gekreuzte rote Schwerter und grüner Rautenkranz (Kursachsen).
Beinamen
Personalunion Sachsen-Polen/Polen-Sachsen; Confoederatio Vistulae et Albis, Augusteisches Zeitalter, Wettiner Zeit in Polen, Sachsenzeit (pol. czasy saskie), Sächsische Nacht (pol. saska noc), Zeit der Finsternis (pol. czas ciemnoty), Marasmus der sächsischen Epoche (pol. marazm epoki saskiej).
Geschichte
Mit der 1697 erfolgten Wahl des sächsischen Kürfürsten Friedrich August I. zu König August II. von Polen begann die Personalunion zwischen dem Kurfürstentum Sachsen und der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik. Nach dem Tod von König Augusts II. im Jahr 1733 konnte sich dessen Sohn Friedrich August II. im sogenannten Polnischen Thronfolgekrieg, von Russland und Österreich unterstützt, gegen Stanislaus (poln. Stanisław) I. Leszczyński (1677–1766) durchsetzen und wurde 1734 als August III. zum König von Polen gewählt. Hoffnungen auf eine Landverbindung zu Polen werden nach den Schlesischen Kriegen (1740–1742 und 1744–1745) nicht erfüllt. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) kam das unterlegene Sachsen unter preußische Verwaltung, große Zerstörungen warfen Sachsen in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung zurück, im Frieden von Hubertusburg (15. Februar 1763) verlor das Kurfürstentum Sachsen die polnische Königskrone. August der Starke wurde am 1. Februar 1733 auf dem Wawel in Krakau/Kraków bestattet, sein Herz in der Königsgruft der Wettiner in der Katholischen Hofkirche (die heutige Kathedrale) zu Dresden aufbewahrt. Hier wurde auch sein Sohn beigesetzt.
Die Entwicklung nach 1763
Der sächsische Kurfürst Friedrich August (1750–1827), „der Gerechte“ genannt, Enkel Augusts III., regierte von 1806 bis zu seinem Tode als erster, von Napoleon ernannter König Sachsens. 1791 wurde er vom Warschauer Reichstag (pol. Sejm) zum Nachfolger des polnischen Königs Stanislaus (pol. Stanisław) II. bestimmt, lehnte dies jedoch ab. Nach dem Frieden von Tilsit/Sovetsk amtierte Friedrich August von 1807 bis 1815 als Herzog von Warschau/Warszawa. Nach der Föderation von Targowica (1792), der dritten Teilung Polens (1795) und den niedergeschlagenen polnischen Aufständen von 1830 (Novemberaufstand) und 1863 (Januaraufstand) wurde Sachsen zu einem Exilland für polnische Patrioten.[2]
Verwaltung
Zunächst existierten in der Personalunion voneinander getrennte Verwaltungsstrukturen mit einer sächsischen und einer polnischen Kanzlei, mit separaten Gesetzen, Armeen und Finanzen. Die königliche Macht des zwischen den beiden Hauptstädten pendelnden Königs war durch die Stände in Sachsen und durch die Verteidigung der „goldenen Freiheiten“ (pol. złota wolność) des polnischen Adels in Polen-Litauen eingeschränkt. Ohne Zustimmung des Reichstags (pol. sejm) und des verhängnisvollen „liberum veto“ konnte in Polen kein Gesetz erlassen werden. Während der Herrschaft der Wettiner wurden Staatswesen und Administration der Union unter Nutzung des sächsischen Verwaltungsapparats bzw. sächsischer Verwalter, modernisiert. Die eingesetzte „große Kommission der beiden Nationen“ aus überwiegend ausländischen Beratern, welche die Finanz- und Steuerkontrolle durchführen sollte, scheiterte am Widerstand der Stände und des polnisch-litauischen Adels. Dafür hatten einflussreiche Günstlinge und Minister (wie Graf Heinrich von Brühl, 1700–1763) großen Einfluss auf die Verwaltung und die Regierungsgeschäfte; eine für die Union avisierte Rechtsvereinheitlichung scheiterte. Der Reorganisation der Verwaltung diente 1697 die Einrichtung eines Statthalters und eines Generalrevisionskollegiums, 1703 folgte das Generalakzise-Kollegium, 1706 das Generalkriegsgericht. Zu den obersten Regierungsbehörden der Sächsisch-Polnischen Personalunion gehörte das sich am 1. Juli 1706 als höchste Macht im Staate konstituierende und 1831 aufgelöste Geheime Kabinett mit Departements für Außen- und Finanzpolitik, gefolgt von der Kanzlei für sächsisch- polnische Angelegenheiten. 1707 folgte eine Oberrechenkammer und ein Oberrechnungskollegium zur Regulierung der Finanzen. 1724 wurden die „Konstitutionen“ von 1572 durch den „Codex Augusteus“ mit entsprechenden Gesetzen und Verordnungen ersetzt. Unter August III. als polnischem König wurde 1746 das Amt des Premierministers eingeführt.
Bevölkerung
Auf Grundlage der vorhandenen Adels- und Steuerregister bzw. Güterinspektionen (pol. lustracje) und Kirchenbücher sind zuverlässige Aussagen über den Bevölkerungsstand nicht möglich. Erst nach dem Ende der Union gab es erste systematische Zählungen. Sachsen gehörte mit einer weitgehend deutschen Bevölkerung von ca. 1,2 bis 1,5 Millionen (1700)[3] zu den am dichtesten besiedelten Ländern Europas. Die sorbische Bevölkerung wurde als Teil der sächsischen Untertanen gesehen, zunehmend setzte sich in der Lausitz die deutsche Verwaltungssprache durch. Bedingt durch die Gegenreformation wanderten protestantische Exulanten aus den habsburgischen Kronländern (Böhmen und Mähren) und Schlesien nach Sachsen ein (Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine 1722). Aschkenasische Juden, eine kleine Minderheit in Sachsen, stellten in Polen-Litauen einen wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung dar. Das multiethnisch geprägte Großreich Polen-Litauen zählte etwa acht bis zwölf Millionen Einwohner. Zu den größten Minderheiten gehörten Juden, Ruthenen (Ukrainer, Belarussen), Deutsche, Armenier und Tataren. Etwa sechs Prozent der Bevölkerung Polen-Litauens waren Adlige, in Sachsen dagegen weniger als ein Prozent.
Wirtschaft
Nach dem Vorbild Frankreichs wurden Versuche unternommen ein merkantiles Wirtschaftssystem für die heterogene Wirtschaften in der Union aufzubauen. In Sachsen gab es spezialisierte Manufakturen, eine effiziente Textil- und Rüstungsindustrie, Bergbau, Buchdruck und Landwirtschaft. Polen-Litauen war weitgehend agrarisch geprägt mit einem starken Export von Getreide, Vieh- und Forsterzeugnissen; das Land diente auch als Rohstoffquelle. Zahlreiche augusteische Wirtschaftsreformen förderten Handwerk, Handel, Gewerbe, Bergbau, Land- und Forstwirtschaft. Die Modernisierung der Infrastruktur betraf grenzüberschreitend den Ausbau von Straßen, den Handel und die landesweite Errichtung von Postmeilensäulen. August der Starke betätigte sich selbst als Unternehmer (Olbernhauer Waffenschmiede) und förderte den Handel, das Manufakturwesen und Kunsthandwerk. Die 1710 gegründete „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur Meißen“ gehört zu den gegen 30 von ihm in der Zeit von 1694 bis 1733 gegründeten Manufakturen, die von einem 1703 ins Leben gerufenen „Kommerzienkollegium“ zeitweise kontrolliert wurden. Eine wichtige Geldquelle waren in Sachsen die Silber- und Erzbergminen. Der 1728 geschlossene Handelsvertrag mit Preußen beendete den Zollkrieg mit Brandenburg-Preußen, das sächsisch-polnische Zollabkommen (poln. Polsko-Saska Konwencja Celna, 1729) und das Handelsabkommen mit Österreich (1758) begünstigen den Warenaustausch. Das an der Kreuzung zweier alter Handelswege (Reichsstraße/Via Imperii und Königstraße/Via Regia) liegende Leipzig entwickelte sich zu einem europäischen Handels- und Messezentrum. Hier wurden ab 1698 auch sächsische und polnische Reichsmünzen geprägt, 1699 folgt die Gründung der Depositenbank und 1703 die Generalakzise-Inspektion als oberste Steuerbehörde. Eine gemeinsame sächsisch-polnische Finanzpolitik sollte durch die Gründung der Sächsischen Kammer (pol. Kamera Saska) 1707 erreicht werden. Unter August II. kam es im Zusammenhang mit dem Ausbau der polnischen Wirtschaft und Infrastruktur (u. a. die „Königliche Reiseroute“), zu einem wechselseitigen, intensivierten Wirken von Kaufleuten, Handwerkern, Musikern und Architekten. Nach der Abschaffung der Leibeigenschaft in Polen zogen polnische Saison- und Landarbeiter nach Sachsen („Sachsengänger“); es entstand die Bezeichnung „nach Sachsen gehen“ (pol. na Saksy), ein Begriff, der bis heute für Saisonarbeit bzw. Arbeitsmigration verwendet wird. Zahlreiche Vorhaben der Wettiner konnten erst durch den polnischen Reformkönig Stanisław II. August Poniatowski (1732–1798) realisiert werden.
Militärgeschichte
Als König von Polen beteiligt sich August der Starke am Nordischen Krieg (1700–1721), um die Vormachtstellung Schwedens im Ostseeraum zu brechen. Nach der Niederlage der russischen Armee bei Narwa/Narva unterlag 1702 das sächsisch-polnische Heer bei Krakau den schwedischen Truppen. Im polnischen Thronfolgekrieg (1733–1738), auch Erbfolgekrieg genannt, griff Frankreich militärisch im Krieg mit dem Heiligen Römischen Reich unter Kaiser Karl VI. zugunsten des polnischen Magnaten, Stanislaus (poln. Stanisław) Leszczyński (1677–1766) ein. Nach der militärischen Niederlage 1704 bei Pułtusk ließ König Karl XII. von Schweden (1682–1718) Stanislaus Leszczyński (1677–1766) zum König von Polen ausrufen. Nach dem Sieg des russischen Zaren Peter I. (1672–1725) in der Schlacht von Poltawa (1709) erhielt das Haus Wettin 1717 vom „Stummen Reichstag“ (poln. Niemy Sejm) die polnische Krone zurück, August III. wurde als König von Polen bestätigt. Er führte Sachsen in den verheerenden Siebenjährigen Krieg (1756–1763), die sächsische Armee kapitulierte 1756 kampflos. Nach der preußischen Besetzung Dresdens (1756) floh der „stille König“ mit seinem Hof nach Warschau, überließ die Armeeführung und Außenpolitik weitgehend seinem (Premier-)Minister, Heinrich Graf von Brühl (1700–1763). Mit dem Tod des sächsisch-polnischen Königs August III. endete die Zeit der Sächsisch-Polnischen Union. Sein Nachfolger wurde Stanisław August Poniatowski (1732–1798). Zur gemeinsamen sächsisch-polnischen Militärgeschichte gehört auch der „königlich polnische und kurfürstlich-sächsische Generalfeldmarschall“ und einflussreichste Minister unter August dem Starken, Jacob Heinrich von Flemming (Jakub Henryk Flemming). Ihm kam eine Schlüsselrolle in der militärischen Verbindung zwischen den sächsischen und polnischen Truppen zu. Die Militärgeschichte jener Zeit wurde maßgeblich geprägt von Versuchen, in Polen ein sächsisches Heer zu etablieren, um die königliche Macht gegen den polnischen Adel zu festigen. Der polnische Nationalheld Jan Henryk Dąbrowski (Johann Heinrich Dombrowski, 1755–1818), der in Sachsen (Hoyerswerda, Kamenz) aufwuchs, begann seine militärische Laufbahn in der Sächsischen Armee (1769–1792). Er diente u. a. als Rittmeister in der Eliteeinheit „Garde du Corps“ (Leibgarde) des Kurfürsten Friedrich August von Sachsen (1750–1827) und gehörte der sächsischen Eliteeinheit und Leibgarde an. Unter Napoleon führte Dąbrowski in der Armee des Herzogtums Warschau (1807–1815) das Kommando. Nach dem Tod von Fürst Józef Antoni Poniatowski bei Leipzig wurde er Oberbefehlshaber der gesamten polnischen Armee. Gemeinsam mit den sächsischen Einheiten kämpfte die polnische Armee auch im Russlandfeldzug von 1812.
Umfassende Reformen zur Modernisierung des Militärwesens wurden in Angriff genommen. Das „Große Campement“ der Armee Augusts des Starken galt mit einer grandiosen Truppenschau und einem prunkvollen Fest (31. Mai – 28. Juni 1730) als Höhepunkt sächsischer Machtdarstellung, als das prächtigste „Spektakel des Jahrhunderts“ überhaupt, an dem 30.000 Soldaten und 6.000 Gäste, darunter der preußische König Friedrich Wilhelm I., teilnahmen. Seit 2022 wird das „Große Campement“ jährlich als historisches Militärlager und Darstellung barocker Lebensart als „Zeithainer Lustlager“ nachgespielt. Auch das 1732 im festlichen Rahmen durchgeführte „Campement“ bei Czerniaków (pol. Obóz pod Czerniakowem) bei Warschau erinnerte, den Umfang und die pompöse Inszenierung betreffend, an das „Zeithainer Lustlager“.
Kultur und Gesellschaft
Die Zeit der Union war gekennzeichnet von einem intensiven kulturellen Austausch, mannigfaltigen gesellschaftlichen Verbindungen und engen Verknüpfungen der höfisch-adligen Kultur. Beamte, Künstler, Musiker, Architekten, Handwerker und Gelehrte dienten in beiden Teilen der Union. Die vormoderne Gesellschaft gliederte sich in Sachsen in Stände, neben dem Hochadel war in Polen-Litauen der niedere und mittlere Landadel (pol. Szlachta) mit Rittergütern und Gutshöfen stark vertreten. Der aus Bürgern, Kaufleuten und freien Bauern bestehende dritte Stand spielte in Sachsen eine weitaus stärkere Rolle als in Polen. Die polnische Schlachta (pol. Szlachta) und die Magnaten schränkten durch Konföderationen (u. a. die Konföderation von Tarnogród, 1715) die königliche Macht stark ein und versuchten weitreichende Reformen zu verhindern. August III. war ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber und Förderer der Künste, Kultur, Literatur und Wissenschaften. Unter seiner Herrschaft erlebte die Sächsisch-Polnische Union eine einmalige kulturelle Blüte. So wurden die beiden Hauptstädte Dresden und Warschau zu Zentren der europäischen Kunst, Kultur und Musik; die Dresdner Hofoper, die „Capell- und Cammermusique“ erlebten eine bis dahin nicht gekannte Blütezeit. In die Zeit der Union fielen in Polen die Gründung der Akademie der Wissenschaften (poln. Akademia Nauk) und die Eröffnung der Warschauer Bibliothek (poln. Biblioteka Załuskich), die 1747 durch die Brüder Załuski gegründet wurde. Die besonderen sächsisch-polnischen Beziehungen beschränkten sich nicht allein nur auf die reale Zeit der Union, vielmehr kommt den Langzeitwirkungen eine besondere, vor allem gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung für die deutsch-polnischen Beziehungen zu. So fasste der „Große Sejm“ (pol. Wielki Sejm) nach dem Ende der Union den in der Verfassung vom 3. Mai 1791 festgehaltenen Beschluss, den polnischen Thron erblich durch sächsische Kurfürsten zu besetzen.
Religions- und Kirchengeschichte
Die zunächst geheim gehaltene Konversion des sächsischen Kurfürsten zum Katholizismus am 1. Juni 1697 in Baden bei Wien, war ein politisches Kalkül und eine notwendige Bedingung für die Krönung zum König von Polen am 26./27. Juni 1697 in Warschau. Die Wettiner agierten von nun an als Doppelherrscher, sie förderten den Katholizismus in Polen, blieben als Kurfürsten von Sachsen aber auch weiterhin nominell Oberhaupt der sächsischen evangelisch-lutherischen Landeskirche. In Sachsen gewann der Katholizismus vermehrt am Hofe an Einfluss; es wurden Hofkapellen errichtet, nachfolgend wurde die Katholische Hofkirche in Dresden gebaut (1751), in der sich die historische Grabstätte der Kurfürsten und Könige von Sachsen (Wettiner-Gruft) befindet. Der Protestantismus blieb in Polen vornehmlich auf Danzig/Gdańsk und den Königlich-Preußischen Teil (pol. Prusy Królewskie) beschränkt. Mit dem „Religionsversicherungsdekret“ von 1697 garantierte August der Starke seinen evangelischen Untertanen, dass sein Übertritt zum Katholizismus für sie keine negativen Folgen im religiösen wie rechtlichen Sinne haben werde. Dennoch erzwangen die sächsischen Stände protestantische Vorrechte; 1717 und 1718 verlangten sie Garantien für den lutherischen Glauben. Die Teilnahme am sächsischen Landtag wurde auf evangelische Mitglieder, im polnischen Sejm lediglich auf katholische beschränkt. Die Einweihung der Katholischen Hofkirche in Dresden musste unter Militärschutz stattfinden, in Polen kam es zu antiprotestantischen Rebellionen (Thorner Tumult von 1724). Ende der 1740er Jahre wurde allgemeine Glaubensfreiheit zugesichert, die rechtliche Gleichstellung der Katholiken in Sachsen erfolgt allerdings erst Anfang des 19. Jahrhunderts.
Besondere kulturelle Institutionen
Zu den wichtigsten kulturellen Institutionen gehörte das 1710 durch August dem Starken in Warschau gegründete „Sächsische Bauamt“ (pol. Saksoński Urząd Budowlany) als Teil des neu geschaffenen Verwaltungsaufbaus. Es wurde vertreten durch die Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann (1662–1736), Zacharias Languelune (1669–1748) und Johann Christoph Knöffel (1686–1752). Zentrale Aufgabe war der Ausbau der polnischen Hauptstadt nach dem Vorbild des barocken Dresdens, so u. a. der Bau der „Sächsischen Achse“ (Oś Saska).
Die bereits 1560 in Dresden gegründete kurfürstliche Kunstkammer war die Vorgängerin der ab 1724 öffentlich zugänglichen „Dresdner Gemäldegalerie“. Eine bedeutende Erweiterung der Kunstsammlungen erfolgte durch August den Starken und dessen Sohn mit der „Kurfürstlichen Rüstkammer“ (1723); der „Erweiterung des Grünen Gewölbes“ (1723–1730), des Kupferstich-Kabinetts (1720) und der Porzellansammlung (1715). Das „Königliche Cabinett der mathematischen und physikalischen Instrumente“ wurde 1728 gegründet. Die „Sächsische Landesbibliothek“ geht auf die erweiterte Hofbibliothek zurück und wurde unter August dem Starken durch den Kauf bedeutender Sammlungen umfassend erweitert und 1788 als „Bibliotheca Electoralis Publica“ für die Öffentlichkeit geöffnet. Aus der 1705 gegründeten „Malerschule“ ging die „Dresdner Kunstakademie“ hervor. Das „Kraszewski-Museum“, im ehemaligen Wohnhaus des in Sachsen von 1863 bis 1885 wirkenden polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski (1812–1887) gegründet, ist heute eine binationale Stätte des deutsch-polnischen Dialogs. Dem „Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.“ in Dresden kommt eine wichtige Stellung in der Erforschung der historischen Verbindungen zwischen Sachsen und Polen zu. Das „Deutsche Historische Institut“ in Warschau (DHI) setzt neue Impulse in der Erforschung der „Sächsisch-Polnisch-Litauischen Personalunion“ im Hinblick auf ihre transnationalen Aus- und Nachwirkungen. Das „Polnische Institut“ (Filiale Leipzig) fördert mit zahlreichen Veranstaltungen den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch.
Bildung und Wissenschaft
Träger einer allgemeinen Bildung waren zunächst die Pfarreien sowie städtische und private Bildungseinrichtungen. Das 1748 in Dresden für die ärztliche Ausbildung gegründete „Collegium medico-chirurgicum“ leistete einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der vornehmlich von kirchlichen Einrichtungen getragenen allgemeinen Gesundheitsfürsorge. In Sachsen erreichte die Bildung mit den sächsischen Fürstenschulen ein hohes Niveau. Die Wissenschaft wurde seinerzeit durch den Naturforscher, Mathematiker und Physiker Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651–1708) und den Pfarrer und Kartographen Adam Friedreich Zürner (1679–1742) repräsentiert, der u. a. den „Atlas Augusteus Saxonicus“ erstellte. Tschirnhaus gilt gemeinsam mit Johann Friedrich Böttger (1682–1719) als Erfinder des europäischen Porzellans. Unter Friedrich August II. wurde die Alma Mater Lipsiensis zu einer europäischen „Pflanzstätte der Wissenschaften“. Hier wirkten polnische Gelehrte wie Michael Abraham Trotz (pol. Michał Abraham Troc, (1689–1769) und Samuel Bogumił Linde (1771–1847). Ab 1696 wurde ein Lektorat für polnische Sprache eingerichtet, aus dem der erste Lehrstuhl für Slawistik entstand. Von Sachsen gingen bedeutende humanistische, bildungsorientierte Impulse aus. Ein wichtiges intellektuelles Zentrum in Polen war die Załuski Bibliothek in Warschau mit zahlreichen auf das Buch- und Verlagswesen bezogenen Initiativen. Zu ihnen gehörten Neuauflagen alter Schriften, die Herausgabe europäischer Literatur in polnischer Sprache, die Herausgabe von gelehrten Zeitschriften, deren Druck zumeist in Leipzig (Druckereien Breitkopf, Weidmann, Gleditsch) erfolgte. Ein wichtiger Vertreter der frühen „Sächsischen Aufklärung“ in Polen war der Philosoph, Schriftsteller, Mediziner, Buchdrucker und Musikwissenschaftler Lorenz Christoph (poln. Wawrzyniec Krzysztof) Mitzler [de Kolof(f)] (1711–1778), der 1743 als Leibarzt dem polnischen Großkanzler Jan Małachowski (1698–1762) nach Polen folgte und zu einem bedeutenden Mittler von Kultur, Literatur und Wissenschaften wurde. 1740 ging aus dem „Piaristenkollegium Warschau“ das „Collegium Nobilium“ hervor, Zentrum der polnischen Aufklärung und Vorläuferin der Universität Warschau (poln. Uniwersytet Warszawski). Der Historiker, Dichter und Übersetzer Fürst Józef Aleksander Jabłonowski (1712–1777) gründete 1774 in Leipzig die bis heute wirkende wissenschaftliche „Fürstlich Jablonowskische Gesellschaft/Societas Jablonoviana“.[i]
Alltagskultur
Deutliche Unterschiede in Sprache, Geschichte, Kultur, Religion, Sitten und Bräuchen zeichneten die Sächsisch-Polnische Union aus. Es verschmolz seinerzeit die sächsische Barockkultur mit der sarmatischen polnisch-litauischen Adelskultur in vielfältigen Verflechtungen, einem regen Reise- und Postverkehr und einem dynamischen Austausch auf dem Gebiet von Verwaltung, Wirtschaft, Handel, Bauwesen, Garten- und Landschaftsarchitektur. Hinzu kommt die Entwicklung des (Kunst-)Handwerks, der Musik, Mode, Kulinarik, der Fest- und Tischkultur, auch durch die Einfuhr sächsischen Porzellans aus Meißen u. a. mit ihren „polnischen Figuren“ und die Garten- und Landschaftsgestaltung. Das königliche Bemühen galt der Verknüpfung der beiden Länder in den auserlesenen Kreisen der Hofgesellschaft auch durch „angebahnte“ Beziehungen und Ehen zwischen sächsischen und polnischen Adligen, Militärangehörigen und Künstlern. Die erlesene Kochkunst des sächsisch-polnischen Hofes, Schnittstelle zwischen französischer, sächsischer, polnischer und böhmischer Kulinarik, war maßgebender Bestandteil der barocken Lebenskultur (Saxe galante). Sie diente als Vorbild für den Adel, für Handelstreibende und das Bürgertum und beeinflusste nachhaltig die Ess- und Trinkgewohnheiten wie auch die Entwicklung einer anspruchsvollen Kaffeehauskultur. Schwarzer Tee, Schokolade, Konditoreierzeugnisse und Bohnenkaffee (koffe) etablieren sich als Genussmittel. 1724 öffnet in der Nähe des Warschauer Sächsischen Gartens (pol. Ogród Saski), das erste „Kafehauz“. 1629 gründete die sächsische Adelsfamilie von Promnitz die „Fürstliche Tyskie Brauerei“ (pol. Tyskie Browary Książęce) in Polen; ihre Mitra fand Eingang in das Brauereiwappen. Der Anbau von Kartoffeln (kartofle), zwar vom polnischen König Jan Sobieski (1629–1696) eingeführt, wurde erst von den Wettinern durch entsprechende agrarpolitische Maßnahmen gefördert und die Ansiedelung sächsischer Bauern durchgesetzt. In Sachsen wurden wiederum polnische Einflüsse vor allem durch die wachsende polnische Gemeinde (Polonia), durch „Hof-Polen“, Adlige, Händler, Militärangehörige, Gelehrte, Studenten deutlich. Polnische Tänze, Musik, Kulinarik, höfische Bräuche, aber auch die „exotische“ polnische adlige Mode. So präsentierte sich August III. in traditioneller polnischer Adelstracht (żupan – ein langer Rock; kontusz – ein langer Mantel mit einem breiten, kunstvollen Gürtel). Es etablierten sich in beiden Teilen der Union polnisch-sächsische Geheimbünde und Freimaurerlogen, oft Orte des gelehrten, intellektuellen und kulturellen Austausches. Nach den polnischen Aufständen von 1830/1831 und 1863/1864 emigrierten viele polnische Aufständische nach Sachsen, die dort zum Teil enthusiastisch begrüßt wurden. In jener Zeit entstanden zahlreiche deutsche „Polenlieder“ (Georg Herwegh, Ferdinand Freiligrath, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben). Aus Begeisterung für die heldenhaften polnischen Patrioten komponierte Richard Wagner seine Ouvertüre „Polonia“.
Kunstgeschichte
Am deutlichsten zeigen sich die Kontakte zwischen Sachsen und Polen in der Kultur, Kunst und Architektur beider Hauptstädte. Dresden gilt mit seinen reichen Kunstsammlungen und seiner (Barock-)Architektur seit Anfang des 19. Jahrhunderts als „Elbflorenz“, Warschau wurde mit prunkvollen Palästen und einem barocken Königshof zu einer repräsentativen Kulturhauptstadt von europäischem Rang. Das 1715 von August II. ins Leben gerufene Königlich-sächsische Bauamt zu Warschau koordinierte alle großen Bauvorhaben wie das städtebauliche Prestigeobjekt der Sächsische Achse (poln. Oś saska): Es entstanden prachtvolle Gebäude wie das „Blaue Palais“ (poln. Błękitny Pałac) und die Prachtstraße Aleje Ujazdowskie. Unter August III. errichtete Pöppelmanns Sohn Carl Friedrich (1697–1750), nach dem Vorbild von Versailles, das „Sächsische Palais“ (poln. Pałac saski) als Residenz für Friedrich August III. (mit Opernhaus, Amphitheater, Orangerie und Schützenhaus). Das Warschauer Königsschloss wurde 1737–1746 durch einen neuen Residenz-Flügel nach Entwürfen des Erbauers der Dresdner Hofkirche, Gaetano Chiaveri (1689–1770), erweitert. 1724–1731 wurde die „Kalvarienarchitektur“ in Ujazdów und 1756–1759 das „Brühlsche Palais“ (pol. Pałac Brühla) erbaut. Berühmt wurden die Veduten Dresdens und Warschaus von Bernardo Bellotto (1720/1721–1780), genannt Canaletto, ebenso wie die Gemälde des italienischen Malers Marcello Bacchiarelli (1731–1818), die sich u. a. wieder im Warschauer Königschloss befinden. Die Warschauer Ansichten entstanden allerdings nicht mehr für August III., sondern für seinen Nachfolger König Stanisław August Poniatowski (1732–1798). Die Barockplastik erreichte mit den für das Königsschloss und die Sommerresidenz Wilanów bestimmten Werken des Hofbildhauers Johann Georg (poln. Jan Jerzy) Plersch (1704–1774) einen Höhepunkt.
Musik und Theater
Auf die 1548 gegründete „Sächsische Cantoreiordnung“ und die „Große Hofkapelle“ aufbauend, erreichte das Musikleben in der Union eine erstrangige Stellung in Europa. Der Hofkapellmeister Johann Christoph Schmidt (1664–1728) gründete 1709–1710 das „Orchestre“ Dresden, an den Fürstenschulen entstanden „Collegia musica“, in den Städten mit Stadtpfeifereien ein bürgerliches Musikleben. An den Höfen der polnisch-litauischen Magnaten entwickelte sich ein eigenes Kunst-, Kultur- und Musikleben. Unter den Reformern Christian Fürchtegott Gellert (1717–1769) und Johann Christoph Gottsched (1700–1766) wurde das Theater des Barocks zur Bühne der Aufklärung. 1719 wurde das „Große Opernhaus“ am Zwinger von Matthäus Daniel Pöppelmann eingeweiht. Zum Zentrum des Musiklebens in Polen wurde das 1748 in Warschau eröffnete „Königliche Opernhaus“ (poln. Operalnia) am Sächsischen Garten mit einem mit Dresden abgestimmten Repertoire. Den Leipziger Komponisten, Musiker und Thomaskantor Johann Sebastian Bach (1685–1750) ernannte August III. zum „Compositeur bey der Königl. Hof Capelle“. Zum sächsisch-polnischen Musikleben gehörte ab 1732 auch die Kapelle Kleine oder Pohlnische Cammer musique. Die von August II. gegründete Königlich Pohlnische Capelle, die Musiker und Sänger aus zahlreichen Ländern vereinte, erlebte 2014 als Neue Pohlnische Capelle (poln. Nova Capella polska) und Notre Orchestre de Pologne deutsch-polnische Neugründungen.
Buch-, Druck- und Mediengeschichte
Unter Friedrich August II. war Leipzig zu einem Zentrum des Buchdrucks geworden. Sächsische Druckereien verfügten mit polnischen Drucklettern über eine entsprechende technische Infrastruktur. Zu ihnen gehörte die 1719 gegründete Druckerei von Bernhard Christoph Breitkopf (1695–1777) und Sohn mit einer eigenen Verlagslinie, zu der auch der Druck polnischer Bücher gehörte, der bis in das 19. Jahrhundert fortgeführt wurde. Dem Beispiel Breitkopfs folgten weitere Druckereien, u.a. das Verlagshaus von Moritz (Mauritz) Georg Weimann (Lebensdaten unbekannt), der 1730 in Warschau eine Filiale gründete. Johann Ludwig Gleditsch (1663-1741) gab u.a. die vier Bände des dreisprachigen Wörterbuchs „Nouveau dictionnaire françois, allemand et polonois“ (1744–1772) von Michał Abraham Trotz (1689–1769) heraus. 1719 wurde in Leipzig der älteste Musikverlag der Welt, ursprünglich ein Buchverlag, Breitkopf & Härtel, gegründet, der auch Werke polnischer Komponisten, u. a. Erstausgaben von Chopin veröffentlichte. Im Jahre 1682 wurde die erste wissenschaftliche Zeitung, „Acta Eruditorum“, ebenfalls in Leipzig, von dem Philosophieprofessor Otto Mencke (1644–1707) herausgegeben, in der u. a. Schriften des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) publiziert wurden. Die „gelehrten Journale“ förderten den Informations-, Ideen- und Wissenschaftstransfer zwischen Sachsen und Polen und verbreiteten aufklärerisches Gedankengut. 1730–1740 erschienen die ersten Universallexika. Die polnischen Sprachmeister an der Universität Leipzig betreuten die Herausgabe polnischer Bücher. Von 1715 bis 1784 erschien die von Johann Gottlieb Krause (1648–1736) initiierte „Leipziger Neue Zeitung von gelehrten Sachen“. Der sächsische Bibliograph und Literaturhistoriker Johann Daniel Jänisch (poln. Jan Daniel Janocki, 1720–1786) war ab 1751 Präfekt (poln. prefekt) der 1747 in Warschau eröffneten Załuski-Bibliothek, die zugleich eine wissenschaftliche Forschungsstätte war. Lorenz Christoph Mizler von [de] Kolof(f), Schüler von Christian Wolff und Johann Christoph Gottsched, eröffnete 1749 eine eigene Buchhandlung in Warschau, der 1756 eine eigene Druckerei sowie Zeitschriften folgten, darunter die „Warschauer Bibliothek“ (1753–1755) und ab 1755 „Acta litteraria regni Poloniae“. Die von ihm ins Leben gerufene erste polnische, in deutscher Sprache erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift „Neue Zeitung von Gelehrten Sachen“ wie auch die „Warschauer Bibliothek“ (1753–1755) wurden in Leipzig gedruckt, die Zeitschrift der polnischen Aufklärung „Monitor“ (1773–1776) ebenso wie die „Acta Litteraria regni Poloniae et Magni Ducatus Lithuaniae“ (1755–1756) dagegen in Warschau. Zu den namhaften Vermittlern im Kulturtransfer zwischen Sachsen und Polen-Litauen gehörte der Buchhändler, Grafiker und Drucker Michael Gröll (pol. Michał Gröll), der mit seinen vielfältigen Aktivitäten weit über die Zeit der Union hinaus wirkte.
Literatur
Die Literatur in der Zeit der Union war politisch und gesellschaftlich gespalten, sie wurde vom Barock in Sachsen, dem polnischen Sarmatismus und der (frühen) Aufklärung geprägt. Zu ihren Vertretern gehörte u.a. der polnische Barockdichter. Wespazjan Kochowski (1633–1700). Politische und gesellschaftliche Themen wurden überwiegend in der Publizistik aufgegriffen. So informierten die in Leipzig und Dresden erscheinenden „Relationen“ und Zeitungsberichte über die polnischen Reichstage (pol. sejmy) und das Leben der Schlachta (pol. szlachta) in Polen.
Neben einer reichen Memoirenliteratur verfassten zahlreiche Schriftsteller auch Lobeshymnen (Panegyrien). Der Historiker und katholische Geistliche Jędrzej Kitowicz (1728–1804) gilt mit seinem Quellenwerk „Opis obyczajów za Panowania Augusta III“ (dt. Beschreibung der Sitten unter der Herrschaftszeit von August III.) als wichtigster Chronist der Herrschaftszeit von August III., während der Pädagoge und Reformer Stanisław Konarski (1700–1773) in der sächsischen Zeit die polnische Anarchie mit dem „liberum veto“ kritisierte und Reformen forderte.
In Sachsen, hauptsächlich in Dresden, entstand in der Zeit der Union eine deutschsprachige Literatur und Publizistik über Polen. Zu ihren Verfassern gehörte der Jurist und Rechtshistoriker Johann Christian Lünig (1662–1740), der u. a. Werke wie den „Codex Augusteus“ (1724) verfasste. Der Diplomat und sächsisch-polnische Minister, Jacob Heinrich von Flemming (1667–1828), schrieb auch über die europäische Politik der Sächsisch-Polnischen Union. Als Exilant nach dem Januaraufstand von 1863 gegen die russische Herrschaft verfasste der polnische Schriftsteller Józef Ignacy Kraszewski (1812–1887) in Dresden drei historische Romane über die Sachsenzeit: „Gräfin Cosel“ (pol. Hrabina Cosel, 1874), „Brühl“ (1875), „Aus dem Siebenjährigen Krieg“ (pol. Z siedmioletniej wojny,1876). Großen Anklang fand die 1985 vom Fernsehen der DDR gedrehte und auf Motiven von Kraszewskis „Trilogie“ aufbauende Serie „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ (1985). In ihrem Roman „Taubenblut. Die Siedler. Eine sächsisch-polnische Familiengeschichte“ (2019) beschreibt Maria Bosri (geb. 1951) Schicksale von nach der Wahl Augusts des Starken in Polen angesiedelten sächsischen Bauern bis hin zum Machtantritt Hitlers. Der zweite Band, „Taubenblut. Die Rückkehr“ (2024) führt die sächsisch-polnische Familiengeschichte von 1939 bis 1949 fort.
Gedächtnis- und Erinnerungskultur
Die Sächsisch-Polnische Union ist im kollektiven Bewusstsein und in der europäischen Gedächtnis- und Erinnerungskultur bis heute präsent. In Sachsen sind etwa 150 Artefakte aus der Zeit der Union erhalten geblieben.[5] Dazu gehört der „Fürstenzug“, eine Ahnengalerie sächsischer Herrscher aus Meißner Porzellan, darunter auch Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke), Friedrich August II. und Friedrich August der Gerechte. Zahlreiche Gebäude, Denkmäler, Residenz- und Verwaltungsgebäude, Wappen und Postsäulen, Museen und Ausstellungen erinnern an die gemeinsame Union im „polnischen“ Dresden und im „sächsischen“ Warschau. Dazu gehören in Dresden die katholische Hofkirche (die heutige Kathedrale) mit Gräbern der Wettiner, darunter das Herz Augusts des Starken in einer silbernen Kapsel, und der Zwinger mit dem Kronentor mit vier polnischen Adlern. Zu den sächsisch-polnischen Erinnerungsorten gehört auch der katholische Friedhof in Dresden Friedrichstadt und der „Alte Annenfriedhof“, auf denen zahlreiche in Sachsen lebende Polen, u. a. der Dichter und Übersetzer Kazimierz Brodziński (1791–1835), ihre letzte Ruhestätte fanden. Zeugen der gemeinsamen Vergangenheit sind die 1721 landesweit errichteten historischen Postmeilensäulen mit dem sächsischen Wappen und dem polnischen Adler, aber auch die „polnischen Rubine“ im Grünen Gewölbe oder die „Steinerne Flammenvase“ in der wiederaufgebauten Frauenkirche. In Warschau gibt es zahlreichen Denkmäler aus der Zeit der Wettinerkönige: die Sächsische Achse, den Sächsischen Garten, das Sächsische Palais oder das Brühlsche Palais.[6] Hinzu kommt der Warschauer Stadtteil Saska Kępa (Sächsisches Werder). Der realisierte Wiederaufbau des Königsschlosses in Warschau nach dem Zweiten Weltkrieg brachte ein Bewusstsein für die „sächsische Zeit“ mit sich, das materielle wie immaterielle Erbe der Union betreffend. Das „polnischen Modell“ inspirierte auch den Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses und des Taschenberg-Palais. Das älteste polnische Ehrenzeichen ist auch heute der von August II. 1709 gestiftete „Orden des Weißen Adlers“ (poln. Order Orła Białego) geblieben, die höchste Auszeichnung Polens für hervorragende zivile und militärische Verdienste. Auf Sachsen als einen traditionell guten Partner und Freund berief sich u. a. im Jahre 1997 der ehemalige polnische Außenminister Władysław Bartoszewski (1922–2015) in einer Rede im Sächsischen Landtag. Die Sachsenzeit hat in Polen zahlreiche Spuren auch in der Sprache hinterlassen, so u. a. in der Redewendung: „Za króla Sasa jedz, pij i popuszczaj pasa!“ (Unter dem König von Sachsen iss, trink und lass den Bauch dir wachsen!), welche sich auf die „Sächsische Zeit“ (czasy saskie) als eine Ära des Müßiggangs, des Niedergangs, der Völlerei und „öffentlichen Finsternis“ (Józef Wybicki), aber auch als Zeit eines gewissen Wohlstands (vor allem des Adels) bezieht.
6. Bibliographische Hinweise
Literatur
- Dresdner Geschichtsverein (Hg.): Der stille König. August III. zwischen Kunst und Politik. Dresdner Hefte Nr. 46, Ausg. 2/1996.
- Hans-Jürgen Bömelburg: Polen in der europäischen Geschichte. Band 2: Frühe Neuzeit. 16. bis 18. Jahrhundert. Stuttgart 2017.
- Ders.: Die Wettiner und die sächsischen Eliten in Polen-Litauen. In: Ronald G. Asch (Hg.): Hannover, Großbritannien und Europa. Erfahrungsraum Personalunion 1714–1837 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 277). Göttingen 2014, S. 118–145.
- Karl Czok: August der Starke und seine Zeit: Kurfürst in Sachsen, König in Polen. (Erstveröffentlichung 1997) Leipzig 2012.
- Ders.: Am Hofes August des Starken. Leipzig 1989.
- Ders.: August der Starke und Kursachsen. Leipzig 1987.
- Andreas Dethloff: Das Wissen des kursächsischen Offiziers im 18. Jahrhundert: zwischen adliger Standesbildung, militärischem Exerzitium und aufgeklärter Kriegswissenschaft. In: Oliver Kann, Michael Schwarz (Hg.): Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit. Potsdam 2021, S. 17–49.
- Jerzy Dygdała: Czasy saskie w poszukiwaniach badawczych XX stulecia (od Władysława Konopczyńskiego do Jacka Staszewskiego) [Die Sachsenzeit in wissenschaftlichen Untersuchungen des 20. Jahrhunderts (von Władysław Konopczyński bis Jacek Staszewski)]. In: Hystoryka. Studia Metologiczne, 53(2023), S. 193–210.
- Reiner Groß: Die Wettiner. Stuttgart 2007.
- Hans-Henning Hahn, Robert Traba (Hg.): Deutsch-Polnische Erinnerungsorte. Band 1: Geteilt / Gemeinsam. Paderborn 2015.
- Johannes Kalisch: Zur Polenpolitik August des Starken1697- bis 1700. Dissertation. Karl-Marx-Universität Leipzig 1957.
- Johannes Kalisch, Józef Gierowski (Hg.): Um die polnische Krone. Sachsen und Polen während des Nordischen Krieges 1700–1721. Berlin 1962.
- Frank-Lothar Kroll, Hendrik Thoß: Zwei Staaten, eine Krone. Die polnisch-sächsische Union 1697–1763. Berlin Brandenburg 2016.
- Peter Oliver Loew: Polnische Spuren in Deutschland. Ein Lesebuchlexikon. Bonn 2018.
- Martin Munke: Glanz und Gloria? Sachsen und Polen in der Unionszeit bei Józef Ignacy Kraszewski. In Sächsische Heimatblätter 2 (62) 2016, Sachsen und Polen, S. 148–154.
- Wolfgang Nicht: Polnische Gedenkorte in Sachsen. In: Sächsische Heimatblätter 2(62) 2016, S. 163–173.
- Jakob Nuhn: Aktuelle polnisch(sprachig)e Perspektiven auf die polnisch-sächsische Union. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte 86(2016), S. 209–2024.
- Adam Perłakowski: The Polish-Lithuanian Commonwealth and Electoral Saxony in the Early Eighteenth Century. In: R.J.W. Evans, Peter H. Wilson: The Holy Roman Empire, 1495–1806: A European Perspective. Leiden 2012, S. 281–291.
- Gunter Pirntke: Kampf Sachsens um die polnische Krone. Dresden 2012.
- Polen und Sachsen – Zwischen Nähe und Distanz. Dresdner Hefte – Beiträge zur Kulturgeschichte 15. Jahrgang, Heft 50 (1997).
- Rex Rexheuser: Die Personalunion von Sachsen-Polen (1697–1763) und Hannover-England (1714–1837). Ein Vergleich. Wiesbaden 2005.
- Miloš Řezník: August der Starke. Guter Mäzen und schlechter König? In: Hans-Henning Hahn, Robert Traba (Hg.): Deutsch-Polnische Erinnerungsorte. Bd. 2. Leiden/Boston 2014, S. 273–293.
- Monika Rosner: August der Starke: Eine Biografie für Kinder. Dresden 2008.
- Werner Schmidt, Dirk Syndram (Hg.): Unter einer Krone. Kunst und Kultur der sächsisch-polnischen Union. Leipzig 1997.
- Jacek Staszewski: Polacy w osiemnastowiecznym Dreźnie. Wrocław 1986. Deutsche Ausgabe: Die Polen in Dresden des 18. Jahrhunderts. Osnabrück 2019.
- Jacek Staszewski: August III. Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Eine Biographie. Berlin 1996.
- André Thieme, Matthias Donath (Hg.): 350 Jahre Mythos August der Starke. Geschichte. Macht. Ihr. Königsbrück 2020.
- Hans-Christian Trepte: Versunkene Wörter, verklungene Wortschätze. Auf der Suche nach sächsisch-schlesisch-slawischen Sprachkontakten in Dialekten. / Zaginione słowa, zagubione skarby. W poszukiwaniu saksońsko-śląsko-słowiańskich kontaktów językowych w dialektach. In: Polonus. Zeitschrift für die polnische Sprache und den europäischen Dialog. Wissenschaftliche Ausgabe Nr. 4 (2025), S. 62–72.
- Ders.: Sachsen und Polen. Nachbarschaft mit Traditionen. In: Dieter Bingen, Andrzej Kaluza, Basil Kerski, Peter Oliver Loew (Hg.): Polnische Spuren in Deutschland. Ein Lesebuchlexikon. Bonn 2018, S. 367–370.
- Ders.: Polnische Spuren in Sachsen / Polskie ślady w Saksonii. Zur Tradition der sächsisch-polnisch-litauischen Personalunion (1697–1763). Eine Spurensuche / O tradycji sasko-polsko-litewskiej unii personalnej (1697–1763). Poszukiwanie śladów. In: Polonus. Zeitschrift für die polnische Sprache und den europäischen Dialog Nr. 10, 2 (2024), S. 4–11.
- Ders.: Confoederation Vistula et Albis. Kulturelle Langzeitwirkungen der Polnisch-Sächsischen Union. In: Dialog (89) 2009, S. 49–53.
5. Diskurse/Kontroversen
Die historische wie kulturgeschichtliche Bewertung der Personalunion zwischen Polen-Litauen und Sachsen war lange Zeit umstritten. Ihre Erforschung hat seit der Zäsur von 1989/1990 und dem Jubiläum im Jahre 2013 (250 Jahre Ende der Union) zu neuen Impulsen, multiperspektivischen Ansätzen und zur Neubewertung geführt. Das demonstrierte überzeugend die 1997 in den beiden wiederaufgebauten Königsschlössern von Warschau und Dresden gezeigte gemeinsame Ausstellung „Unter einer Krone – Kunst und Kultur während der sächsisch-polnischen Union“ (pol. /Pod jedną koroną. Kultura i sztuka w czasach unii polsko-saskiej). Eine neue Gesamtperspektive ergibt sich aus länderübergreifenden Analysen, aus transregionalen, transnationalen und interdisziplinären Perspektiven (Geschichts-, Literatur-, Musik- und Kulturwissenschaft), unter stärkerer Berücksichtigung Litauens, der Ukraine und Belarus. Entsprechende Verflechtungen, Netzwerke, wie auch ein spezieller Ideentransfer werden zwischen den Hauptstädten und Metropolen (Dresden, Warschau, Wilna/Vilnius) aufgezeigt. Die moderne Forschung hat einseitig-negative Urteile über die Personalunion und die preußisch-zentrierte Geschichtsschreibung mittlerweile überwunden.
So wurde früher das gemeinsame Staatswesen Sachsens als „eine Quelle der Schwäche“ und die polnisch-litauische Adelsrepublik als „unfähig zur Ordnung“ (Heinrich von Treitschke) gewertet. In Polen galt die Union über einen längeren Zeitraum als eine Ära des Niedergangs, als eine „Zeit der Finsternis“ bzw. der „Sächsischen Nacht“ (poln. saska noc), die eine unbefangene Sicht auf die historisch gewachsenen Beziehungen behindert habe. Dem widerspricht die vom sächsischen Kabinettsminister und sächsisch-polnischen Feldmarschall Jakob Wilhelm Flemming kurz nach der Wahl von August II. dem König unterbreitete Denkschrift „Umb Polen in Flor und in Ansehen gegen seine nachtbaren zu sezen“ (1697), in der eine „glückliche Confoederation“ (pol. szczęśliwa konfederacja) von Weichsel und Elbe (Confoederatio Vistulae et Albis) angestrebt wird. Verwiesen sei auch auf den polnische Historiker Jędrzej Kitowicz (1728–1804), der in seinen „Memoiren oder Die Geschichte Polens 1743–1795“ (pol. Pamiętniki czyli Historia Polski 1743–1795) durchaus wohlwollend über die Kultur, das Alltagsleben, die Sitten und Bräuche der „sächsischen Zeit“ (poln. czasy saskie) bzw. der „sächsischen Epoche“ (epoka saska) und die ambitionierten Reformbestrebungen berichtete.
In Sachsen, in Polen und in Litauen wurden bereits seit den 1960er Jahren Versuche unternommen, die einseitige Bewertung der Sächsisch-Polnischen Union einer wissenschaftlichen Revision zu unterziehen. Die Historiker Józef Andrzej Gierowski (Krakau), Jacek Staszewski (Thorn/Toruń), Karl Czok (Leipzig) und Johannes Kalisch (Rostock) begannen vor dem 300. Jubiläum der Thronbesteigung durch August den Starken, die sächsisch-polnische Epoche im Sammelband „Um die polnische Krone“ (1962) kritisch zu hinterfragen und analytisch neu zu bewerten. 1997 trugen zwei wissenschaftliche Konferenzen in Warschau, „Pod jedną koroną“/„Unter einer Krone“ und in Dresden, „Sachsen und Polen zwischen 1697–1763“ wie auch die in Warschau und Dresden gezeigte polnisch-sächsische Gemeinschaftsausstellung „Unter einer Krone – Kultur und Kunst während der sächsisch-polnischen Union 1697–1763“ zu einer differenzierten Neueinschätzung der Union als „Modell für eine fruchtbare Zusammenarbeit in der Europäischen Union“ (Norman Davies) bei. Der Schwerpunkt neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen liegt dabei auf den transnationalen Aus- und Nachwirkungen der Union. An die gemeinsame Union erinnerte auch die in Warschau (2010) und Dresden (2012) gezeigte Ausstellung „Polen aus freier Wahl. Deutschstämmige Familien in Warschau im 19. und 20. Jahrhundert“ (poln. Polacy z wyboru. Rodziny pochodzenia niemieckiego w Warszawie XIX i XX wieku).
In der modernen Forschung wird zunehmend die europäische Dimension der Union als vormoderne Herrschaftsform eines „composite state“ berücksichtigt, die mit ihren europaweiten Auswirkungen weit über die eigentliche reale Existenz der Union hinausreicht. Dabei wird der Ausbau der Infrastruktur, die Entwicklung von Architektur, Künsten, Literatur, Kultur und Musik, von Handel, Wirtschaft und Mode, der Austausch von Handwerkern, Arbeitern, Künstlern, Wissenschaftlern, Beamten, Militärs und „Spezialisten“ besonders hervorgehoben.
Eine wichtige Frage bei der Erforschung der Sächsisch-Polnischen Union ist die sprachliche Kommunikation ebenso wie Praktiken der Mehrsprachigkeit in einer multikulturellen Großregion, die Verwaltung, die Infrastruktur und die Medien eingeschlossen. Hinzu kommt die Frage, welche Waren, Kunst- und Alltagsgegenstände länderübergreifend gehandelt wurden. Zu einer grundlegenden Neubewertung der Union tragen bei: das „Deutsche Historische Institut Warschau“/„Niemiecki Instytut Historyczny w Warszawie“, die Professur für Geschichte an der TU Chemnitz u. a. mit der Konferenz „Zwei Staaten – eine Krone. Die polnisch-sächsische Union 1697–1763“, der Deutsche Historikertag, das „Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas (GWZO)“ und die deutsch-polnische Wissenschaftsgesellschaft „Societas Jablonoviana“ (beide in Leipzig), „PLUS 18 – Polen-Litauen und Sachsen im 18. Jahrhundert“ wie auch ein Forschungsprojekt am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) Dresden über die transnationalen Verflechtungen der Polnisch-Litauisch-Sächsischen Union. 2020 wurde die Niederlassung des Sächsisch-Polnischen Verbindungsbüros zur Förderung enger wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen in Breslau/Wrocław eröffnet. Touristisch kann heute die historische Strecke der alten Postkutschenverbindung zwischen Dresden und Warschau erneut nachvollzogen werden. Die Sicht auf die Sächsisch-Polnische Union ist aus litauischer Sicht ambivalent. Einerseits sollten die Vorteile eines starken Herrschers für die Eigeninteressen Litauens genutzt werden. In diesem Sinne setzte der litauische Adel auf die Unterstützung Augusts II. im Kampf gegen Schweden und die Sicherung der Nordgrenze des Großfürstentums gegen den Einfluss Russlands in Litauen. Andererseits wurden zunehmend Forderung nach eigenen Autonomierechten laut, und wurde auf die Beibehaltung der „goldenen Freiheiten“ für den litauischen Adel bestanden.
Periodika
- Zeitschrift Dresdner Hefte. Beiträge zur Kulturgeschichte, sächsische Landesgeschichte, Beziehungen zu Polen.
- Jährlich erscheint die deutschsprachige Fachzeitschrift für Sächsische Landesgeschichte, Neues Archiv für Sächsische Geschichte (NASG) Dresden.
- Zeitschrift Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas (jgo), veröffentlicht Forschungsarbeiten, die sich mit den historischen Verbindungen zwischen Sachsen, Polen und Preußen beschäftigen.
- Polen-Analysen. Publikationsreihe des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und der DGO.
- Publikationen der wissenschaftlichen Gesellschaft Societas Jablonoviana (Leipzig).
- Deutsch-Polnische Geschichte. (Buch)Reihe.
- Publikationen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e.V.
Weblinks
- www.slpb.de/themen/geschichte/mittelalter-neuzeit/1694-bis-1806 (Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung (slpb). 1694 bis 1806)
- www.dhi.waw.pl/aktuelle-meldungen/detail/news/neue-impulse-zur-erforschung-der-saechsisch-polnischen-union.html (Neue Impulse zur Erforschung der sächsisch-polnischen Union – Deutsches Historisches Institut Warschau DHIW)
- perspectivia.net/receive/ploneimport_mods_00011614 (Die Personalunionen von Sachsen-Polen 1697–1763 und Hannover-England 1714–1837; Sammelwerk, Hg. Rex Rexheuser, 2005, bei perspectivia.net, Publikationsplattform der Max Weber Stiftung)
- wsjp.pl/haslo/podglad/65134/saksy saksy
- www.porta-polonica.de/de Porta Polonica Kultur und Geschichte der Pol:innen in Deutschland
- www.grin.com/document/112795 (Lydia Weißbach, Seminararbeit, 2008: Die Begründung der sächsisch-polnischen Union durch August II. 1697)
- www.isgv.de/projekte/saechsische-geschichte/saechsisch-polnischeunion (Sächsisch-Polnische Union – Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.) kokopol.eu/wissenschaftlicher-polonus-sonderausgabe-2025/
Weblinks
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- www.dhi.waw.pl/aktuelle-meldungen/detail/news/neue-impulse-zur-erforschung-der-saechsisch-polnischen-union.html (Neue Impulse zur Erforschung der sächsisch-polnischen Union – Deutsches Historisches Institut Warschau DHIW)
- perspectivia.net/receive/ploneimport_mods_00011614 (Die Personalunionen von Sachsen-Polen 1697–1763 und Hannover-England 1714–1837; Sammelwerk, Hg. Rex Rexheuser, 2005, bei perspectivia.net, Publikationsplattform der Max Weber Stiftung)
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- www.porta-polonica.de/de Porta Polonica Kultur und Geschichte der Pol:innen in Deutschland
- www.grin.com/document/112795 (Lydia Weißbach, Seminararbeit, 2008: Die Begründung der sächsisch-polnischen Union durch August II. 1697)
- www.isgv.de/projekte/saechsische-geschichte/saechsisch-polnischeunion (Sächsisch-Polnische Union – Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.) kokopol.eu/wissenschaftlicher-polonus-sonderausgabe-2025/
Anmerkungen
[1] Die Bezeichnung „Sächsisch-Polnische Union“ bzw. „Polnisch-Sächsische Union“ (Unia polsko-saska) ist eine vereinfachende Verkürzung. Die explizite Erwähnung „Litauen“ dient der fachsprachlichen Präzision. Dementsprechend lautet der präzise, historisch korrekte Terminus: „Polnisch-Litauisch-Sächsische Union“. Offiziell führten August der Starke und sein Sohn den Titel „König von Polen und Großfürst von Litauen“.
[2] Zu ihnen zählen Vertreter der polnischen Aufklärung wie Hugo Kołłątaj (1750–1812), Julian Ursyn Niemcewicz (1757–1841) und Franciszek Dmochowski (1762–1818). Der polnische Nationalheld Tadeusz Kościuszko (1746–1817) und der Sejm-Marschall und Urheber der Verfassung vom 3. Mai, Stanisław Małachowski (1736–1809) bereiten von Leipzig aus den Kościuszko-Aufstand von 1794 vor. In Dresden vollendet der polnische Nationalschriftsteller Adam Mickiewicz (1798–1855) den dritten Teil seines Nationaldramas Ahnenfeier (Dziady): Dresdner Totenfeier (Dziady Drezdeńskie; 1832).
[3] Rex Rexhäuser: Die Personalunionen von Sachsen-Polen (1697-1763) und Hannover-England (1714–1837) Ein Vergleich. Warschau 2005. Frank-Lothar Kroll, Hendrik: Zwei Staaten, eine Krone Thoss. Berlin 2016.
[4] home.uni-leipzig.de/jablonov/
[5] Polonika. Dziedzictwo za granicą. Baza poloników. https://polonika.pl/baza-polonikow
[6] Mit Hilfe der Stiftung „Saski 2018“ hat 2023 der Wiederaufbau beider Paläste begonnen.
Zitation
Hans-Christian Trepte: Sächsisch-Polnische Union. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2026. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p81536 (Stand 18.06.2026).